"Film ist ein Teamgeschäft"
Filmgespräch am See mit Auer, Stieler und Limmer
Über Filme und die Beziehungen, die sie prägen, haben Drehbuchautorin Laila Stieler, die Schauspielerin Barbara Auer und der Drehbuchautor Ulrich Limmer, beim 12. Filmgespräch am See im Rahmen des Fünf Seen Filmfestivals 2025 in der Akademie für Politische Bildung diskutiert. Moderiert wurde die Runde Kathleen Hildebrand von der Süddeutschen Zeitung.
Tutzing / Kultur / Online seit: 29.09.2025
Von: Anna Berchtenbreiter / Foto: Anna Berchtenbreiter
Programm: Kultur am See: 12. Filmgespräch am See: Beziehungen. Film in der Transformation
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"Das Gefühl der Vertrautheit, das Gefühl, Teil eines Ganzen zu sein", so beschreibt die Schauspielerin Barbara Auer die Zusammenarbeit mit Regisseur Christian Petzold, mit dem sie zuletzt den Film "Miroirs No. 3" drehte. Petzold und Auer verbindet eine lange Arbeitsbeziehung; der Spielfilm ist bereits ihre siebte Kooperation. Dieses Gefühl entstehe vor allem durch die intensive Vorbereitung: Bei den gemeinsamen Lesungen müsse jeder anwesend sein - auch wenn die eigene Rolle nur einen einzigen Satz habe. "Er gibt einem viel und dann kann jeder damit machen, was er will."
Wie aber vermittelt man die Nähe der Figuren im Film? Moderatorin Kathleen Hildebrand hakt nach. Auer erklärt: "Je mehr man sich mit einer Figur beschäftigt, desto näher kommt man an sie ran."
Beziehung zwischen Drehbuch und Regie
Auch die Beziehung zwischen Drehbuchautor und Regisseur ist eine wichtige. Laila Stieler (Gundermann; In Liebe, Eure Hilde) arbeitet seit Jahrzehnten eng mit Andreas Dresen zusammen. "Für mich ist er einfach der Beste", sagt sie. Schmunzelnd fügt die Autorin hinzu: "Ich bin in meinem Leben 20-mal umgezogen, ich glaube bei sieben davon hat Andi mein Sofa getragen." Die beiden kennen sich schon seit 1985. Sie studierten im selben Jahrgang an der Filmhochschule und arbeiteten gleich bei der ersten Filmübung miteinander. Natürlich arbeitet Stieler auch mit anderen Regisseuren zusammen - gerne auch mehrfach: "Ab der zweiten Zusammenarbeit wird es spannend, dann kennt man sich", erklärt sie.
Beziehung zwischen Autor und Figuren
Die Beziehung zu den Charakteren sei für eine Drehbuchautorin oft eine lange. An "Gundermann" und "In Liebe, Eure Hilde" schrieb Stieler fast ein Jahrzehnt. "Ich schleppe die Figuren mit mir rum, für Jahre. Da muss man schon begeistert und überzeugt von der Geschichte sein." Die Geschichte verändere sich in dieser Zeit, die Figuren eher wenig. "Am Ende kehrt man immer wieder zum Anfang zurück."
Der Schreibprozess sei jedoch oft einsam: Rückmeldung erhalte man meist erst, wenn ein Regisseur mit im Boot sei. "Film ist ein Teamgeschäft, es arbeiten viele Hände zusammen", erklärt Stieler. Doch in diesem Team gebe es einen einsamen Job, und das sei der ihre.
Ulrich Limmer (Schtonk!, Das Sams, Der Boandlkramer und die ewige Liebe) betonte die Leidenschaft für Geschichten: "Wenn sie nicht brennen, dann können sie andere nicht anzünden." Besonders bei Adaptionen sei es entscheidend, nur Bücher zu wählen, die man selbst liebe - und dann so nah wie möglich an der Vorlage zu bleiben. Denn: "Die Leser haben das Recht, das Buch im Film wiederzufinden."
Blick in die Zukunft
Zum Abschluss stellt Hildebrand noch die Frage der Fragen: "Was wünschen Sie sich von der Zukunft?" Für Laila Stieler ganz klar: "Mehr Mut. Mehr Mut zum Unbequemen." Barbara Auer wünscht sich mehr erzählerische Vielfalt, denn das Publikum könne auch gefordert werden - mehr Selbstbewusstsein sei in dieser Beziehung gefragt. Und Ulrich Limmer plädiert dafür, dass die Kultur endlich die Wertschätzung erhält, die ihr zustehe, denn: "Kultur ist systemrelevant!"
Die Veranstaltung in den Medien
"Drehbücher: Einsame Autoren, ohne die es nicht geht" - Starnberger Merkur

