Die Akademie trauert um Peter Hanke

Dozent der ersten Stunde mit 91 Jahren verstorben

Trauer an der Akademie für Politische Bildung: Unser ehemaliger Dozent Peter Hanke ist im Alter von 91 Jahren verstorben. Er gehörte von 1960 bis 1974 dem Kollegium an und wechselte anschließend als Professor an die Universität der Bundeswehr München.


Tutzing / Aus der Akademie / Online seit: 28.01.2022

Von: Steffen H. Elsner / Foto: Lorenz Goslich

Die Akademie für Politische Bildung verabschiedet sich von einem geschätzten ehemaligen Kollegen und langjährigen Begleiter. Am 22. Januar ist Professor Peter Hanke im Alter von 91 Jahren verstorben. Von 1960 bis 1974 war er Dozent an der Akademie und beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit den Bereichen Sozialstruktur, sozialer Wandel und politische Soziologie. Anschließend wechselte er als Professor an die Universität der Bundeswehr München.

Ende September 1931 in der Provinz Sachsen zur Welt gekommen, verbrachte Peter Hanke seine frühe Kindheit in Stettin (Vorpommern). Dort besuchte er die Grundschule und die ersten drei Klassen des Realgymnasiums. Durch den Verlust der Stettiner Wohnung bei einem Luftangriff 1943 sah sich die Familie gezwungen, zu den Großeltern nach Niederschlesien umzusiedeln. Hanke erlebte hier gemeinsam mit seinen drei Geschwistern die letzten Kriegsjahre und den Zusammenbruch des "Dritten Reichs". Der Versuch der Familie, dem russischen Einfluss zu entkommen und über Böhmen die Elbübergänge und damit die westliche Zone zu erreichen, scheiterte. Die nächsten eineinhalb Jahre fristete sie ihr Leben unter jämmerlichen Bedingungen im schlesischen Löwenberg. Im Zuge einer Repatriierungsaktion konnte sie Schlesien im Juli 1946 verlassen und gelangte zunächst nach Niedersachsen. Die folgenden beiden Jahre verbrachte die Familie auf einem Dorf im Kreise Alfeld (Leine). Peter Hanke nahm die unterbrochene Schulbildung wieder auf und arbeitete nebenher in der Landwirtschaft.

Nachhaltiger Einfluss der Semesterferien auf dem Bau

In Homberg am Niederrhein legte Hanke Ostern 1952 am mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium das Abitur ab. Nach einem halben Jahr als Bauarbeiter hatte er sich die finanzielle Grundlage geschaffen, um im Wintersemester 1952/53 das Studium an der Universität Münster aufnehmen zu können. Dort studierte er drei Semester Literaturwissenschaft bei Benno von Wiese und Clemens Heselhaus, Geschichte bei Werner Conze und Sozialphilosophie bei Joachim Ritter und Josef Pieper. Die Werkarbeit während sämtlicher Semesterferien sollte schon bald nachhaltigen Einfluss auf die fachliche Ausrichtung von Hankes Studien entfalten. Wie er selbst später sagte, betrachtete er die Zeit auf dem Bau "als durchaus nützlich verwandt", konnte er doch die "Lebensbedingungen der Industriearbeiter aus eigener Anschauung gründlich kennen[lernen]".

Im Sommer 1954 ging er für ein Semester an die Universität München. Er vertiefte sich dort in die Geschichte des 19. Jahrhunderts und arbeitete in den Seminaren von Franz Schnabel sowie Heinz Gollwitzer. Mit seinem neuerlichen Wechsel an die Universität Freiburg ging eine Verlagerung seiner Studienschwerpunkte einher: Literaturwissenschaft und Geschichte traten zugunsten der Beschäftigung mit Soziologie sowie der noch jungen Disziplin "Wissenschaftliche Politik" in den Hintergrund. Die Freiburger Universitätsprofessoren Arnold Bergstraesser und Heinrich Popitz wurden auf den begabten Studenten aufmerksam und zu seinen Förderern. Außerhalb der Universität beschäftigte sich Hanke mit Fragen des Films, vor allem mit der Beziehung zwischen Filmillusion und Alltagserfahrung. Er schrieb Kritiken unter anderem für die Frankfurter Hefte. Innerhalb der Hochschule engagierte er sich in der Freiburger Gruppe des Sozialistischen Studentenbundes.

Von der Akademie an die Universität der Bundeswehr München

In Bergstraesser und Popitz hatte der angehende Doktorand Peter Hanke bei seiner Bewerbung auf eine Dozentenstelle an der Akademie für Politische Bildung 1959 gewichtige Fürsprecher. So gutachtete Bergstraesser: "Ich empfehle Herrn Peter Hanke zur Einstellung in die Akademie für Politische Bildung aufs nachdrücklichste." Auch konnte er, wohl nicht zuletzt aufgrund seines hochschulpolitischen Engagements, auf die Unterstützung von Waldemar von Knoeringen und Hans-Jochen Vogel bauen. Mit seinem Vortrag zu "Führung und Verwaltung in der modernen Demokratie" und in der anschließenden Diskussion überzeugte er die anwesenden Kuratoriumsmitglieder vollends: In geheimer Abstimmung erhielt er zwölf Ja-Stimmen von zwölf Stimmberechtigten. Am 1. Juni 1960 trat Peter Hanke schließlich die Dozentenstelle in Tutzing an, wo er sich vor allem mit Sozialstruktur, sozialer Wandel und politische Soziologie beschäftigte. Dem Informationsblatt des Tutzinger Personalrats zufolge, zählten zu seinen besonderen Kennzeichen in jenen Tagen: "Förderung der Zigarettenindustrie, Liebhaber von Kartoffelpuffern, Kriminalromanen, schrotfreien Fleischstücken und langen Vorträgen, von Schlagfertigkeit und witzigen Diskussionen".

Nach dem Tode seines Mentors Arnold Bergstraessers 1964 wurde Peter Hanke im Juli 1966 von Dieter Oberndörfer, dem amtierenden Direktor des Arnold-Bergstraesser-Instituts, mit einer Arbeit über das Gesellschaftsbild und die Tugendlehre im Werk Berthold Brechts promoviert. Nach mehr als 14 Jahren an der Akademie wechselte er 1974 auf die Professur für Politikwissenschaft an die Universität der Bundeswehr München und war auf seinem Lehrstuhl der Vorgänger unserer Direktorin Ursula Münch.

Tutzing und der Akademie für Politische Bildung hat Peter Hanke nie den Rücken gekehrt. Bis zuletzt lebte er im Ort und besuchte an Sommertagen mit seiner Gattin den Badesteg der Akademie. Die Direktorin und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Akademie trauern mit seiner Familie und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.


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