Facetten der Macht

Annäherung an ein soziales und politisches Phänomen

"Macht macht Gesellschaft" war der Titel der diesjährigen Online-Tagung der Akademie für Politische Bildung, des Max Weber-Programms und der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Was genau ist eigentlich Macht und wer hat sie? Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben sich dem sozialen und politischen Phänomen Macht genähert. 


Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 14.06.2021

Von: Antonia Schatz / Foto: Antonia Schatz

# Gesellschaftlicher Wandel

Programm: Interdisziplinäre Akademie: Macht macht Gesellschaft

Macht macht Gesellschaft

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"Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht." Max Webers Verständnis der Macht ist ein prägendes, das so immer wieder von Machttheoretikern aufgegriffen wird. Macht findet sich auch in Bereichen, an die man nicht sofort denkt. Dass Macht 2021 das Jahresschwerpunktthema des Max Weber-Programms ist, war Anlass, um das Phänomen unter die Lupe zu nehmen. Unter dem Titel "Macht macht Gesellschaft" hat die interdisziplinäre Online-Tagung der Akademie für Politische Bildung, des Max Weber-Programms und der Studienstiftung des Deutschen Volkes danach gefragt, wo in der Gesellschaft Macht zu finden ist und ihre Erscheinungsformen und Folgen diskutiert.

Die Macht der Psychologie

Grundsätzlich, sagt der Psychologe und Managementcoach Michael Schmitz, gebe es zahlreiche negative Assoziationen mit Macht. Der amerikanische Philosoph Alan Goldman sagte, Macht sei die Fähigkeit, das zu kriegen was wir wollen. "So gesehen braucht jeder einzelne Macht, um seine Interessen durchzusetzen, um voranzukommen." Dies mache Macht zunächst zu einer gesellschaftlichen Notwendigkeit ohne Wertung. Trotzdem gibt es auch einen Grund für die negativen Assoziationen: "Macht verändert Menschen", sagt Schmitz. Soziale Macht speist sich aus den unterschiedlichsten Quellen. So kann zum Beispiel eine Rolle, wie die eines CEOs, einer Lehrerin oder eines Priesters, Macht geben. Auch wer über etwas verfügt, was andere begehren, aber nicht haben, hat Macht. Beispiele hierfür sind Eigentum und Wissen. Wer über soziale Macht verfügt, kann andere damit belohnen oder bestrafen.

Schmitz fragt: "Macht Macht korrupt oder gelangen Korrupte eher an Macht?" Psychologische Studien zeigen, dass Macht oft einen negativen Einfluss auf die Persönlichkeit hat. Als Beispiel nennt er die Everest Simulation der Harvard Business School, eine Multiplayer Simulation, in der Teams die Besteigung des Mount Everest spielen und dabei gemeinsam Entscheidungen treffen müssen. Gute Teamführung und Zusammenarbeit entscheiden über den gemeinsamen Erfolg. Schmitz berichtet von einem Experiment, bei dem die Hälfte der Teamleiterinnen zuvor in ihrem Machtempfinden stimuliert wurde. "Die Mitglieder der Teams der machtstimulierten Teamleiter berichteten, dass ihre Teamleiter mehr geredet haben und weniger offen für ihre Vorschläge waren als bei der Kontrollgruppe. Sie hatten außerdem das Gefühl, weniger gelernt zu haben." Schmitz begründet das damit, dass sich bei Menschen, die in Machtpositionen gelangen, das Denken und Fühlen verändert. "Mächtige schätzen sich selbst oft ganz falsch ein, sie sehen sich als bedeutender und ihre Meinung als wichtiger als die ihrer Mitmenschen. Sie dominieren Gesprächsrunden und Mitarbeiter werden in ihren Beiträgen eingeschränkt. So bringen Teams nicht, was sie bei einem anderem Führungsstil mit offener Kommunikation leisten könnten." Forscher haben festgestellt, dass solche Führungskräfte mit ihren Betrieben und Teams weniger Output liefern.

