Lucy van Kuhl singt Geschichten aus dem Leben

Musikkabarettistin zeigt ihr Programm "Auf den zweiten Blick" in der Akademie

Wo Lucy van Kuhl ist, ist ein Klavier meist nicht weit. Mit ihren Liedern aus dem neuen Programm "Auf den zweiten Blick" hat die Musikkabarettistin das Publikum in der Akademie für Politische Bildung zum Lachen und zum Nachdenken gebracht.


Tutzing / Kultur / Online seit: 29.01.2023

Von: Beate Winterer / Foto: Beate Winterer

# Kultur

Programm: Kultur am See: Auf den zweiten Blick

Auf den zweiten Blick

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"Wann endet nur der Januar?", fragt Lucy van Kuhl ihr Publikum und ergänzt: "Ich brauch' schon Psychopharmaka." Nicht etwa, weil Dunkelheit und Kälte der Kabarettistin zusetzen, sondern weil sie in einem ihrer Lieder das Jahr mit Detox begonnen hat. Dabei klang das Prinzip anfangs ganz einfach: "Man isst nicht mehr die Sachen, die einem schmecken, sondern nur noch die, die einem nicht schmecken", erklärt die gebürtige Kölnerin, die eigentlich Corinna Fuhrmann heißt. Mit ihrem neuen Programm "Auf den zweiten Blick" war sie zu Gast im Kulturprogramm der Akademie für Politische Bildung in Tutzing.

Geschichten zum Lachen und zum Grübeln

"Schöner, schlanker und vital" sollte Detox machen, doch Lucy van Kuhl besingt vor allem "fiese Mischungen aus dem Mixer" und sehnt sich nach der Sahnetorte am Nachbartisch im Café. Ihre Geschichten begleitet sie meist am Klavier, manchmal erzählt sie auch nur, verstellt die Stimme, lässt die Mimik im Scheinwerferlicht sprechen. Mehr braucht sie nicht, um das Publikum in der Akademie zum Lachen zu bringen - oder auch zum Nachdenken.

Zum Beispiel wenn sie im Lied "Jeden Nachmittag im Park" von der Einsamkeit alter Menschen singt. Oder wenn sie in "Wo ist Frau Schmidt?" ihre betagte Nachbarin sucht, die nach einem Corona-Lockdown aus dem Mietshaus in Prenzlauer Berg verschwunden ist. Oder wenn sie sich in "Ich will dich" von ihrem Partner wünscht, "ich will dich mal wieder vermissen", weil es die beiden nur noch im Doppelpack gibt.

Kabarettistischer Blick auf die Liebe

Generell ist Liebe ein großes Thema im neuen Programm von Lucy van Kuhl. Das beginnt schon mit dem Titel, in dem sie sich "Auf den zweiten Blick" verliebt, weil sie dem ersten nicht mehr traut. Sie singt aber auch über den 50. Hochzeitstag von Hermine und Herbert, der beinahe in einem Doppelmord endet, den wohl niemand bedauern würde. Ähnlich desaströs, aber zur heiteren Melodie von "Eine Seefahrt, die ist lustig", besingt sie die Ehe von Gertrud, die im Discounter eine Luxuskreuzfahrt kauft, von der ihr knausriger Gatte Willi nicht mehr zurückkehrt. Hol-la-hi, hol-la-ho...

Lucy van Kuhl sinniert über die Olympia-Disziplin "Spülmaschine so einräumen, dass das Geschirr genauso dreckig wieder rauskommt", die in ihrer eigenen Beziehung eine gewisse Rolle zu spielen scheint. Eine kurze Anleitung: Essensreste nicht abkratzen und eintrocknen lassen. Möglichst eng einräumen, vor Suppenteller einen geraden Teller, damit kein Wasser dazwischenkommt. Salatbesteck verhindert, dass sich der obere Sprüharm dreht, Essstäbchen fallen durch den Besteckkorb und blockieren den unteren Sprüharm. Außerdem den Geschirrspüler nie reinigen und grundsätzlich keinen Klarspüler verwenden. "So gewinnt man mindestens eine Silbermedaille", verspricht die Kabarettistin mit Verweis auf einen ihr sehr bekannten Menschen. "Über Ihr Bild von Beziehungen könnte man diskutieren, wobei es von der Länge der Ehe abhängt, wie die Diskussion ausgeht", resümiert Akademiedirektorin Ursula Münch.

Internet-Witze und Kinderlieder

Einen schwächeren Moment hat die Vorstellung, als die Kabarettistin Social-Media-Momente auf das analoge Leben überträgt: Leute am Ku'damm fragen, ob sie mit ihr befreundet sein möchten, erzählen, was sie gestern und heute gemacht hat, Fotos aus der Kindheit und vom Essen zeigen und bei Gesprächen immer mit "Gefällt mir" antworten. Das Resultat: innerhalb kürzester Zeit fünf Follower, zwei Polizisten, ein Therapeut und ein Krankenpfleger. Leider dürfte die Szene vielen Facebook-Usern bestens von Memes bekannt sein, die dort seit Jahren kursieren.

Besser kommt der Ausflug in die Welt der Kinderlieder an. Die studierte Germanistin und Pianistin stellt dem Tutzinger Publikum Paul vor, der "prinzipiell Prinzessin sein" will, Krone und Sommerkleid trägt, auf Einhörner-Quartett steht, gerne zum Ballett geht und ein talentierter Fußballer ist. Während sein Freund Nico ihm nacheifert, träumt Linda von einer Karriere als "Kanzler, König, Kaiser, einfach Boss" und Patricia wird Papst. Für diesen Teil des Abends erntet sie nicht nur von den jüngeren Besucherinnen und Besuchern viel Applaus.

Publikumsnähe am Klavier

Zu Lucy van Kuhl gehört neben ihrem Klavier auch der herzliche und nahbare Umgang mit dem Publikum. Sie sitzt nah am Bühnenrand, nur wenige Meter von der ersten Stuhlreihe entfernt. Manchmal fragt man sich, ob das, was sie sagt, zur Show gehört oder ob gerade einfach die Freude aus ihr heraussprudelt. Zum Beispiel wenn sie den Zuschauerinnen und Zuschauern für ihre Anwesenheit dankt. "Es ist zu diesen Zeiten nicht selbstverständlich, in Kulturveranstaltungen zu gehen. Ohne Sie wär's nur halb so schön." Das kann das Publikum nur zurückgeben.


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