Austausch mit Ludwig Spaenle

Antisemitismusbeauftragter spricht mit Lehrkräften

Seit der Antike begegnen jüdische Menschen Anfeindungen. Antisemitismu, ein Problem das nicht in den Griff zu bekommen scheint. Eine Fortbildung für Lehrkräfte hat das Thema deshalb aufgegriffen. Ludwig Spaenle, Antisemitismusbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung, sprach über seine Arbeit und den aktuellen Problemstand.


Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 09.10.2020

Von: Anna-Lena Engelen / Foto: Anna-Lena Engelen

# Religion, Politische Bildung

Programm: Sozialkunde, Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder, Sozialpraktische Grundbildung

Vortrag Spaenle Antisemitismus

Flickr-Galerie © Akademie für Politische Bildung Tutzing. Bitte klicken Sie auf das Foto, falls die Galerie nicht lädt. Sie werden zu Flickr weitergeleitet.

"Antisemitismus ist die älteste Form menschenbezogener Gruppenfeindlichkeit", sagt Ludwig Spaenle, Antisemitismusbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung. Im Rahmen der Tagung "Sozialkunde, Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder, Sozialpraktische Grundbildung" für Lehrkräfte an Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasien, sprach er in der Akademie für Politische Bildung über seine Arbeit als Beauftragter für jüdisches Leben, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe in München.

"Das Judentum war schon immer ein Feindbild, dieses lässt sich nicht mehr beseitigen, nur verringern", sagt Spaenle. "Seit es Antisemitismus gibt, ist er noch nie aus der Welt gewesen." Inzwischen sei die Bezeichnung "Jude" an sich zur Beleidigung geworden. Spaenle appelliert deshalb an die Lehrkräfte, mit dem historischen Erbe verantwortungsvoll umzugehen und Antisemitismus durch Bildung zu ersetzen. Es gebe immer noch Kinder, die meinen, Juden vergifteten Brunnen. Erwachsene, die glauben, jüdische Menschen zahlen keine Steuern. Finanzbeamte, die im Gespräch mit jüdischen Mitbürgern auf den Holocaust anspielen. Derartige Vorurteile und Anfeindungen beeinflussen das persönliche Leben und die Freizügigkeit dieser Menschen massiv. Lehrkräfte können einen wichtigen Beitrag leisten, um diese Situation zu verändern.

Gegenüber der Politik vertritt Spaenle die Interessen bayerischer jüdischer Gemeinden und ihrer Mitglieder. Wichtig ist ihm dabei der Beginn seiner Funktionsbezeichnung: "Beauftragter für jüdisches Leben". Da Jüdinnen und Juden oft mit negativen Erfahrungen kämpfen, haben sie sich einen positiven Anfang für die Amtsbezeichnung gewünscht.


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