Geld, Kapital und Schulden

Tutzinger Sommerakademie Wirtschaft über Geld und Glück, Anlagetipps in unsicheren Zeiten und neue Bezahlsysteme

Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 12.09.2016

Von: Dominik Kühl

Foto: von www.elbpresse.de (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

# Euro / Soziale-Marktwirtschaft

„Geld, Kapital und Schulden – im 21. Jahrhundert und davor“ war das Thema unserer Sommerakademie 2016. Erfahrene Ökonomen sprachen über Geld und Glück, den Euro, Anlagetipps in unsicheren Zeiten und neue Bezahlsysteme wie Bitcoin.


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Peter Hampe von der Hochschule für Politik München eröffnete die Tagung mit einem wirtschaftsgeschichtlichen Vortrag mit Schwerpunkt auf den Währungsreformen von 1923/4 und 1948 infolge der Weltkriege. Sowohl 1923/24 als auch 1948 musste ein sogenannter „Währungsschnitt“, also kein wertgerechter Umtausch des alten Geldes, vollzogen werden, da eine starke Inflation vorausgegangen war. Anders verhält es sich bei einer Währungsumstellung, wie 2001 bei der Einführung des Euro, als der Realwert des Geldes weitgehend gleich blieb. Auch heute sollte man sich im Klaren sein, dass unter Umständen Geld an Realwert verlieren kann.

Wie Kapital anlegen? Und wo?

Armin Jans, ehemaliges Mitglied im Bankrat Schweizerische Nationalbank, warf die Frage auf, ob die Schweiz im Zuge des zukünftigen Informationsaustauschs als „Anlageland“ ausgedient hat. Steuerplanung, auch Steuerumgehung genannt, ist in der Schweiz legal, auch Steuerhinterziehung wird lediglich als Vergehen (und nicht als Straftat) angesehen. Mit dem automatischen europäischen Informationsaustausch, an dem auch die Schweiz ab 2018 teilnimmt, wird es jedoch schwieriger ein anonymes Bankkonto einzurichten. Dennoch ist Professor Jans von Service und Qualität der Schweizer Banken überzeugt und geht davon aus, dass die Schweiz ein beliebtes Anlageland bleibt.

Wie kann Kapital in unsicheren Zeiten angelegt werden? Der ehemalige Chefvolkswirt der HypoVereinsbank Martin Hüfner rät davon ab, in die angeblich sichere Konstante Gold zu investieren, da es als einzelnes Metall hohe Kursschwankungen habe und keinen Schutz in Krisen biete. Stattdessen empfahl er nachhaltige Anlagen und erklärte, er selbst habe in Staatsanleihen der Bundesrepublik investiert und auf diese Weise die Finanzkrise von 2007/08 sogar mit Gewinn überstanden.

Umverteilung von Vermögen? Faktisch unmöglich

Im Verlauf der Tagung wurde des Öfteren die Problematik der ungerechten Geldverteilung angesprochen. So besitzen die reichsten 10 Prozent etwa 85 Prozent des Weltvermögens, wohingegen die ärmste Hälfte nur ein Prozent besitzt. Eine Vermögensumverteilung finde aber nur bei Krieg, Sozialen Revolutionen oder Börsencrashs statt. Thomas Mayer, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank, fragt daher: Brauchen wir ein neues Geldsystem? Mayer zufolge sei dies notwendig, da sich nicht die Frage stellt, ob, sondern wann und wie der Euro scheitere. Er stellte als eine der Alternativen das Bitcoin-Zahlungssystem vor, eine

Zeit ist Geld...

Für eine anregende Diskussion sorgte Karlheinz Ruckriegel mit seinem Vortrag „Geld und Glück“. Er zeigte eine andere Seite ökonomischen Denkens auf: Geld kann zwar eine Vielzahl unserer Bedürfnisse befriedigen, ist aber nicht das höchste Ziel. In unserer Gesellschaft ginge es nur darum, ein möglichst hohes Einkommen zu erzielen, dabei vergesse man, dass sich die Lebenszufriedenheit am besten dadurch steigern lässt, indem man die verfügbare Zeit besser nutzt. Es sei daher vollkommen unökonomisch, sich auf Geld und Einkommen zu fixieren. Zeit sei die weitaus begrenztere Ressource. „Glückliches Geldausgeben“ bedeutet dennoch, in Erfahrungen zu investieren oder Zeit/Freiheit zu kaufen.

Es referierten außerdem: Piotr Pysz (Hochschule für Finanzen und Management, Bialystok) über „Geld im Sozialismus“, Richard Frensch (Universität und IOS Regensburg) über „Das Kapital im 21. Jahrhundert und davor – Eine kritische Würdigung der Thesen Pikettys“, Thiess Büttner (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) über „Verschuldung: Wo liegt das Problem?“ und Georg Eckert (Bergische Universität Wuppertal) über „Kredit als Lebensform: Schulden in der Moderne“.


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