Politiksimulationen als facettenreiche didaktische Methode

Akademie-Kurzanalyse 3/2018 von Jan Robert Lohmann

Der Aufsatz "Politiksimulationen - eine facettenreiche didaktische Methode" von Jan Robert Lohmann wurde im Oktober 2018 als Akademie-Kurzanalyse veröffentlicht.


Tutzing / Publikation / Online seit: 04.04.2021

Von: Jan Robert Lohmann / Foto: APB Tutzing/Matthias Rüby

# Politiksimulationen

Jan Robert Lohmann
Politiksimulationen – eine facettenreiche didaktische Methode
Akademie-Kurzanalysen, Tutzing, 2018

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Planspiele, Politiksimulationen oder szenenartige Entscheidungsspiele werden in der schulischen und außerschulischen politischen Bildung immer häufiger genutzt, sodass sie inzwischen als etablierte Lehr-Lern-Formate angesehen werden können.1 Ebenso vielfältig wie der Einsatz dieser Form des aktiven Lernens, sind die konzeptionellen Besonderheiten, Eigenarten und Ansichten dessen, was unter Politiksimulationen verstanden wird. Diese Kurzanalyse gibt einen kompakten Überblick über die Merkmale von Politiksimulationen und stellt die Methode zusammenfassend vor.

Entstehung der Methode

Simulationen stammen ursprünglich aus dem militärischen Bereich. Als "Sandkastenspiele" bezeichnete Simulationen dienten und dienen Militärstrategen dazu, optimale Entscheidungen für den Einsatz von Ressourcen zu treffen. Sie sind somit eng mit der Spieltheorie verknüpft, die später auch in der Politikwissenschaft hohe Bedeutung erlangte.2 Mit den ersten Unternehmensplanspielen in den 1950er-Jahren wurden in den USA Planspiele über ökonomische Sachverhalte entwickelt.3 Sie dienen seitdem der Aus- und Weiterbildung im unternehmerischen Entscheidungsverhalten. Erst mit den 1960er-Jahren hielten Simulationen Einzug in die politische Bildung.

Begriffsabgrenzung

Unter dem Oberbegriff "Simulationen" werden häufig Politiksimulationen, Planspiele, Lernspiele, Entscheidungsspiele, Rollenspiele, Serious Games und einige weitere vergleichbare Formate verstanden. Zwar ist eine Differenzierung der Begriffe nicht immer notwendig oder gar sinnvoll, doch können aus den Begriffsmerkmalen Unterschiede in Konzept, Lernziel und Aufbau der einzelnen Spiele abgeleitet werden. Der Aufbau, der Ablauf und ebenso die Lernziele unterscheiden sich stark nach der jeweiligen Zielsetzung, den Rahmenbedingungen sowie der Zielgruppe.

Wenn von Politiksimulationen gesprochen wird, sind meist politische Planspiele gemeint. Folgt man der Begriffsunterscheidung von Hilbert Meyer, stellen Politiksimulationen eine Überkategorie dar, unter der sich Plan- und Rollenspiele subsumieren lassen. Simulationsspiele grenzen sich demnach wiederum gegenüber Interaktionsspielen (Sport- und Mannschaftsspielen, Regelspielen, Gesellschaftsspielen) und szenischen Spielen (Theater, freies darstellendes Spiel) ab.4 Rollenspiele sind zwar dem Planspiel sehr ähnlich, zeichnen sich jedoch vermehrt durch szenenartiges Handeln aus. Planspiele sind komplexer, auch wenn es um die Übernahme von Rollen geht. Diese Möglichkeit der Untergliederung des Simulationsbegriffs fasst Abbildung 1 (siehe PDF-Download) schematisch zusammen. Dabei wird von einer dreistufigen Begrifflichkeit von Politiksimulationen als Oberbegriff ausgegangen: (Experimentelle) Politiksimulationen mit Forschungscharakter, Planspiele als Lehr-Lern-Arrangements und szenenartige Rollenspiele.

