"Derbleckereien"
Ein humorvoller Abend mit Richard Oehmann
Richard Oehmann zeigte am 6. Dezember zum ersten Mal sein Programm "Derbleckereien" an der Akademie für Politische Bildung. Ein Rückblick auf einen Abend zwischen gestochen scharfen Beobachtungen und politischem Wahnsinn.
Tutzing / Kultur / Online seit: 18.12.2025
Von: Lukas Dobmeier / Foto: Lukas Dobmeier
Programm: Kultur am See. Derbleckereien. Eine kabarettistische Lesung mit Richard Oehmann
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Schon bevor das Licht erlischt, liegt eine heiter-gespannte Erwartung im Raum, die sich bald darauf in lautes Lachen entlädt, denn über den Abend hinweg nimmt Kabarettist Richard Oehmann in Liedern, Anekdoten und Soloinszenierungen von Theaterstücken die kleinen und großen Absonderlichkeiten des politischen Alltags aufs Korn. Bekannt als Autor, Regisseur und eine Hälfte von "Doctor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater", bringt er mit seinen "Derbleckereien" ein Programm auf die Kultur-Bühne der Akademie, das sowohl Fans des Nockherberg-Singspiels als auch Neulinge begeistert.
Ungehörte Schätze: Lieder und Anekdoten aus dem Archiv
Zwischen den satirischen Passagen gewährt Richard Oehmann zudem kurze Einblicke in seine Arbeit am Nockherberg. Schwerpunkte bilden dabei die oft surreale Zeit der Ampelkoalition und Schmankerl aus der bayerischen Landespolitik. Auch in jene Jahre, die von Corona, Krisen und Kriegen überschattet waren und deren unveröffentlichte Texte im Rahmen dieses Programms den Weg aus Oehmanns Archiv ins Rampenlicht finden. So entführt Oehmann sein Publikum in einem Stück zum Beispiel in einen Zauberwald. Dort trifft der tapfere Ritter "Söderich" auf das Schrankenmännlein Andi Scheuer(lein), das, eine Sammelbüchse haltend, beständig versucht seinen Mautfluch loszuwerden.
Scharf beobachtet und spielerisch umgesetzt
Im Mittelpunkt des Kabarettabends stehen jedoch vor allem die politischen Ungereimtheiten dieser Jahre, denen Oehmann mit mehr Präzision nachgeht als so manche politische Talkrunde. Dabei überzeichnet er spielerisch die liebenswerten und auch nicht so liebenswerten Eigenschaften seiner Figuren, indem er zum Beispiel die ausweichende Sprechweise eines Olaf Scholz oder die Selbstverliebtheit eines Christian Lindners überbetont und seinen Darstellungen dadurch nur noch mehr Schärfe verleiht.
Die Darstellung seiner Protagonisten - Bundespolitiker wie Olaf Scholz oder Annalena Baerbock und bayerische Originale wie die beiden Markusse (Söder oder Blume) - bewegt sich zwischen Humor, Ernst und dem absurden Wahnsinn des alltäglichen Politikgeschäfts. Dabei pendelt Richard Oehmann gekonnt zwischen Spott und Sympathie, zwischen politischer Derbleckerei und liebevoller Überzeichnung menschlicher Schwächen.
Erleichterung durch Satire
Wer also am 6. Dezember an der Akademie dabei war, hat einen satirischen Rückblick auf politische Absurditäten in Bayern und Deutschland erlebt. Vorgetragen wurde er von einem Künstler, der es versteht, das Politische und die dazugehörigen Politiker geschickt in satirischer Form einzufangen. Am Ende des Abends bleibt der Eindruck, als könnte durch die satirische Zuspitzung der Politik die Realität der letzten Jahre - zumindest ein Stück weit - abgearbeitet werden.

