Der Brüssel-Effekt

Die EU als leiser Hegemon des 21. Jahrhunderts?

25.02.2022 - 26.02.2022 / Tagung Nr. 8-3-22


Leitung: Andreas Kalina

Sekretariat: Antonia Kreitner, Tel: 08158-256-58

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Die Europäische Union hat das Image eines Bürokratiemonsters, das sich oft in kleinlichem national­egoistischem Streit ergeht. So wird ihr zum einen eine scheinbar sinnlose Regulierungswut attestiert und zum anderen politische Ohnmacht – vor allem dann, wenn es gilt, Krisen Herr zu werden, schnell auf internationale Herausforderungen zu reagieren und insgesamt den Weltmächten außen- und sicherheitspolitisch auf Augenhöhe zu begegnen. Doch werden hiermit ihre Machtfülle und Potenzial unterschätzt. Vielmehr hat sich die Union in aller Stille zum globalen Taktgeber entwickelt: Sie ist nicht die charismatische Führungsmacht, nicht eine militärische Supermacht, nicht eine diplomatische Gestaltungsmacht, sondern ein ökonomischer und handlungspolitischer Player und vor allem eine regulatorische Großmacht, die das Leben auf dem Globus wesentlich mitgestaltet. EU-Regelungen werden durch Marktmechanismen zu weltweiten Standards und insgesamt erfährt das europäische Rechtsverständnis internationale Geltung: Die EU setzt Kriterien fürs Wirtschaften und Produzieren ebenso wie fürs Konsumieren und zunehmend fürs Zusammenleben. So titelt der Economist, dass die Globalisierung heute eine Europäisierung sei. Und die Rechtswissenschaftlerin Anu Bradford beschreibt mit dem Brussels Effect, wie die EU die Welt regiert. Ist die EU tatsächlich dabei, die kulturprägende Kraft des 21. Jahrhunderts zu werden? Reicht die normsetzende Wirkung dafür aus, um zum globalen Hegemon zu avancieren? Oder müsste die EU hierfür eben nicht nur der Regulator, sondern auch ein Gestalter mit globalen Ansprüchen werden – was ebenso Innovationen und Produktion in der digitalen Ära einschließt? Scheitern diese „leisen“ Weltmachtambitionen schließlich an der fehlenden außen- und sicherheitspolitischen Hardpower Europas?


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