Die anerkannteste Definition von Planspielen liefert Meyer: "Planspiele sind komplex gemachte Rollenspiele mit klaren Interessengegensätzen und hohem Entscheidungsdruck."5 Sie können in Umfang und Dauer sehr stark variieren und stellen eine Rekonstruktion der Wirklichkeit dar. Es wird ein Konflikt in den Mittelpunkt gestellt. Dieser weist einen Realitätsbezug auf, ohne allerdings die Wirklichkeit gänzlich abzubilden. In einem Modell wird also eine "Als-ob-Situation" geschaffen, die fiktionalen oder teil-fiktionalen Charakter haben kann. Letztendlich wird eine (künstliche) Entscheidungssituation herbeigeführt, in der eine bestimmte Gruppenkonstellation handeln muss.6

Alternativ wäre eine Erweiterung des Begriffsfeldes von Hilbert Meyer denkbar, innerhalb derer dem Begriff "Simulation" eine stärkere Bedeutung beigemessen wird. Wie eingangs erwähnt, dienten Simulationen im militärischen aber auch ökonomischen Bereich als Instrumente der optimalen Entscheidungsfindung. Es werden Situationen durchgespielt und abgebildet, um die bestmögliche Alternative zu ermitteln: "Das Ziel des Experiments besteht darin, Erkenntnisse über Ursache-Wirkungs-Beziehungen zu gewinnen und auf dieser Grundlage soziale Phänomene zu erklären."7

Auch wenn sich diese Definition aus der empirischen Sozialforschung vor allem auf computergestützte Experimente bezieht, können sie unter bestimmten Voraussetzungen Anwendungsmöglichkeiten im Simulationsbereich haben. Wenn dieser Definition noch eine Definition von "Simulationen" aus der empirischen Sozialforschung beigefügt wird, wird schnell deutlich, dass auch experimentelle Politiksimulationen einen Mehrwert für die Simulationsdidaktik beinhalten können: "Unter einer Simulation wird eine modellhafte Imitation eines realen Systems verstanden, die dazu dient, das Verständnis der komplexen Systemprozesse zu verbessern, zu untersuchen, wie sich das dynamische System über die Zeit verändert, sowie zukünftige Zustände des Systems vorherzusagen."8

Politiksimulationen können demnach das Feld einer Methode der Politikdidaktik verlassen und zum sogenannten "forschenden Lernen" übergehen, also neue Erkenntnisse nicht nur für die Teilnehmenden, sondern auch für den Forschenden hervorbringen. So können Simulationen unter bestimmten Voraussetzungen auch in der Politikwissenschaft als Experimente verwendet werden, wie es beispielsweise Petra Guasti, Wolfgang Muno und Arne Niemann vorschlagen. Ein anschauliches Beispiel für so eine experimentelle Simulation ist das "Parlament der Generationen" der Akademie für Politische Bildung, in dem Auswirkungen durch die Veränderungen in der demografischen Zusammensetzung der deutschen Bevölkerung auf die künftige Politikgestaltung untersucht werden.10

Aufbau von Politiksimulationen

Sämtliche dieser Ausprägungen von Politiksimulationen haben einen jeweils ähnlichen Aufbau, auch wenn sich dieser je nach Anwendungsziel und -bereich unterscheidet. Victor Asal und Elizabeth Blake unterteilen den Aufbau von Simulationen in "preparation, interaction, debriefing."11 Heinz Klippert, dessen Kategorisierung sich sehr stark am Unterrichtsalltag in Schulen orientiert, unterteilt den Aufbau sogar in sieben Phasen (Abbildung 2, siehe PDF-Download).12

Die Vorbereitungsphase umfasst die Spieleinführung, die Informations- und Lesephase sowie die Meinungsbildung und Strategieplanung. Die Vorbereitung auf den interaktiven Teil kann allein oder in Gruppen und mithilfe vorgefertigter Materialien oder durch Eigenarbeit erfolgen. Dem Variantenreichtum sind dabei kaum Grenzen gesetzt: Es können Oberthemen zur Vorbereitung ohne weitere Anleitungen vorgegeben werden, eine strukturierte Vorbereitung beispielsweise mit Arbeitsblättern durchgeführt oder detaillierte Rollen- und Inhaltsbeschreibungen genutzt werden. Die Intensität der Hilfestellung hängt maßgeblich von Zielsetzung und Adressatenkreis ab und definiert letztlich die Komplexität und damit den Schwierigkeitsgrad der folgenden Interaktionsphase.

Die Vorbereitung der Konferenz, ebenso wie Teile der Durchführung sind organisatorischer Natur. In diesen Phasen müssen Räumlichkeiten hergerichtet werden. Eine entsprechende Bestuhlung, die die Interaktion erleichtert, sowie eine Raumgestaltung mit entsprechenden Dekorationsartikeln wie Flaggen, Tischschildern und anderen Gegenständen können die Wirklichkeitsnähe der Simulation erhöhen. Ebenso kann eine vorgegebene Kleiderordnung die Authentizität verstärken. Anzunehmen ist, dass sich die Teilnehmenden durch solche unterstützenden Maßnahmen schneller und besser in die Rollen und Systematiken des Spiels einfinden können. Diese Annahmen beruhen jedoch auf Erfahrungswerten - empirisch belastbare Untersuchungen speziell für Simulationen liegen derzeit nicht vor.

