Gratwanderungen

Medienethik zwischen Kommerz, Information und Unterhaltung

Bayreuth / Tagungsbericht / Online seit: 29.04.2015

Von: Carina Schmotz

# Zukunft-der-Medien / Bildung-und-Digitalisierung / Ethik-und-Journalismus / Medienwandel / Radio-und-Fernsehen

Bleibt die Ehtik auf der Strecke bei der Jagd nach Neuigkeiten? (Zeichnung: Gerhard Mester)

Hinrichtungsvideos und Fotos von Enthauptungen im Netz – solche Bilder wären in analogen Zeiten in den klassischen Medien sicher nicht verbreitet worden. Mit dem Internet als globale Plattform für Medieninhalte aller Art ist die Frage schwieriger geworden, wie ethische Normen kontrolliert werden sollen. Um diese Fragestellung ging es in unserer Tagung in Kooperation mit dem Deutschen Evangelischen Frauenbund in Bayreuth.

In der analogen Zeit war die Medienkontrolle eine überschaubare Angelegenheit. Der Deutsche Presserat und Rundfunkräte wachten über die Einhaltung der Richtlinien, die ethischen Anforderungen an die Medien waren geregelt. Mit dem Aufkommen des Internets vor mehr als 20 Jahren änderte sich das Verständnis von Nachrichten und Unterhaltung von Grund auf - die über das Internet verbreiteten Inhalte sind nur sehr schwer bis gar nicht kontrollierbar.

Der Wahrheitsgehalt der heutigen Medien

„Medien müssen unterhalten, informieren und zugleich bilden“, so Professor Roland Rosenstock (Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald). Deshalb stellen Medienunternehmen, die anderen Intentionen folgen, ein Problem für den Wahrheitsgehalt dar, da sie etwa auf politisch-ideologische Zwecke aus sind. Denn Skandale verkaufen sich bekanntlich gut und steigern somit die Auflage oder die Quote. Ob es moralisch vertretbar oder ein Teil einer Inszenierung ist, wird oft nicht hinterfragt. Rosenstocks Lösung: einerseits die Berufsethik bei Journalisten schulen und andererseits die Nutzer ein Bewusstsein von Qualität entwickeln lassen, was zum Verzicht oder Boykott des fragwürdigen Inhalts führt. Auch den richtigen Umgang mit Bildern mahnt Rosenstock an, denn es müsse nur eine Kleinigkeit verändert werden, und das ist heute technisch leicht möglich, um die eigentliche Aussage essenziell zu verändern. „Wir sind in einem Zeitalter, in dem es einen Konkurrenzkampf von Bildern gibt“. Dieser Meinung ist auch Dr. Hilde Stadler (ARD-Korrespondentin und stellvertretende Vorsitzende des Bayrischen Journalistenverbandes München). „Ein Bild spricht mehr als tausend Worte, aber muss richtig eingeordnet werden“, so die Journalistin. Sie schilderte aus ihren beruflichen Erfahrungen, dass  Video- und Bildausschnitte in Zeitungen veröffentlicht wurden, aber nicht klargestellt wurde, dass moralische fragwürdige Aktionen nur einzelne Gruppen und nicht eine ganze Gesellschaft wiederspiegeln.

Der Druck der Medien

Durch das Internet sind Medienunternehmen gezwungen, zu handeln. Denn Nachrichten verbreiten sich über das Internet wie ein Lauffeuer, so wie beispielsweise der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. „In so einem Fall muss man produzieren“, so Stadler über diesen konkreten Fall, „obwohl man noch keine näheren oder bestätigten Informationen hat- sozusagen eine journalistische Erstversorgung“. Vor allem bei Kriegs- und Krisenberichterstattung spielt die Medienethik eine wichtige Rolle, da in diesen Regionen geballt Gewalt und Brutalität vorkommt und auch digital festgehalten wird. Einerseits sollte eine problematische Situation nicht verharmlost und der breiten Masse vorenthalten werden, aber dennoch sollte die Menschenwürde der Opfer und Angehörigen unangetastet bleibt. Ein Beispiel wie schwer kontrollierbar das Internet ist, sind die Hinrichtungsvideos von islamistischen Terroristen. Solche Bilder verstoßen in mehreren Fällen gegen den Pressekodex. Bei der anschließenden Diskussion mit Heinz Heim (Bereichsleiter Programm der Bayrischen Landeszentrale für neue Medien) und Carlos Zamorano (Direktor Marketing & Kommunikation, RTL 2) waren sich beide Referenten einig: Der richtige Umgang mit Medien müsse unterstützt werden. „Jugendliche und junge Erwachsene zeigen oft eine größere Medienkompetenz als ältere Generationen“, so die Erfahrungen Zamoranos. Allerdings forderte Heim eine bessere Kontrolle der sozialen Netzwerke, die junge Leute besonders gerne nutzen und dabei häufig ihre Daten unvorsichtig preisgeben.


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