Gesellschaft.Sucht.Alkohol.

Soziale, ökonomische und gesundheitliche Bilanzierung eines vermeintlichen Kulturgutes

21.09.2017 - 24.09.2017 / Tagung Nr. 38-1-17*


Interdisziplinäre Kooperationstagung mit der Studienstiftung des deutschen Volkes

Leitung: Andreas Kalina / Peter Kainz

Sekretariat: Antonia Kreitner, Tel: 08158-256-58

* Fester Teilnehmerkreis. Zusätzliche Anmeldungen nur nach Rücksprache mit dem Tagungssekretariat.


"Gesellschaft. Sucht. Alkohol." Dieser durchaus provokative Tagungstitel greift Ambivalenzen des Alkoholkonsums in unseren westlichen Gesellschaften auf. Er spricht ein Phänomen an, das im ersten Moment ein rein gesundheitspolitisches oder gesundheitsökonomisches zu sein scheint. In der Tat sind die gesellschaftlichen Kosten, die durch Alkoholmissbrauch verursacht werden, exorbitant. Kalkulationen des Bundesgesundheitsministeriums gehen von jährlich 26,7 Milliarden Euro an volkswirtschaftlichen Kosten aus, davon 7,4 Milliarden an direkten Kosten für das Gesundheitssystem. Diesen Kosten stehen lediglich 3,1 Milliarden Euro an Einnahmen aus alkoholbezogenen Steuern gegenüber. Die menschlichen Tragödien, die Alkoholmissbrauch für Betroffene und Familien zur Folge haben kann, lassen sich quantitativ nicht ausdrücken. Der Titel enthält zugleich ein Wortspiel, das die Perspektive der Tagung weitet: "Gesellschaft sucht Alkohol". Hierin kommt zum Ausdruck, dass Alkoholkonsum eine tausendjährige Kulturgeschichte aufweist und tief in zahlreichen Gesellschaften verankert ist: Man denke etwa an die zentrale Rolle des Weins im Ritus des christlichen Abendmahls. Alkohol als "soziales Schmiermittel" schafft Geselligkeit und mag dazu beitragen, dass Kontrahenten zueinander finden oder dass Entscheidungsprozesse in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik abgekürzt oder vereinfacht werden. Nicht zuletzt war und ist der Umgang mit Alkohol selbst stets ein Thema ethischer, politischer und juristischer Diskussionen: Während Aristoteles die Schuld für Fehlverhalten unter Alkoholeinfluss als besonders hoch einschätzte, da die primäre Entscheidung, sich zu betrinken, dem Individuum voll anzurechnen sei, spielt bei der strafrechtlichen Beurteilung von Handlungen unter Alkoholeinfluss heutzutage die Zurechnungsfähigkeit eine wichtige Rolle. Wir laden Sie herzlich zu uns an den Starnberger See ein, um mit unseren renommierten Gästen die Ambivalenzen des Alkoholkonsums aus ethischer, rechtsphilosophischer, psychologischer, medizinischer, soziologischer ebenso wie aus ökonomischer Perspektive zu beleuchten und zu debattieren!


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