"Positionen beinflussen, wie Menschen sich wahrnehmen, wahrgenommen werden und sich verhalten", sagt Schmitz. Machtkontrolle und Reflektion bleiben daher unerlässlich. "Es gibt Verführungen, die Macht immanent sind. Diese sollte man reflektieren, wenn man selbst eine soziale Machtposition erlangt." Ein erfolgreicher Teamleiter sei derjenige, der es schaffe, einen Diskurs zu moderieren, an dem möglichst viele ihre Ideen einbringen. "Als positives Beispiel würde wahrscheinlich Nelson Mandela gelten", sagt Schmitz, "es gibt aber weniger positive Beispiele als negative. Denn jemand, der bestimmte Privilegien hat, gewöhnt sich mit der Zeit so sehr an diese Privilegien, dass sie Teil seiner Persönlichkeit werden."

Die Macht der Medien

Auch die Medien haben eine Machtposition, die es zu reflektieren gilt. "Medien bezeichnen sich gerne als die vierte Gewalt der Demokratie. Diese Rolle weist ihnen die Verfassung aber gar nicht zu. Eine Machtfunktion der Medien ist daher nicht vorgesehen", sagt Georg Streiter, ehemaliger Regierungssprecher und stellvertretender Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung. Er sieht die Rollenzuschreibung kritisch, da Medien "eigentlich auch für nichts eine Verantwortung tragen - anders als die Exekutive und die Legislative." Man könne heute eine Sache schreiben und schon morgen eine andere. Manuela Glaab, Politikwissenschaftlerin von der Universität Koblenz-Landau, verweist aber auf die Wichtigkeit dieser Rolle als vierte Gewalt: "Gerade in Ländern, wo sich autoritäre Systeme ausbreiten, sieht man, dass zuerst die Pressefreiheit verschwindet. Die Medienfreiheit ist eine wichtige Stütze freiheitlicher Systeme." Im besten Fall decken die Medien mit ihrer Macht anderen Machtmissbrauch auf, wie bei der kürzlich diskutierten Maskenaffäre, sagt Streiter.

Die Macht der Medien wirke aber bei Weitem nicht immer positiv. Als Beispiel nennt Streiter das Transatlantische Freihandelsabkommen - kurz TTIP.  "Das TTIP-Abkommen scheiterte letztlich an der Macht der klassischen und sozialen Medien, als das Wort 'Chlorhuhn' ins Spiel kam." In den USA werden Hühner nach der Schlachtung in ein Chlordioxid-Bad gehängt, um sie keimfrei zu machen. Diese Tatsache löste eine mediale Welle der Empörung aus und die Angst, dass diese Chlorhühner bald auch auf dem europäischen Markt landen würden. "Das Verrückte an der Geschichte ist, dass die USA ihre Hühner hier vermutlich gar nicht hätten verkaufen wollen, weil keine Nachfrage da gewesen wäre. Aber so ist ein Abkommen, das viele für sinnvoll gehalten hätten, gescheitert", sagt Streiter. Um das Hochschaukeln von Stimmungen zu vermeiden, müsse der Politikbetrieb lernen, mit der Macht der Medien umzugehen und die Medien als einen Teil des Elektorats zu betrachten, "der eben auch durch die Macht der Worte überzeugt werden will."

Allerdings hat sich durch Internet und Social Media auch die Situation der klassischen Medien verändert. "Sie sind vom Welterklärer dazu übergegangen, darüber zu berichten, was im Internet gerade diskutiert wird", sagt Streiter. Meist sei es die Anzahl der Klicks, die heute darüber bestimme, welche Inhalte online besonders präsent gezeigt werden. Das sieht Streiter als Problem, da 'meistgelesen' keinerlei ethischen und moralischen Standards folge. "Da geht es nur um Neugier. Solange etwas gut klickt, steht es ganz oben. Dadurch wird dann vermittelt, das wäre die wichtigste Nachricht des Tages. Dabei gibt es eigentlich gar keine Nachricht."