In der Interaktionsphase findet das eigentliche Spiel statt. Die Teilnehmenden schlüpfen aktiv in ihre Rollen und diskutieren den thematischen Rahmen der Simulation. Je nach Aufbau ist diese Phase stärker oder weniger stark geregelt und richtet sich häufig nach dem politischen System, das in der Simulation vermittelt werden soll. Beispiele sind etwa das Ordentliche Gesetzgebungsverfahren der Europäischen Union oder Ausschusssitzungen der Vereinten Nationen, eines Gemeinderates und vieles mehr. In dieser Phase findet auch die Entscheidung statt. Klippert differenziert die Interaktionsphase nach dem Freiheitsgrad der Teilnehmenden. Dieser lässt sich beispielsweise daran festmachen, wer die Spielleitung übernimmt: die Teilnehmenden selbst oder die Simulationsleitung. Die Entscheidung darüber hängt unter anderem vom Lernniveau der Teilnehmenden und den Lernzielen ab.13

Die Simulationsdidaktik legt ihren Fokus inzwischen verstärkt auf den Abschluss der Simulation, das sogenannte Debriefing.14 In dieser Phase verlassen die Teilnehmenden ihre Rollen und diskutieren und reflektieren als Realpersonen das Ergebnis der Verhandlungen (das sogenannte "De-rolling"15). David Crookall geht sogar so weit, dass er Simulationen ohne ein ausreichendes Debriefing als unethisch bezeichnet, da hauptsächlich in der Reflexionsphase das Lernen stattfinden würde.16

Charles Patranek, Susan Corey und Rebecca Black schlagen für ein strukturiertes Debriefing die Orientierung an den sogenannten "Vier Es" vor: "events, emotions, empathy and explanation."17 Unter Events wird zusammengefasst, was im Simulationsspiel geschehen ist, also der Ablauf der Verhandlungen mit einem Fokus auf die Besonderheiten. Anschließend sollen die Teilnehmenden ihre Emotionen während des Spielens sowie das Einfühlen in ihre Rollen schildern. Abschließend erfolgt die Übertragung auf die Realität: Die Ausgangsbedingungen sowie der Verlauf der Simulation werden mit der politischen Wirklichkeit verglichen und Bezüge zwischen den Wahrnehmungen und Emotionen der Teilnehmer sowie den wissenschaftlichen und journalistischen Erkenntnissen über die realen politischen Prozesse hergestellt.

Kompetenzziele von Politiksimulationen

Die inhaltliche Ausgestaltung von Simulationen hängt von den zu erreichenden Kompetenzzielen ab. Zwar gibt es eine große Schnittmenge zwischen den allgemeinen Kompetenzzielen in der politischen Bildung und Kompetenzen, die durch Politiksimulationen gefördert werden. Doch existieren Abweichungen, vor allem, was die methodisch-strategische Kompetenz betrifft, die bei Simulationen zusätzlich gefördert wird. Eine Diskussion über notwendige Kompetenzen ist allerdings mindestens genauso alt wie die Fachdisziplin Politikdidaktik selbst. Auch aus diesem Grund wird im Folgenden lediglich auf die Eckpunkte der derzeit vorherrschenden Kompetenzbegrifflichkeit eingegangen und diese auf die Simulationsmethode bezogen.

Führende Politikdidaktiker stellen derzeit einen Wandel im Kompetenzverständnis fest: "In den letzten Jahren hat in der Bildungsforschung und in der Politikdidaktik ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Stärker als früher sollen Erziehung und Bildung wissensorientiert sein und dabei auf literacy fokussieren."18

