Künstlich? Intelligent? Eine Chance oder Gefahr?

Ringvolesung "Künstliche Intelligenz" im Livestream

Auch die Politische Bildung ist in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen herausgefordert, ihr Publikum auf wenig erprobten Wegen zu erreichen: Mit unserem Kooperationspartner, der Technischen Hochschule Nürnberg, haben wir den Schritt nach vorne gewagt - und den Beginn der Ringvorlesung Technikjournalismus zum Thema "Künstliche Intelligenz" ins Internet verlegt. Es wird nicht die letzte Online-Vorlesung gewesen sein.


Nürnberg / Tagungsbericht / Online seit: 17.04.2020

Von: Dr. Sebastian Haas / Foto: TH Nürnberg

# Medien, Digitalisierung, Medienethik

Programm: Journalistenakademie: Ringvorlesung Künstliche Intelligenz

Livestream zu allen Vorträgen der Ringvorlesung "Künstliche Intelligenz"

YouTube-Video

Erst im Oktober vergangenen Jahres hat Ministerpräsident Markus Söder die Hightech Agenda Bayern vorgestellt, ein Förderprogramm in Milliardenhöhe für die Forschung in Bayern. Eine der wichtigsten Säulen der Agenda ist die Investition in Künstliche Intelligenz (KI). Schließlich entwickelt sich die Industrie in Deutschland immer stärker vom produzierenden Gewerbe hin zu Wissens- und Technologiedienstleistungen. Sprachassistenten sind bereits in viele Haushalte eingezogen und Wetterberichte auf unseren Smartphones oder Liveticker zu Sportevents sind häufig von KI generiert. "Automatische Gesichtserkennung, Hautkrebsdiagnosen, das Aufdecken von Bildfälschungen - mit dem Begriff 'Künstliche Intelligenz' werden die unterschiedlichsten Technologien und Anwendungen beschrieben. Doch neben sinnvollen Lösungen werden auch immer wieder fragwürdige Produkte angeboten. Deshalb beleuchten wir in der Ringvorlesung die verschiedensten Aspekte von KI", sagt Markus Kaiser, Professor für Praktischen Journalismus an der TH Nürnberg.

An fünf Abenden diskutieren bei der Ringvorlesung Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Forschung Chancen und Risiken von KI, rechtliche Aspekte und die Auswirkungen auf die Medienbranche. Den Beginn machte Niraimathi Appavu-Gauss vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen. Corona-bedingt sprach sie im Livestream aus einem fast menschenleeren Fernsehstudio der TH Nürnberg - organisiert und durchgeführt von Studierenden des Studiengangs Technikjournalismus/Technik-PR unter der Leitung von Fernsehstudio-Leiter Norbert Weigand und Stefan Fries vom Learning Lab der TH.

Eine smarte Welt

"Künstlich? Intelligent? Eine Chance oder Gefahr?" - mit dieser großen Frage war die Online-Veranstaltung zur Künstlichen Intelligenz umschrieben. Niraimathi Appavu-Gauss erläuterte, warum KI plötzlich so allgegenwärtig erscheint, zeigte Beispiele für aktuelle Anwendungen und den Einfluss auf verschiedene Industrien und unser privates wie berufliches Leben. Generell ist die Rechenleistung unserer Informationssysteme inzwischen gleichzusetzen mit der eines menschlichen Gehirns, die Bandbreite der Datenübertragung wächst und wächst, ebenso die Kapazität der Daten, die ein Computer aufnehmen kann. All das zusammen erklärt den derzeitigen Hype um die KI. Die ist unterwegs vom deklarativen Wissen ("Die Straße ist weiß - es hat geschneit.") zu heuristischem Wissen, das Lösungswege von selbst erkennt und zum Beispiel erklären kann, warum ein Auto nicht anspringt - und nicht nur, dass es nicht anspringt.

Die Anwendungsgebiete Künstlicher Intelligenz sind schon heute vielfältig:

  • smart factory: Die Produktion von Waren nach Kundenwunsch. Da wird der erste BMW in der Produktionsreihe blau, der nächste grün, der nächste hat vier Räder, der übernächste womöglich sechs. Alles scheint möglich.
  • smart logistics: Lieferketten können in Echtzeit angepasst und im besten Fall optimiert werden.
  • smart maintainance: Hier wird es kompliziert - denn die Wartung von Produkten erschwert sich, weil sie immer individueller werden. Aber mit Sicherheit findet die KI bald eine Lösung.
  • smart grid: Die optimale Nutzung von Energie und Datenströmen - errechnet durch... Sie wissen schon!
  • smarte Autos fahren alleine, die Gesichtserkennung erkennt, in welchen Bus ich einsteige und wie viel meine Fahrt kostet, mein Haus weiß mit seinen Sensoren mehr über meinen Gesundheitszustand als ich.

Allgegenwärtig - und eine Gefahr für meinen Job?

Die KI wird allgegenwärtig. Viele Menschen fürchten deshalb, dass sie (und ihre Roboter) Arbeitsplätze ersetzen kann. Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen fragen sich, ob die KI womöglich mehr Gefahr als Chance für ihren Industriezweig und ihr Geschäftsmodell darstellt. Wie sollten sich die Industrien vorbereiten, um in ihren Weg in eine Zeit zu finden, in der ihre heutigen Geschäftsmodelle nicht mehr funktionieren? "Bahnbrechende Innovationen erschaffen mehr Jobs, als sie vernichten", gibt sich Niraimathi Appavu-Gauss gelassen. Gerade die Autoindustrie, die derzeit besonders viel unter dem vermeintlichen Innovationsdruck stöhnt, sei das beste Beispiel dafür. Appavu-Gauss ist sicher: Wenn die Menschheit flexibel, wissbegierig, wachsam bleibt und die Expertinnen und Experten ihre Erkenntnisse sinnvoll einbringen, kann das Zusammenwirken von menschlicher und künstlicher Intelligenz gewinnbringend sein.


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