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Holger Paetz im Doppelpack

Kabarettist zeigt Jahresrückblick und Fastenpredigt in Tutzing

Holger Paetz war in den vergangenen Wochen Stammgast in Tutzing. Der Kabarettist und frühere Autor der Singspiele am Nockherberg hat in der Akademie für Politische Bildung seinen Jahresrückblick "So schön war's noch selten!" und die Buß- und Fastenpredigt "Fürchtet Euch!" gezeigt. Zwei bitterböse und unterhaltsame Abende über Politik und Gesellschaft.

Kabarett mit Holger Paetz

Flickr-Galerie © Akademie für Politische Bildung Tutzing. Bitte klicken Sie auf das Foto, falls die Galerie nicht lädt. Sie werden zu Flickr weitergeleitet.

Ob er in Sakko und Jeans oder im Pfarrergewand auf der Bühne steht, spielt bei Holger Paetz keine Rolle. Die Pointen sitzen, sein schwarzer Humor entfaltet seine Wirkung - egal, ob es um die Ampelkoalition, um Markus Söder oder um Putin-Versteher geht. In der Akademie für Politische Bildung in Tutzing war der Kabarettist in den vergangenen Wochen gleich zweimal - in zivil mit dem Jahresrückblick "So schön war's noch selten!" und als Pater Paetz mit seiner Fastenpredigt "Fürchtet Euch!".

Gebete für Söder, Ratschläge für Schweinsteiger

In Letzterer predigt Paetz nicht nur, er betet auch, zum Beispiel "um das Wohl unseres Markus, dass er durchhält. Er zapft im Moment jedes herrenlose Bierfass an, das ihm begegnet". Eine Kernkompetenz, die anderen offenbar fehlt, wie Nancy Faeser, die sich gerade als Ministerpräsidentin in Hessen bewirbt. "Wie ist denn ihre Kompetenz beim Anzapfen? Da hat man noch nichts gehört. Sie stellt ja nicht einmal Fotos ihres Essens ins Netz", empört sich Pater Paetz. Und er hat noch weitere Söder-Weisheiten gesammelt: "Ein Tempolimit wird nicht dazu beitragen, einen Blackout zu verhindern." Pater Paetz zieht die Augenbraue hoch, seine Mundwinkel wandern auf und ab. Gesichtskomik, wie man sie vom ehemaligen Autor der Singspiele am Nockherberg kennt. Er lässt sich den Satz auf der Zunge zergehen und resümiert: "Ich habe es nicht verstanden, aber es stimmt. Ein Tempolimit wird auch nicht dazu beitragen, einen Spionageballon vom Himmel zu holen und das Achtelfinale der Fußballweltmeisterschaft zu erreichen." Die Lacher aus dem Publikum sind ihm damit sicher.

Er bleibt beim "Sommerdrama im Advent", wie er die Fußball-WM 2022 nennt: "Die Schmach von Katar, klingt wie ein verschollener Karl May." Aber nicht nur die Spieler auf dem Platz, auch Kommentator Bastian Schweinsteiger und seine Leistung beim 0:0-Halbzeitstand zwischen England und den USA werden erwähnt: "Was sollten die Engländer jetzt machen? Sie müssten das erste Tor machen." - "Ich hätte lieber den Mund gehalten."

Wertlose Tipps zur Energiekrise

Verbal wenig Gehaltvolles identifiziert der Pfarrer auch bei Politikerinnen und Politikern. Robert Habeck dankt er für den Tipp "Ich dusche schnell und habe meine Schnelligkeit noch einmal verkürzt", um Energie zu sparen. Wolfgang Schäubles Ratschlag, zwei Pullis anzuziehen, wenn die Heizung aus ist, ergänzt Paetz trocken um die Empfehlung: "Du kannst auch noch Wellpappe dazwischen legen." Außerdem lohne es sich, immer Kerzen und Streichhölzer zu Hause zu haben - um den Pulli anzuzünden.

Das Thema Energie nimmt in den Programmen von Holger Paetz aktuell viel Raum ein. Er erinnert an den Sommer 2022, als die Deutschen Briketts gehortet haben: "Manche wussten gar nicht, was sie damit anfangen sollten." Die Auflösung gab's in der Bild-Zeitung: "Brennholz ist das neue Klopapier!" - "Nein, danke. Das brauche ich nicht", meint der Kabarettist und verzieht das Gesicht. Er spricht über Wolfgang Kubicki, der der Meinung war, ein Niveau erreicht zu haben, das schwerlich zu unterbieten sei, wenn der Staat Vorgaben zur Körperhygiene mache. "Und im Unterbieten des Niveaus kennt der sich aus", findet Paetz.

Paetz singt, reimt und derbleckt

Unterbrochen werden seine bitterbösen Monologe von Liedern und Gedichten. Als Pater Paetz begleitet er sich selbst auf dem Keyboard, für den Jahresrückblick hat er Gedichtbände eingepackt. Er reimt und singt über den Plural des Krokus, über das Wetterchaos im deutschen Sommer 2022, in dem die Blätter von den Bäumen faulten, und über den Wunsch, Putin-Versteher zu sein.

Der russische Präsident spielt im Kabarett von Holger Paetz in diesem Jahr die internationale Hauptrolle. Es geht um seinen Riesentisch, an dem "jemanden über den Tisch ziehen" zur sportlichen Herausforderung wird, um Edmund Stoiber, der einst die Seehofer-Delegation begleitet hat, um Putin zu umarmen, und um das Kriegsschiff Moskwa, das sicherlich nur durch den Übereifer der Mannschaft bei einer Feuerschutzübung gesunken ist.

Und da wären wir auch bei der deutschen Verteidigungsfähigkeit. "Irgendwer hat die diese Frage aufgebracht, ob die überhaupt verteidigungsfähig sind. Die Bundeswehr verteidigt das Bundesgebiet, wie es im Grundgesetz steht. Da steht ja nicht wie lang. Stunden? Tage?" Paetz erzählt von Marinehubschraubern, die nicht richtig fliegen, aber wie Kiesel über die Wellen hüpfen ("Das kann den Gegner schon verwirren."), und erinnert an die Gefahr, in die sich die ehemalige Verteidigungsministerin Christine Lambrecht begab, als sie mit einem der zwei noch funktionierenden Hubschraubern flog - mit ihrer "Mitflugzentrale Lambrecht", von der in erster Linie ihr Sohn profitierte. Aber auch an der Kompetenz ihres Nachfolgers Boris Pistorius zweifelt er: "Das ist doch der Laschet, also nach einer Testosteronspritze."

Beide Abende enden mit Gedichten, lobenden Worten von Akademiedirektorin Ursula Münch und glücklichen Gesichtern im Publikum. Für das kommende Jahr ist Stammgast Holger Paetz in der Akademie wieder gebucht.

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