"Literacy" umschreibt eine moderne Allgemeinbildung - orientiert an einer Begriffsdefinition von Rodger Bybee.19 Bezogen auf die Politikdidaktik umfasst der Begriff "Civic Literacy" die "Fähigkeit zum Umgang mit politischen Symbolsystemen in Alltagskontexten".20 Gefestigter ist in diesem Zusammenhang die abstrakte Begrifflichkeit des mündigen Bürgers als Hauptziel politischer Bildungsarbeit. Diesbezüglich ist das Ziel politischer Bildungsarbeit, ausgewählte Themen und Gegenstände der Politik - gekoppelt mit Lebens­situationen der Teilnehmenden - zu vermitteln, also eine Art Persönlichkeitsbildung. Doch sind mit "Civic Literacy" vielfältigere und differenziertere Kompetenzen gemeint und in den Kanon politischer Bildungs­arbeit integriert.21

Die vier Grundpfeiler dieses erneuerten Kompetenzmodells für die Politikdidaktik bilden Fachwissen, politische Urteilsfähigkeit, politische Handlungsfähigkeit sowie politische Einstellung und Motivation.22 Diese Ziele sind aber mitnichten nebenbei erwerbbar, sondern müssen gezielt gefördert werden, wie beispielsweise jüngst Monika Oberle in einer Studie belegte.23 In der Dimension des Fachwissens wird (beispielsweise nach John Anderson) zwischen Faktenwissen und konzeptuellem Wissen unterschieden.24 Faktenwissen besteht demnach aus klaren Daten und Fakten, während konzeptuelles Wissen sich auf Merkmale und Kennzeichen abseits von Erfahrungen bezieht, das Lernende dazu befähigt, entsprechend definierte Inhalte unabhängig von der Situation auf neue Gegebenheiten anzuwenden und so zu abstrahieren. Die Fähigkeit der politischen Urteilsbildung wird als Ergebnis eines Prozesses angesehen, bei dem ein bestimmtes Subjekt über ein oder mehrere Objekte auf Basis von Werten eine Wertung vornimmt. Urteilsobjekte können "Gegenstände, Situationen, Personen, Aussagen, Ideen wie auch innere Zustände" sein.25 Urteile beinhalten somit eine Sachdimension, aber ebenso eine normative Dimension. Politische Handlungsfähigkeit umfasst Artikulieren, Argumentieren, Verhandeln und Entscheiden. Politisches Handeln lässt sich immer in Bezug auf die politische Ordnung sehen - entweder kommunikativ oder partizipatorisch. Kommunikatives Handeln sind beispielsweise Diskussionen
oder Gespräche unabhängig von dem (sozialen) Raum, in dem sie stattfinden. Partizipatives politisches Handeln deckt eine hohe Bandbreite an aktiver politischer Beteiligung im Sinne von Wahlen und Abstimmungen, Protesten und vielem mehr ab.26 Schließlich umschreibt die Dimension der politischen Einstellung und Motivation die Förderung von Interessen, Selbstbewusstsein, Systemvertrauen, aber auch die Förderung der Teilhabe an und Auseinandersetzung mit politischen Prozessen.27 Alle vier Dimensionen dieses Modells interagieren miteinander und sind schon deshalb nicht klar voneinander zu trennen.

Politiksimulationen zur Vermittlung politischer Kompetenzen

Politiksimulationen in allen möglichen Ausprägungen greifen einen Großteil der vorangestellt betrachteten Kompetenzen der Politikdidaktik auf, gehen aber auch darüber hinaus. Heinz Klippert arbeitet mit einem "erweiterten Lernbegriff", wie er auch von anderen Autoren angewandt wird.28 Demnach teilt sich der Lernbegriff in inhaltlich-fachliches, methodisch-strategisches, sozial-kommunikatives und affektives Lernen auf. Klippert fasst unter inhaltlich-fachlichem Lernen nicht nur die Dimension des Fachwissens nach Detjen et al., also Faktenwissen und konzeptuelles Wissen, sondern auch die Dimension der politischen Urteilsfähigkeit. Genauer definiert er inhaltlich-fachliches Lernen als "Wissen (Fakten, Regeln, Begriffe, Definitionen...), Verstehen (Phänomene, Argumente, Erklärungen...), Erkennen (Zusammenhänge erkennen...), Urteilen (Thesen, Themen, Maßnahmen... beurteilen), etc."29
Weiter unterteilt er in methodisch-strategisches Lernen (Recherchieren, Strategien entwickeln, Entscheiden, Visualisieren), sozial-kommunikatives Lernen (Zuhören, Begründen, Argumentieren) und affektives Lernen (Selbstvertrauen entwickeln, Spaß haben, Identifikation und Engagement entwickeln, Wertehaltung aufbauen).

