Nord versus Süd - West versus Ost?

Alte und neue Grenzziehungen in der EU

23.10.2015 - 25.10.2015 / Tagung Nr. 43-2-15


Leitung: Andreas Kalina

Sekretariat: Heike Schenck, Tel: 08158-256-46


Die Europäische Union von heute ist das Resultat eines anhaltenden, wechselseitigen Prozesses der Erweiterung und Vertiefung - mit der Begleiterscheinung, dass Grenzen und Grenzziehungen einem permanenten Wandel unterzogen sind. Dies gilt für die Außengrenzen der Union. Und dies gilt ganz besonders auch für die Binnengrenzen: Frühere Außengrenzen werden zu Binnengrenzen, Binnengrenzen verlieren immer mehr ihren trennenden Charakter und diffundieren zunehmend. Vielmehr entstehen je nach Politikfeld unterschiedliche Länderkoalitionen, die manchmal deckungsgleich sind, sich aber viel öfters auf unterschiedliche Weise überschneiden und überlagern. Mehr noch: Durch das Fortschreiten der Integration und durch die gegenwärtige Krisensituation gewinnen soziale und sozioökonomische Spaltungen in Europa gerade in territorialer Hinsicht eine ganz neue Qualität. Betrachtet man etwa fiskalpolitische Grundsätze, steht einem eher ausgabefreudigen Süden ein austeritätsorientierter Nor-den gegenüber. Hinsichtlich der Haushaltsstruktur der Union stehen wiederum den "Nettozahlern" im Westen "Nettoemp-fängerländer" im Osten gegenüber. In der Sozialpolitik lässt sich indessen Europas Staatenwelt in eine nordische Region, in Zentraleuropa und in Südeuropa clustern. Bezüglich der Außen- und Sicherheitspolitik war schon einmal die Rede von ei-nem "alten" und einem "neuen Europa", mit Frankreich und Deutschland auf der einen Seite und einem vom Baltikum über Ostmitteleuropa bis hin zum Apennin reichenden Ländergürtel auf der anderen Seite. Diese Aufzählung ließe sich für jedes einzelne Politikfeld fortsetzen. Vor diesem Hintergrund fokussieren wir in unserer Tagung die politische und sozioökonomische Geografie der Europäischen Union. Wir werden fragen: Wie verlaufen binneneuropäisch die unterschiedlichen Konfliktlinien? Inwiefern kristallisieren sich abweichende Länderkoalitionen heraus? Wie unterscheiden, wie überlappen sie sich in den verschiedenen Politikfeldern - von der Sozialpolitik über die Wirtschafts- und Währungspolitik bis hin zur Außen- und Verteidigungspolitik? Insgesamt also: Wie sieht die politische und sozioökonomische "Karte" Europas aus? Wie verändert sie sich? Welche Dynamiken sind erkennbar? Was bedeuten sie für den Prozess der europäischen Integration - und vor allem für die künftige Gestalt Europas?


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