Die Macht von Social Media

Mit den neuen Welterklärern, den sozialen Medien, setzt sich Clara Iglesias Keller von der Forschungsgruppe Politik der Digitalisierung am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung auseinander. Dabei interessiert sie sich vor allem für den Einfluss, den digitale Plattformen über die Sprache und das Sprechen haben. Obwohl sich die Nutzer großer Online-Plattformen dessen oft nicht bewusst sind, steht hinter so gut wie jeder sozialen Plattform ein privates Unternehmen. Spricht man also von der Moderation von Inhalten, bezieht sich das auf Regeln, die das jeweilige Unternehmen selbst aufgestellt hat. Die Anwendung eigener Systeme und Regeln zur Inhaltsmoderation gibt den Plattformen "power over speech", die Macht zu entscheiden, wer was sagen darf. Diese inhaltliche Kontrolle, gekoppelt mit der enormen Popularität von Social Media nennt Iglesias Keller "opinion power", Meinungsmacht. "Diese systemische Meinungsmacht bedroht klassische Medien, weil sie jetzt selbst darauf angewiesen sind, ihr Business-Modell in Plattformen, wie Facebook und Twitter, einzubetten. Und auch Regierungen sind davon bedroht, weil sie von diesen Plattformen abhängig sind, um mit der eigenen Bevölkerung in Kontakt zu treten." Hier gebe es noch keine ausreichenden Regelungen, um die Macht der Plattformen einzudämmen oder zu kontrollieren. Alle diskutierten Maßnahmen liegen immer noch innerhalb der von den Unternehmen festgelegten Rahmenbedingungen. Innerhalb ihres eigenen Regelwerks könne man die Macht der Plattformen nicht erfolgreich regulieren, sagt Iglesias Keller. Stattdessen müssten allgemeine Regeln außerhalb des Wirkungsbereichs von Social Media angesetzt werden.

Die Macht der Märkte

Ute Volkmann vom SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik beschäftigt sich mit dem Ökonomisierungsdruck, dem Politik und Gesellschaft unterliegen. Beides sind eigentlich nicht-wirtschaftliche Sphären, in denen anderen Leitwerte das Handeln bestimmen als in der Wirtschaft. Eine Ökonomisierung ist aber ein Bedeutungszuwachs ökonomischer Gesichtspunkte für das Handeln in diesen Bereichen.

Der Prozess der Ökonomisierung vollzieht sich, weil gesellschaftliche Leistungsproduktion von einer Geldquelle abhängig ist, der kapitalistischen Wirtschaft. Der Steuerstaat überträgt wirtschaftliche Leistung in nicht-wirtschaftliche Sphären. Weil so marktwirtschaftliche Ordnungsprinzipien in die nicht-wirtschaftlichen Subsysteme vordringen, entsteht für diese Ökonomisierungsdruck. Es wird also fortan gearbeitet, mit dem Ziel, finanzielle Verluste zu vermeiden oder sogar Gewinne zu erzielen. Durch die staatliche Krankenhausfinanzierung entsteht beispielsweise eine Situation, in der Krankenhäuser miteinander um das Einflussmittel Geld konkurrieren. Die Leitwerte der nicht-wirtschaftlichen Sphären geraten in den Hintergrund. "Medizinische Diagnosen und Therapien mutieren dann zu guter Letzt zu Methoden zur Geldgewinnung, während die Heilung von Patienten an die zweite Stelle rückt", sagt Volkmann.

