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Resiliente Demokratie im KI-Zeitalter

Bedrohung durch Desinformation und Manipulation

"Es gibt keine gemeinsame Öffentlichkeit mehr", stellt Michael Blume vom Karlsruher Institut für Technologie fest - eine Entwicklung, die den Umgang mit Desinformation zunehmend erschwert. Bei der Tagung "Resiliente Demokratie: Strategien gegen Desinformation und Manipulation" der Akademie für Politische Bildung in Kooperation mit dem Bayerischem Staatsministerium für Digitales kamen Expertinnen und Experten zusammen, um über Strategien gegen Desinformationen zu diskutieren.

Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 30.04.2026

Von: Fatima Taflan / Foto: Fatima Taflan

Programm: Resiliente Demokratie: Strategien gegen Desinformation und Manipulation

Resiliente Demokratie: Strategien gegen Desinformation und Manipulation

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Desinformation und gezielte Manipulation sind allgegenwärtig und stellen eine ernsthafte Gefahr für demokratische Gesellschaften dar. Sie beeinflussen die politische Meinungsbildung, untergraben das Vertrauen in Medien und demokratische Institutionen und schwächen den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Vor diesem Hintergrund widmete sich die Tagung "Resiliente Demokratie: Strategien gegen Desinformation und Manipulation" der Akademie für Politische Bildung, die in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Digitales stattfand, der Frage, wie demokratische Systeme widerstandsfähiger gegenüber diesen Bedrohungen werden können. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Rolle der Künstlichen Intelligenz sowie den damit verbundenen zukünftigen Entwicklungen und Szenarien.

Desinformation im KI-Zeitalter

"Desinformationen hat es schon immer gegeben", erklärt Hans-Michael Strepp vom Bayerischen Staatsministerium für Digitales. Die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz ermögliche heute die Erstellung von Materialien in einer Qualität, die ihresgleichen suche. Desinformation sei jedoch an sich kein neues Phänomen. Neu sei ihre Dimension: Durch das Internet verbreite sie sich global, nahezu in Echtzeit und erreiche Menschen auch dort, wo sie es nicht erwarten würden, warnt Strepp. Dieser räumliche und zeitliche Aspekt, kombiniert mit automatisierten Verbreitungsmechanismen, führe dazu, dass bewusstes Wahrnehmen und Reflektieren kaum noch möglich sind - anders als etwa zur Zeit des Buchdrucks, als Informationsflüsse deutlich langsamer und kontrollierbarer gewesen seien.

Wie sich diese Entwicklung konkret auswirkt, zeigt sich aktuell bei sogenannten Deepfakes. Dabei handelt es sich um "betrügerischen Inhalt", der manipuliert oder mithilfe von KI erstellt wurde, erklärt Rebecca Weiß, Leiterin der Regulierungspolitik bei Microsoft. Oft werden dabei synthetische Inhalte wie Stimme, das Bild oder beides einer realen Person durch ähnlich aussehende und klingende künstliche Abbilder dargestellt. Die Herausforderungen teilt Strepp in vier Kategorien auf: die technischen Grenzen, das Nutzerverhalten, die rechtlichen Grenzen und die Rolle und damit einhergehende Verantwortung der Plattformen selbst. Es gebe derzeit keine verlässliche Methode, um KI erzeugte Inhalte zu erkennen, auch Wasserzeichen bieten keine absolute Sicherheit. Das Problem am Nutzerverhalten sei außerdem, dass Menschen oft wüssten, dass Inhalte nicht echt seien und dennoch aus Interesse, Provokation oder Entertainment draufklicken würden. Rechtlich gesehen könne man zwar Desinformationen verbieten, nicht jedoch in einer liberalen Demokratie. Plattformen stehen nicht unter dem Recht der Zeitungen - eine Herausforderung für die Eindämmung von Desinformation im Netz. Auf europäischer Ebene existieren bereits Ansätze wie der Digital Service Act, der darauf abzielt, illegale Inhalte, Desinformationen und Risiken der Nutzer zu bekämpfen. Strepp fordert, trotz der ganzen Risiken den Kampf gegen Desinformationen nicht in einen Kampf gegen Digitalisierung einzutauschen: "Digital aufgeklärt, digital resilient, aber nicht digital agnostisch".

