Vier Laudatoren für eine Direktorin

Amtseinführung von Professorin Ursula Münch

Tutzing / Aus der Akademie / Online seit: 21.11.2011

Von: Sebastian Haas

Amtseinfuehrung_Muench_Akademie_Tutzing

Sie gratulierten und geleiteten die neue Direktorin in Ihr Amt: Ursula Münch mit (von links) Wolfgang Heubisch, Hans Maier und Ludwig Spaenle (Fotos: Haas).

Unsere Direktorin Ursula Münch ist in ihr Amt eingeführt worden. Zum Festakt am 21. November 2011 kamen nicht nur Größen der bayerischen Politik, Wissenschaft, Bildung und Wirtschaft in die Akademie für Politische Bildung Tutzing, sondern auch Schüler, Studenten und Journalisten. Sie alle hörten, wie drei Landespolitiker die Bedeutung der politischen Bildung für die Demokratie priesen. Eine engagierte, motivierte und sympathische Direktorin antwortete – und stiftete einen großen Namen für einen großen Hörsaal.

Doch zunächst der Reihe nach. Die Grußworte an Professorin Münch und die gut 220 Gäste in unserem neuen Auditorium richteten gleich drei hochrangige aktive Landespolitiker: Ludwig Spaenle, Staatsminister für Unterricht und Kultus; Wolfgang Heubisch; Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie Reinhold Bocklet, der Erste Vizepräsident des Bayerischen Landtages; dazu kam unser ehemaliger Direktor Heinrich Oberreuter und unser Kuratoriumsvorsitzender Hans Maier.

Politische Teilhabe für alle

„Die Grundlage einer funktionierenden Demokratie sind Menschen, die wissen, wie sie politisch teilhaben und mitdiskutieren können“, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle. Gerade wenn Probleme zunehmend skandalisiert werden und immer schneller auftreten – seien es Klimawandel, Eurokrise oder die Neonazi-Mordserie – sei politische Bildung notwendig. „Wir müssen den Bürgerinnen und Bürgern vermitteln, dass sie maßgeblichen Einfluss darauf ausüben können, wie mit diesen Problemen umgegangen wird“, empfiehlt der Minister. Die Akademie für Politische Bildung mit Professorin Ursula Münch an der Spitze sei dafür eine hochkompetente Einrichtung.

Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch erklärte, dass junge Menschen besonderer Aufmerksamkeit bedürften. Denn sie lassen sich von Parteigezänk, Besserwissereien und leeren Worthülsen am schnellsten von der Politik abschrecken. Die politische Verständnis- und Urteilsfähigkeit gerade der Jugend zu stärken sei eine schwierige, aber reizvolle und auch lösbare Aufgabe für die neue Direktorin. Heubisch ist sicher: „Durch Ihren Werdegang wissen Sie, wie junge Menschen ticken. Sie werden die Akademie für Politische Bildung in die richtige Richtung führen.“

An Reinhold Bocklet war es, die bisherigen Leistungen von Professorin Ursula Münch zu würdigen. Sie habe immer „am Puls der Zeit und zeitlos aktuell“ geforscht, zum Beispiel gehört Das föderative System der Bundesrepublik Deutschland (gemeinsam mit Heinz Laufer) zu einem Standardwerk der Politikwissenschaft. Außerdem habe die neue Direktorin bereits deutlich gemacht, dass sie die Herausforderung politische Bildung mit offenem Visier führen und die Akademie für neue, junge Generationen und gesellschaftliche Gruppen öffnen will. Auf eine Weiterentwicklung in diesem Sinn hofft auch der Landtags-Vize. Denn er weiß, was Bayern an der Akademie für Politische Bildung Tutzing hat und betonte: „Der Landtag freut sich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen.“

Wir sind alle verantwortlich

Dass sich Ursula Münch auf ihre Arbeit freut, zeigte sie mit ihrer Rede, die einerseits als Programm der Akademie-Direktorin aufgefasst werden kann, andererseits auch als Programm für den mündigen Bürger: „Eine Demokratie ist kein Schlaraffenland, in dem der friedliche Bürger seinen Geschäften nachgehen kann, sondern ein Zustand der täglichen, wohlgeübten und zur Gewohnheit gewordenen Wachsamkeit und Disziplin in den Grundfragen des politischen Lebens.“ Das sagte bereits Eric Voegelin bei der Eröffnung der Akademie 1959, und ebenso nimmt Ursula Münch uns in die Pflicht: Jeder Einzelne sei für die Demokratie verantwortlich und müsse für den Erhalt unserer Freiheit kämpfen.