Die nicht-wirtschaftlichen Sphären sind zwar in dieser Situation im Nachteil, sagt Volkmann, den Ausgangspunkt von Ökonomisierung bilden aber Konstellationsstrukturen und -dynamiken auf Märkten. Es handele sich hier also nicht um Macht, sondern um strukturelle Zwänge. "Um Macht auszuüben braucht es einen Akteur, es lässt sich also nicht sagen, dass Märkte Macht ausüben." Stattdessen sei Macht auf Märkten an anderen Stellen zu finden: zum Beispiel bei willentlicher Preisbildung durch Kartelle oder Monopole oder wenn Unternehmen glaubhaft damit drohen, abzuwandern, um Steuererhöhungen zu vermeiden. Volkmann erweitert so die Machtdefinition Max Webers: "Macht bedeutet, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen gegen Widerstreben durchzusetzen, entweder indem man Sanktionen androht (Abwanderung) oder durch das Schaffen unhintergehbarer Handelsbedingungen (Preisbildung)."

Die Macht der Künstlichen Intelligenz 

Künstliche Intelligenz heißt nicht nur autonomes Fahren. Mit der "Macht der Maschinen" könnten in Zukunft auch große Fortschritte im Gesundheitswesen einhergehen. Gordon Cheng vom Institute for Cognitive Systems der TU München arbeitet mit seinem Team an neurowissenschaftlich basierter Künstlicher Intelligenz, an humanoiden Robotern. Im vergangenen Jahrzehnt hat er sich mit Rückenmarkserkrankungen wie Multipler Sklerose und Zerebralparese beschäftigt. Im Rahmen des "Walk Again Project", einem multinationalen Forschungsprojekt, geleitet vom Duke Center for Neuroengineering, arbeitet er mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern daran, Menschen mit Rückenmarksverletzungen das Gehen wieder zu ermöglichen.

Mit einem Exoskelett-Roboter, einer sogenannten Neuroprothese, bei der über Neurotechnologie eine Schnittstelle zwischen dem Hirn der Patientin und einem Computer erstellt wird, verzeichnete das Team bereits erste Erfolge. Über mehrere Wochen wird ein Patient trainiert, bis er über gedankliche Befehle das Exoskelett bewegen kann. "Man denkt ans Gehen und der Roboter wird gehen", sagt Cheng. Tatsächlich werden die Signale, die das Hirn an das motorische Nervensystem sendet, über eine Elektrodenhaube entschlüsselt und dann über eine Schnittstelle als Befehl an den Roboter geleitet. Bei der Weltmeisterschaft 2014 hat der querschnittsgelähmte Juliano Pinto bereits mithilfe eines solchen Roboters den Anstoß gemacht.

Die technischen Fortschritte bei der Künstlichen Intelligenz werfen Fragen der Ethik auf. Matthias Braun von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg nennt als Beispiel eine Hautscreening-App, die dem Nutzer beim Scannen einer Hautstelle entweder eine Handlungsempfehlung oder eine Entwarnung gibt. "Bei solch einem Datenpool gibt es viele ungewollte Fälle von Diskriminierung, denn diese Apps basieren auf den Daten von Menschen mit weißer Haut. Menschen mit dunkler Haut bekommen falsche Ergebnisse und es entsteht ihnen ein Schaden aus der Anwendung, die eigentlich helfen soll."

Technologien benötigen also einen ethischen Gestaltungsrahmen. Die EU hat deshalb einen Vorschlag zur Regulierung von KI-Systemen auf dem europäischen Markt vorgelegt, den Artificial Intelligence Act (AIA). Kernpunkt ist der Anspruch, dass Künstliche Intelligenz dann gut ist, wenn sie vertrauenswürdig ist. Da Europa sich im Bezug auf Technologien nicht mit den USA und China messen könne, so Braun, beanspruche der Kontinent die führende Rolle im Feld Ethik und Recht: "Wir haben zwar nicht das coolste Spielzeug, aber wir machen die Spielregeln." Da es sich bei der rechtlichen Regulierung von KI-Systemen um eine globale Fragestellung handelt, hat die EU, wenn sie schnell ist und zuerst einen Handlungsrahmen abstecken kann, Kontrolle und damit einen Wettbewerbsvorteil.