Medien in Zeiten von Desinformation

"Das Bedürfnis nach Informationen aus erster Hand ist sehr hoch", so Peter Müller, Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, vor allem Faktencheck-Formate seien beliebt. Gleichzeitig hebt er hervor, dass lokale Medien eine zentrale Rolle für das Vertrauen der Bevölkerung in Informationen spielen: Während das Vertrauen in traditionelle Medien insgesamt sinke, bleibe es bei lokalen Medien vergleichsweise stabil. Achim Wendler vom Bayerischen Rundfunk betont, dass, um das Vertrauen in Medien zu stärken, Transparenz sehr wichtig sehr. "Wir Journalistinnen und Journalisten müssen unsere Arbeit viel genauer erklären." Es gehe darum, offener zu kommunizieren, wie journalistische Materialien verwendet werden, wie Gespräche mit Politikerinnen und Politikern ablaufen und warum bestimmte Entscheidungen in der Redaktion getroffen werden. Diese Prozesse müssten stärker in die Gesellschaft getragen werden - idealerweise sogar als Teil von Lehrplänen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt laut Wendler auf die Herstellung von Vielfalt in Redaktionen. Dabei gehe es nicht nur um den Migrationshintergrund, sondern generell um unterschiedliche soziale Milieus. Letztlich entstehe Vertrauen jedoch vor allem durch kontinuierlich gute journalistische Arbeit, erklärt er: "Wir holen uns unser Vertrauen dadurch, dass wir jeden Tag weiterhin guten Journalismus machen." Laut Wendler sei der Umgang mit Menschen, die sich vollständig von klassischen Medien abgewandt hätten, besonders schwierig, da diese kaum noch erreichbar seien. Er fordert daher, dass der Fokus stärker auf jene gelegt werden sollte, die noch Vertrauen hätten oder grundsätzlich erreichbar seien. Ein möglicher Ansatz bestehe darin, Argumente und Kritik, die auf anderen Plattformen geäußert würden, aktiv aufzugreifen.

Ziel sei es, Transparenz zu schaffen und Desinformation einzuordnen. Insgesamt gehe es darum, weniger die bereits verlorenen Zielgruppen zurückzugewinnen, sondern vielmehr das Vertrauen der bestehenden Nutzerinnen und Nutzer zu sichern und zu stärken, so Wendler. Für Fabian Mehring, bayerischer Staatsminister für Digitales, müsse vor allem die Bewusstseinsbildung in der Mitte der Gesellschaft gestärkt werden. Außerdem müsse man auch die Technologiepartner stärker "mit an Bord holen". Doch neben den gegenwärtigen Herausforderungen, die Technologie für die Demokratie mit sich bringt, gilt es auch den Blick in die Zukunft zu richten.

KI-Zukunftsszenarien

Michael Blume beschreibt, ausgehend von Überlegungen Yuval Noah Harraris, drei zentrale Zukunftsszenarien in Umgang mit KI.

1. Das "Terminator"-Szenario: In diesem Szenario entwickle sich eine Dynamik ähnlich wie im Film "The Terminator": KI-Systeme verselbstständigen sich und treffen eigenständig Entscheidungen - auch im militärischen Bereich. Bereits heute zeigten autonome Drohnen, wie stark sich Kriegsführung verändert. Die Sorge bestehe darin, dass Systeme zunehmend ohne menschliche Kontrolle agieren können. Die Gefahr liege weniger in einer plötzlichen Rebellion, sondern in schleichender Autonomisierung und fehlender Kontrollierbarkeit komplexer Systeme.

2. Das Demografie- bzw. "Kokon"Szenario: Hier stehe nicht Gewalt, sondern soziale Isolation im Mittelpunkt. Menschen bewegen sich nicht mehr nur in digitalen Blasen, sondern leben in individuell zugeschnittenen KI-Realitäten, sogenannten "Kokons". Diese könnten so überzeugend sein, dass sie echte zwischenmenschliche Beziehungen teilweise ersetzen, z. B. durch KI-Partner. Die Folgen: Vereinsamung und ein Rückgang sozialer Bindungen - mit möglichen demografischen Auswirkungen. Der entscheidende Unterschied zur "Blase": Während Blasen Gruppen bilden, wirkt der Kokon individualisierend und kapselt einzelne Menschen vollständig ab.

3. Das "Solarpunk"-Szenario: Dieses Szenario sei eine positive Zukunftsperspektive: KI wird gezielt genutzt, um lebenswerte, nachhaltige Gesellschaften zu schaffen. Technologie unterstützt den Menschen, ersetzt ihn aber nicht. Wachstum wird sinnvoll gestaltet, etwa durch ökologische Innovationen und soziale Stabilität. Entscheidender Grundsatz sei dabei, dass die menschliche Würde im Mittelpunkt bleibt - unabhängig davon, wie produktiv KI-Systeme sind. Dazu gehört auch ein bewusster Umgang mit Daten und Macht: KI-Systeme sollten nicht zu zentralisiert sein, um Abhängigkeiten zu vermeiden.

Für Blume steht vor allem eine Frage im Zentrum: Was macht den Menschen aus - Produktivität oder Würde? Die Tagung machte insgesamt deutlich, dass der Umgang mit Desinformation im KI-Zeitalter weit über rein technische Fragen hinausreicht und grundlegend das Verhältnis von Technologie, Öffentlichkeit und Demokratie berührt. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Vertrauen, Transparenz und menschliche Urteilskraft als tragende Säulen einer resilienten demokratischen Ordnung zu bewahren und zu stärken.

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