"Prost: Bayern liebt DICH!"
Ein Abend der Verwandlungen mit Wolfgang Krebs
Wolfgang Krebs zeigte am 15. Januar sein Programm "Bayern liebt DICH!" an der Akademie für Politische Bildung. Ein Abend mit einem kabarettistischen Politik-Chamäleon, das durch seine Kostümwechsel und Impressionen die bayerische Politik in seinen vielen Facetten verkörpert.
Tutzing / Kultur / Online seit: 28.01.2026
Von: Lukas Dobmeier / Foto: Lukas Dobmeier
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Der große Saal der Akademie ist in gedämpftes Licht getaucht. Gespannt sitzen die Gäste auf ihren Stühlen, als Wolfgang Krebs immer wieder hinter der Bühne verschwindet – nur um kurze Zeit später als Edmund Stoiber, Markus Söder oder Schorsch Scheberl (eine Eigenkreation von Wolfgang Krebs) erneut aufzutauchen. Im Laufe des Abends schlüpft der Kabarettist immer wieder in neue Rollen und wechselt mit beeindruckender Leichtigkeit in seine Figuren. Seit Jahren begeistert Wolfgang Krebs als einer der bekanntesten bayerischen Kabarettisten mit seinen Imitationen bayerischer Spitzenpolitiker.
Mit "Bayern liebt DICH!" brachte er ein ebenso treffsicheres wie unterhaltsames Programm auf die Kultur-Bühne der Akademie, das nicht nur humorvoll, sondern auch kritisch ist und damit nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken anregt.
Das Chamäleon Wolfgang Krebs
Über den gesamten Abend hinweg begeisterte Wolfgang Krebs mit seinen charakteristischen Kostüm- und Rollenwechseln. Wie ein Chamäleon streifte er alte Figuren ab und schlüpfte in neue. Über seinen Auftritt hinweg verkörpert er unter anderem Markus Söder - mal in einer Bomberjacke mit unzähligen Aufnähern, mal verkleidet als Elvis - einen wiederauferstandenen Franz Josef Strauß und Prof. Dr. Dr. Horst Seehofer in einer pompösen Paradeuniform. Seinen Auftritt begann Krebs aber in einem funkelnden blauen Sakko als Hologramm von Dr. Dr. Edmund Stoiber - als Ed-GPT. Durch seine gelungenen Verkleidungen und eindrucksvollen Impressionen gerät dabei fast in Vergessenheit, dass nicht die Figuren selbst, sondern nur ein Wolfgang Krebs auf der Bühne steht.
Gekonnt schöpfte der Kabarettist dabei das Potenzial seiner Figuren aus, indem er ihre Eigenheiten und persönlichen Rivalitäten auf humorvolle Art überzeichnet. So schießt zum Beispiel das Edmund Stoiber-Hologramm gegen die SPD, indem es behauptet "Mein aktueller Ladezustand ist wie die SPD Bayerns - deutlich unter sieben Prozent". Oder indem Krebs als Markus Söder jammert: "Wenn das mit dem Vegetarier-Wahnsinn und Tofu-Terror so weitergeht, dann seh ich mich mit meiner Bratwurst schon draußen bei den Rauchern stehen."
Eine neue Social-Media-Plattform für Bayern
Doch Wolfgang Krebs gibt sich nicht nur mit kurzweiligen Anekdoten und Späßen zufrieden. Durch die gesamte Vorstellung zieht sich ein Thema - die Frage nach dem richtigen Umgang mit Social Media. Dabei geht es Krebs zum Beispiel auch darum, den absurden Streit um Einfluss und Reichweite zwischen Spitzenpolitikern wie Markus Söder und Hubert Aiwanger darzustellen. So beklagt im Stück Markus Söder, dass er eigentlich gerne wieder einmal einen Salat essen würde, aber ihm das seine gesamte "Followerschaft" kosten würde. Als Wurstfluencer habe man es eben nicht leicht.
Im Verlauf der Show entwickeln die Figuren die zündende Idee, dass Bayern ein eigenes Social-Media-Netzwerk brauche, um sich von "Fakebook" und "Takka Tikka" zu lösen. Der Bürgermeister von Untergamskobenzeißgrubengernhaferlverdimmering, Schorsch Scheberl gründet deshalb mit einem Schweizer Müslioligarchen die Plattform "Prost: Bayern liebt DICH!".
Doch auch auf dieser neuen Plattform dreht sich natürlich wieder, wenig überraschend, alles nur darum, wer mehr Likes hat. Diese Logik verleitet Markus Söder dazu, als Elvis verkleidet über die Bühne zu tanzen und um neue Follower zu bitten. Auch auf der neuen bayerischen Plattform bleiben die Figuren weiterhin Gefangene der Logik sozialer Medien. Allerdings macht die Figur des Franz Josef Strauß ebenso deutlich klar, dass diese Dynamiken keineswegs komplett neu seien: Er habe kein Instagram gebraucht, um "rudelweise Follower zu haben, die sich in abgeschotteten Blasen weiter radikalisieren". Der Unterschied sei, dass die Logik der Social-Media-Plattformen diese Dynamiken unproportional überbetont.
Ein Appell an uns Alle
Wolfgang Krebs erinnert in seiner Show daran, dass diese Dynamik sozialer Netzwerke gefährlich sein kann. In der Gestalt von Prof. Dr. Dr. Horst Seehofer wird Wolfgang Krebs auch schon mal ernst und stellt zwischen Witzen und Tanzeinlagen fest, dass wir tatsächlich viel zu viel Zeit auf diesen Plattformen verbringen - im Durchschnitt eine Stunde und 41 Minuten am Tag. Das seien 26 Tage im Jahr, "wobei manche die 26 Tage in einer Woche schaffen." Er beschreibt das als "26 Tage, an denen die Leute durchgehend jammern, sich aufregen, gegenseitig beschimpfen und Kommentare von Menschen lesen, die gar keine sind."
Als Gegenentwurf fordert er: "Wir müssen uns einmal wieder a bisserl entspannen, denn eines schafft Social Media: es wiegelt uns auf, es emotionalisiert uns und immer wenn Emotionen ins Spiel kommen, sind wir formbar, dann kann man mit uns machen, was man will".
So ist auch die fiktive Plattform "Prost" am Ende nicht die Lösung. Stattdessen appelliert Wolfgang Krebs, dass wir die echte Welt da draußen nicht vergessen dürften. Wir sollten wieder mehr rausgehen und mehr mit echten Menschen reden, "denn das Leben ist viel zu kurz für Hass und Hetze".

