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Europa in der neuen Weltunordnung

Akademiegespräch im Bayerischen Landtag mit Carlo Masala

Der russische Angriff auf die Ukraine hat Europa vor Augen geführt, dass Kriege zwischen Staaten noch immer eine reale Bedrohung darstellen. Angesichts dieser Unberechenbarkeit der internationalen Beziehungen hat sich das Akademiegespräch im Bayerischen Landtag mit Europas künftiger Rolle auf der Weltbühne beschäftigt. Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München, und Jana Puglierin vom European Council on Foreign Relations sprachen über "Europa in der neuen Welt(un)ordnung".

Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 24.05.2023

Von: Beate Winterer / Foto: Rolf Poss/Bayerischer Landtag

Programm: Akademiegespräch im Landtag: Europa in der neuen Welt(un)ordnung

Europa in der neuen Welt(un)ordnung

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"Der russische Krieg gegen die Ukraine ist der bisherige Höhepunkt und vielleicht auch der Wendepunkt im Ringen um eine neue Weltordnung", sagt Carlo Masala. Beim Akademiegespräch im Bayerischen Landtag hat der Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München über "Europa in der neuen Welt(un)ordnung" gesprochen, ein Thema das er auch in seinem neuesten Buch behandelt. Eingeladen hatten Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Akademiedirektorin Ursula Münch.

Die Ukraine als Blaupause für Taiwan

"Ohne die USA wäre der Krieg längst zuungunsten der Ukraine entschieden", ist Masala überzeugt. Wenn Russland sich durchsetze, liefere das China eine Blaupause für Taiwan. Deshalb stehen die USA entschieden an der Seite der Ukraine. Wie der Krieg in der Ukraine ausgehen und wie die neue Weltordnung aussehen wird, sei aktuell unklar. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen werde durch die starke Rolle Russlands als Vetomacht in der kommenden Dekade ausfallen. Eine große Bedeutung schreibt Masala auf dem Weg zur neuen Weltordnung sogenannten "Swing States" wie Indien und Brasilien zu, die weder dauerhaft an der Seite der revisionistischen Staaten Russland und China noch an der Seite der Status-quo-Mächte Europa und USA stehen. "Diese Staaten sind gerade sehr umworben", sagt Masala.

Europa als militärischer Junior-Partner der USA

Für Europa sieht er keine Möglichkeit, die zukünftige Weltordnung aktiv mitzugestalten. "Hört auf zu träumen!", appellierte er an die deutsche Gesellschaft. Es sei ein Traum, dass Europa neben den wirtschaftlich und militärisch starken Mächten USA und China eine tragende Rolle spielen könne. Er gehe stattdessen von einer "transatlantischen Arbeitsteilung" aus: Die USA verlegen ihre Truppen verstärkt nach Asien, während die europäischen NATO-Partner Russland eindämmen.

Jana Puglierin vom European Council on Foreign Relations erklärte in der anschließenden Diskussion, in Teilen der USA herrsche die Meinung, die Europäer leisteten sich teure Sozialstaaten, während sie sicherheitspolitisch auf Kosten der USA Trittbrett fahren. Im nächsten Präsidentschaftswahlkampf werde dieses Thema mit großer Wahrscheinlichkeit wieder aufgegriffen. Europa müsse deshalb darüber nachdenken, wie mit Blick auf China und die USA ein europäischer Weg aussehen könnte.

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