Wir sind das Gegenteil von Elfenbeinturm und Talkshow

Doch wozu braucht es dafür eine Bildungseinrichtung, die den Steuerzahler Geld kostet und ihren Besuchern Anreise, Teilnahmegebühren, Sitzfleisch, Konzentrationsfähigkeit und intellektuelles Vermögen abverlangt? Die Antwort ist einfach: Ein breites Themenspektrum und inhaltliche Tiefe machen die Akademie aus. Wir diskutieren aktuelle Fragestellungen und Herausforderungen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und geben Anregungen mit Blick in die Zukunft – und unsere Gäste sind mittendrin, sind nicht nur Leser, Zuschauer oder Blogger. „Nach dem Vortrag ist vor dem Gedankenaustausch“, erklärt Ursula Münch. „Diese Initiierungs- und Strukturierungsfunktion ist das Gegenteil von Elfenbeinturm, aber auch das Gegenteil von Talkshow.“

Die inhaltlichen Schwerpunkte der Akademie für Politische Bildung Tutzing kreisen nach Aussage von Professorin Münch um eine entscheidende Frage: In welcher Gesellschaft, mit welcher politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Fundierung, wollen wir leben? Kernthemen sollen sein: Zukunft von Sozialstaat und Arbeitsgesellschaft; Entwicklung von Demokratie, gesellschaftlicher Zugehörigkeit und Teilhabe; Begegnung mit dem drohenden Kontrollverlust des Staates angesichts der Komplexität digitaler Systeme; Perspektiven für die Gewährleistung der Freiheit sowie die Gefahr politischer Radikalisierung. Aber auch der demografische Wandel und die gesellschaftliche Differenzierung werden sich auf die politische Bildung auswirken. Denn: Auch Teenager können Politik gestalten, und gerade solche, die eine ausländische Familiengeschichte haben. „Wir müssen auch diejenigen im Blick haben, die (noch) kein Verhältnis zur Politik haben“, mahnte die Direktorin. Sie sieht die Akademie auch mit Planspielen und Simulationen als Schnittstelle von Wissenschaft und politischer Praxis gerüstet.

Der Heinrich-Oberreuter-Saal

Für die Zukunft bestens gerüstet ist die Akademie aber auch wegen ihres Neuen Auditoriums, das seit Frühjahr 2010 auf unserem Gelände entstanden ist und heute bis zu 250 Gästen Platz bietet. Das verdankt die Akademie (neben Steuerzahlern, Landtag und Staatsregierung) vor allem Ursula Münchs Amtsvorgänger, Professor Heinrich Oberreuter, der die Akademie von 1993 bis Oktober 2011 leitete. Dem Unvermeidlichen, wie ihn die Presse gerne nennt, ist das Auditorium nun gewidmet. Der Heinrich-Oberreuter-Saal ist das Zeichen der Anerkennung gegenüber der Leistung des bisherigen Akademiedirektors.

Eben dieser Heinrich Oberreuter hatte bereits zuvor in seinem Grußwort die Rolle von Akademien als unabhängige, geistig selbständige Einrichtungen betont. Wenn eine politische Sinnkrise herrsche, könnten gerade Akademien als „wunderbares, anregendes Instrument“ ihren Sinn schöpfen. Oberreuter betonte aber auch, dass die Arbeit auch in Tutzing nicht leichter werde: „Eine angemessene Sicht auf die Gegenwart zu geben ist schon schwierig – wie schwierig wird dann erst der Blick in die Zukunft?“

Unser Kuratoriumsvorsitzender Hans Maier hatte Direktorin Ursula Münch schon in seiner Begrüßung alles Glück der Welt gewünscht. Dass eine funktionierende Demokratie die politische Bildung braucht, unterstrich er ehemalige bayerische Kultusminister in seinem Festvortrag. Politische Bildung hierzulande dürfe sich nicht darauf beschränken, nur ein Bild der Bundesrepublik und Bayerns zu zeigen. Nein, „sie soll Parteilichkeit zeigen für die Demokratie und nicht schon bei Exposés und Denkschriften enden“. Fünf Merkmale sollen nach Ansicht Maiers diese Arbeit ausmachen: Rationalität, Aktion und Emotion, Verknüpfen und Vergleichen, Kritik sowie Engagement.


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