Der "erweiterten Lernbegriff" bei Klippert ist weitgehend deckungsgleich mit dem Kompetenzmodell nach Detjen et al. Allerdings unterscheidet sich die Aufteilung der unterschiedlichen Dimensionen. Während Klippert die Fach- und Urteilsdimension zusammenfasst, trennen Detjen et al. diese systematisch. Letzteres ist vor allem auf die hohe Komplexität dieser Dimension bei Detjen et al. zurückzuführen, die aufgrund ihrer herausgehobenen Bedeutung eine gesonderte Betrachtung notwendig mache. Die Förderung der Handlungsfähigkeit sieht Klippert gleichfalls als gegeben an,30 ebenso wie die Förderung politischer Einstellungen und der Motivation (affektives Lernen). Eine weitere Dimension wird allerdings von dem Kompetenzmodell nach Detjen et al. nicht abgedeckt: das methodisch-strategische Lernen. Dies kann auch daran liegen, dass es kein Alleinstellungsmerkmal der politischen Bildung, sondern auch in anderen Fachdisziplinen zu finden ist beziehungsweise der allgemeinen Didaktik zugeordnet werden kann.

Übertragen auf den Aufbau und Ablauf von Politiksimulationen kann allen Abschnitten die Förderung dieser Kompetenzen zugeordnet werden, wobei das methodisch-strategische Lernen vor allem in der Vorbereitung auf das Spiel stattfindet. Je nachdem, welche Kompetenzen besonders geschult werden sollen, können methodische Variationen in der Konzeption vorgenommen werden. Wird beispielsweise die Vorbereitungsphase in die Hände der Teilnehmenden gelegt, also keine konkreten Informationen, sondern allenfalls ein Leitfaden zur Vorbereitung zur Verfügung gestellt, wird die methodisch-strategische Kompetenz stärker geschult. Die Teilnehmenden müssen sich die Inhalte eigenständig erarbeiten, also recherchieren, relevante von irrelevanten Informationen trennen und die gewonnenen Informationen für das Spiel aufbereiten. Affektives Lernen hingegen kann gestärkt werden, wenn eine weitestgehende Autonomie der Spielenden sichergestellt wird und kein reglementierender Spielleiter (oder begleitender Lehrer) das Handeln der Teilnehmenden in "gut" und "schlecht" einteilt.

Selbstverständlich müssen hierfür die Spielregeln, also auch der Umgang miteinander klar definiert sein.
Ein hoher Stellenwert im Lernprozess wird der Auswertung ("Debriefing") des Spiels beigemessen. Orientiert an den bereits benannten "Vier Es" werden die Erfahrungen aus dem Spiel gesammelt und auf die Realität übertragen. Fakten, Regeln und Zusammenhänge können sich im Spiel durch die didaktische Reduktion teilweise von realen Gegebenheiten unterscheiden. Durch das "Debriefing" werden die simulierten Erfahrungen aufbereitet und angewandt.

Politiksimulationen - eine facettenreiche didaktische Methode

Politiksimulationen, politische Planspiele und szenenartige Rollenspiele bieten der politischen Bildung eine facettenreiche Ergänzung ihres methodischen Werk­zeug­kastens. Je nach Zielsetzung und Anwendung unterscheiden sie sich stark, sodass nicht von einem einheitlichen Konzept ausgegangen werden kann, ebenso wenig wie von einem Begriff, der alle Arten treffend umschreibt.

Ihre bereits jetzt umfassende Anwendung in der schulischen sowie außerschulischen Bildung verstärkt allerdings die Notwendigkeit, Begrifflichkeiten, Kompetenzziele sowie methodische Besonderheiten der jeweiligen Simulation zu strukturieren. Nur so kann ein Mindestmaß an Qualitätsstandards, die einen sinnvollen Einsatz der Methode gewährleisten, erfüllt werden.31

Die Vielfalt in der Methode Politiksimulation stellt zugleich ein großes Potenzial dar. Jede Person, die bereits selbst einmal an einer Simulation teilgenommen oder diese angeleitet hat, kann aus eigener Erfahrung den hohen Nutzen von Simulationen für die Teilnehmenden skizzieren. Nicht nur Erfahrungen, auch empirische Erhebungen konstatieren diesen Erfolg der Simulationsmethode.32 Gerade weil Politiksimulationen, Planspiele und Rollenspiele so einen großen Effekt haben - und darüber hinaus zumeist den Lernenden und auch Anleitenden große Freude bereiten -, sollte die Anwendung in Schulen und außerhalb der Schulen in der politischen Bildung verstärkt werden.


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