Politische Bildung in Zeiten des Populismus

Zur Wirkung in einer Ära der Polarisierung, Verrohung und fake news

Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 06.09.2018

Von: Theresa Fischer

Foto: Pixabay CC0 / eigene Collage

# Medien / Politische Bildung / Populismus und Extremismus

Politische Bildung ist die zentrale Grundlage demokratischer Ordnungen und Garant einer pluralistischen Gesellschaftsstruktur in einer offenen und verflochtenen Welt. Doch wo liegen ihre Wirkungsmöglichkeiten in einer Ära zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung, kommunikativer Verrohung und Verdrängung faktenbasierter Diskurse? Mit welchen Strategien und Inhalten kann populistischen Umtrieben entgegengewirkt werden? Antworten lieferte eine offene Sitzung der Kommission Europäische und Internationale Bildungsarbeit im Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB).



Professionalität und Haltung

Rico Behrens (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt/Foto oben) stellt fest: Der Umgang miteinander ist härter geworden, Empathie hat an Bedeutung verloren. Populisten könne man ihre Popularität nicht vorwerfen. Allerdings: Ihre antiplurale Haltung sei antidemokratisch. Er merkt an, dass der Konsens der offenen Gesellschaft zu einem neuen Rassismus geführt hat. Die bislang marginalisierten extremen Parteien sind im Aufwind – und deshalb für die Demokratie gefährlicher geworden. Das Finden von Antworten auf diese Entwicklungen ist die Aufgabe der Politischen Bildung. Behrens' erste Anregung: Bereits in der Schule sollte Demokratie als „Kultur der Anerkennung" erlernt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt sei das Gewinnen und Stärken von Multiplikatoren als Verantwortungsträger. Wer in der politischen Bildung tätig ist, muss nach Behrens' Ansicht eine klare Haltung einnehmen. Also: Menschenrechtsbasiertes Sprechen, Denken und Handeln, Schutz von Schutzbedürftigen und die unaufgeregte Auseinandersetzung mit den aktuellen Themen.

Medienbildung im Zeitalter von Social Media

„Google-Treffer machen Menschen", bemerkt Sven Kommer (RWTH Aachen/Foto unten). Die Menschen wissen allerdings nicht, nach welchen Algorithmen die großen Konzerne entscheiden, was ihnen als Verbraucher angezeigt wird und welche Daten genau dafür verwendet werden. Das ist gefährlich. Die Konsequenz, sämtliche (digitale) Medien in der politischen Bildung außen vor zu lassen, ist es ebenso. Denn mittlerweile besitzen 90 Prozent der Oberstufen-Schülerinnen und -Schüler hierzulande ein Smart-Phone, allgemein hat die Beschäftigung mit Medien in der Freizeit stark zugenommen. Durch die weltweite Vernetzung hinterlässt man bei jedem Besuch im Netz Spuren. Darüber beschweren sich die Menschen allerdings nicht mehr, denn: Sie haben den Überblick darüber verloren, welche ihrer Daten verkauft oder weitergegeben werden.

Auch Desinformation ist inzwischen ein Geschäftsmodell, mit dem Geld verdient wird. Selbst die sogenannten „Digital Natives" besitzen wenig Medienkompetenz. Dazu gehören nicht nur Medienkunde und - gestaltung, sondern auch die richtige Mediennutzung sowie analytische, reflektierte und ethische Medienkritik. Kommer ist davon überzeugt, dass politische Bildung auch immer Medienbildung sein muss, denn diese Begriffe sind in der heutigen Zeit nicht mehr voneinander trennbar.

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Politische Bildung in Zeiten populistischer Hochkonjunktur


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