Der Artificial Intelligence Act enthält eine Abstufung in unterschiedliche Risikogruppen, denen KI-Systeme zugeordnet werden. Fällt ein System in die Gruppe "unacceptable risk" wäre es in der EU nicht zugelassen. Das betrifft zum Beispiel "social crediting" und Gesichtserkennung, wie sie in China angewendet werden. Eine Ausnahme bei der Gesichtserkennung stellt die Terrorabwehr dar. Das Problem: "Woran mache ich Kriterien für Ausnahmen fest? Und wer hat die Macht, über Ausnahmen zu entscheiden?", fragt Braun. Und es gibt noch einen weiteren Umstand, der verhindert, dass die KI-Regulierung schnell durchgesetzt wird. EU-Recht muss von allen Nationalstaaten separat ratifiziert und in Nationalrecht überführt werden.

Die Macht der Literatur

Auch in der Literatur finden sich Machtasymmetrien. Am Beispiel Amanda Gorman erklärt die Amerikanistin Julia Faisst von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt die Macht der Repräsentation und die Macht der Deutungshoheit. Amanda Gorman, die 22-jährige afroamerikanische Dichterin, die im Januar bei der Amtseinführung von Joe Biden auftrat, habe damit Literaturgeschichte geschrieben. "Mit ihrer Performance, die in der Tradition der Spoken Word Performance steht, wirkt Gorman auf eine größere Rassengerechtigkeit in der Zukunft ein." In "The Hill we Climb" thematisiert sie auch die Black-Lives-Matter-Bewegung, die seit George Floyds Tod im Frühjahr 2020 große mediale Aufmerksamkeit erregt hat. "Gerne missverstanden, geht es der Black-Lives-Matter-Bewegung eben nicht darum, dass schwarze Leben mehr wert sind, sondern dass kein Leben Wert hat, solange schwarze Leben es nicht tun", erklärt Faisst. Es sei ein Gedicht der Vereinigung und Wiedervereinigung, gegen die künstliche Teilung, die in der Sklaverei praktiziert wurde, und die die USA noch heute spaltet. "Ihre Lyrik zieht ihre Kraft und ihre Macht daraus, dass sie sich mit dem Publikum verbündet. Das am häufigsten verwendete Wort ist 'wir'."

Diese Kollektivität gehe in der deutschen Übersetzung größtenteils verloren, sagt Faisst. Hier stelle sich auch die Frage nach Macht: Wer hat die Macht, Literatur in einem transnationalen Kontext zu verbreiten? Wer hat die Deutungshoheit, die zur Übersetzung befähigt? In den Niederlanden gab es Kritik, da ursprünglich keine schwarze Übersetzerin angestellt wurde. Faisst verweist auf die Schriftstellerin Sharon Dodua Otoo, die schreibt, dass "sowohl rassismuskritische Sprachkenntnisse als auch schwarze Kulturproduktion eigene Fachgebiete sind", die bei der Übersetzung eines solchen Werks nicht fehlen dürfen. Sie zitiert deren Frage: "Wie hängen die Entmenschlichung Schwarzer Körper im realen Leben mit dem Mangel an handelnden Schwarzen Figuren in der literarischen Vorstellungswelt und die geringe Anzahl Schwarzer Autor*innen und Übersetzer*innen in der deutschsprachigen Literaturszene zusammen?" Hier gibt es eine Machtasymmetrie in der Literatur, die sich auf das reale Leben auswirkt. Die Afro-deutsche Literaturwissenschaftlerin Marion Kraft bemerkte dazu: "In den meisten Fällen werden automatisch weiße Experten gesucht und es wird gar nicht daran gedacht, dass es auch POC (People of Colour, Anm. d. Red.) gibt, die Expertinnen sind". Diese wichtige Diskussion habe mit Amanda Gorman gerade erst begonnen, sagt Faisst.


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