Die offene Gesellschaft und ihre Gegner

Tutzinger Mediendialog über den radikalen Wandel unserer Kommunikation

Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 04.12.2018

Von: Sebastian Haas und Zinedin Sparr

Foto: Pixabay CC0/geralt

# Gesellschaftlicher Wandel, Medien

Download: Tutzinger Medien-Dialog

Das Erstarken des Populismus und der Verfall der Diskussionskultur sind eng verbunden mit dem radikalen Kommunikations- und Strukturwandel der Öffentlichkeit. Beim Tutzinger Mediendialog beschäftigen sich Journalistinnen und Journalisten mit den Herausforderungen durch Digitalisierung, Globalisierung, Hate Speech, Shit Storms, Fake News... Wie kann ein Diskurs organisiert werden, der die Gesellschaft integriert statt spaltet? Wie können politische Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Medien in digitalen Zeiten bewahrt werden? Wie kann sich ein gebührenfinanzierter öffentlicher Rundfunk in Zukunft legitimieren? Antworten vom #tumedi18 – teils im Twitter-Stil!


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Flickr-Galerie © Akademie für Politische Bildung Tutzing

Medienwissenschaftler Stephan Ruß-Mohl (Università della Svizzera italiana, Lugano) diskutierte dabei mit Tatit Koch über Information und Desinformation. Für die ehemalige Chefredakteurin der BILD-Zeitung sind drei Faktoren zentral, um eine freie Berichterstattung zu gewährleisten: Die geistige, inhaltliche und politische Unabhängigkeit.

  • Zur vermeintlichen #Nachrichten-Flut fragt @tanit: Wär's Ihnen lieber, wenn Nachrichtensprecher verkünden würden: "no news" [geschehen an einem Abend 1930 @BBC]?
  • Nehmt die #Provinz & deren Einwohner ernst, rät @tanit - die Filterblase entsteht auch ohne #SocialMedia, sie entsteht zwischen Berlin-Mitte, München-Schwabing und den ländlichen Regionen.
  • Der Segen der #Digitalisierung - neue Vertriebswege für mediale #Inhalte - ist zugleich ein Fluch; neue Abhängigkeit von #Plattformen wie Google, Facebook etc. @tanit ...und diese lösen das Konzept der journalistischen #Urheber auf.

Wie guter Journalismus überleben kann

Schnell oder gründlich? Berichtend oder hintergründig? Meinungsstark oder analytisch? Nah dran oder distanziert? Konstruktiv oder kritisch? Joachim Braun, Chefredakteur der Ostfriesenzeitung, muss sich als passionierter Lokal- und Regionaljournalist täglich mit diesen Fragen zu eigenen Berichterstattung auseinandersetzen. Alle Erfahrungen und Umfragen zeigen jedenfalls: Die Leser und User wollen News, Meinung, Hintergrund – und etwas zum Weitererzählen. Klingt einfach, kann aber nur funktionieren in Strukturen, die mit den veränderten Gegebenheiten digitaler Mediennutzung mithalten.

  • „Der kürzeste Witz in der Branche heißt: Zwei Verleger sind sich einig", beklagt @JBraun1965, hinsichtlich fehlender Zusammenarbeit von Zeitungen bei der #Medieninnovation. Das zeigt sich ja auch auf der anderen Seite der Medaille: So viele Zeitungen, so viele Bezahlsysteme.
  • „Zeitung Lesen ist etwas Irrationales", sagt @JBraun1965. In der Tat hat Mediennutzung sehr viel mit Ritualen zu tun. Ein Aspekt, der nicht unterschätzt werden darf.
  • .@JBraun1965 über das Dilemma im Lokal-/Regionaljournalismus, u.a. über die Leser: „Internet und wirtschaftliche Probleme der Verlage sind ihnen völlig egal".
  • „Wir müssen Themen bearbeiten, nicht Termine", sagt @JBraun1965 #Lokaljournalismus.
  • „Nachrichten sind tot. Lokalzeitungen müssen dem Leser Mehrwert bieten."

Anja Reschke, Leiterin der Abteilung Innenpolitik beim NDR-Fernsehen, im Gespräch mit Diemuth Roether, verantwortliche Redakteurin epd medien, über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

  • Gibt es eine Strategie gegen Shitstorms im Netz? @AnjaReschke1 berichtet von junger Kollegin, der sie riet: „Das ist nicht die Welt da draußen". Diskussion ist noch nicht zuende. Reschke schreibt auch Kritikern.
  • .@AnjaReschke1 hält einen Publikumsrat nicht für sinnvoll, freilich muss der Rundfunk offener und transparenter mit dem Publikum interagieren. Reschke war in diesem Jahr schon auf 40 Veranstaltungen, berichtet sie.
  • "Immer mehr #Bürger haben die Vorstellung, #Politik und #Medien müssten sie bedienen." Einer von vielen Gründen für #Vertrauensverlust, sagt @AnjaReschke1.
  • "Die besten #Argumente aller Seiten müssen sichtbar werden" - @AnjaReschke1 erinnert an die Grundsätze hochwertiger #Recherche & ausgewogener Berichterstattung.

Wie umgehen mit der Scheiße im Netz?

Medienwissenschaftler Wolfgang Schweiger (Universität Hohenheim) und Gökalp Babayigit, Geschäftsführender Redakteur von sueddeutsche.de informierten über die Vermittlung und Rezeption von Informationen im Zeichen von hate speech, shitstorms und fake news. Was Ihrer Ansicht nach vor allem hilft: Transparentes Arbeiten und ein niemals abreißender Dialog zwischen Journalisten, PR-Profis, Lesern und Usern.

  • „Flüchtlinge, Russland, Flüchtlinge & Flüchtlinge", sind die umstrittensten Themen der @SZ-Nutzer, sagt @G_Babayigit. Er berichtet über den transparenten Umgang mit Fehlern (z.B. Hinweise unter Artikeln) und leserbasierte Projekte (Werkstatt Demokratie) etc.
  • @G_Babayigit ist optimistisch was Hatespeech, „Fake News" und Shitstorms betrifft: „Es ist nicht alles verloren. Man kann auch als großer Tanker wie wir etwas dagegen tun."

Den Tutzinger Mediendialog „Die offene Gesellschaft und ihre Gegner" haben wir in Zusammenarbeit mit der ehemaligen Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb), Dagmar Reim, veranstaltet. Wir danken herzlich für die gute Zusammenarbeit!

 

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Weitere Informationen

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Buchtipp: Stephan Ruß-Mohl - Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde. Warum die Digitalisierung unsere Demokratie gefährdet

Buchtipp: Wolfgang Schweiger - Der (des)informierte Bürger im Netz. Wie soziale Medien die Meinungsbildung verändern.

BR-Interview mit Wolfgang Schweiger: Was macht guten Journalismus im Netz aus?


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