30 Jahre Mauerfall - was bleibt?

Eine Standortbestimmung der Deutschen Einheit

30 Jahre Mauerfall und 70 Jahre Grundgesetz - in diesem Jahr jähren sich zwei Meilensteine der deutschen Geschichte. Doch ist mittlerweile zusammengewachsen, was zusammengehört? Auf unserer Tagung "1949 - 1989 - 2019" haben wir die Eregnisse und Auswirkungen der Friedlichen Revolution in der DDR Revue passieren lassen. Dabei stand die Frage, ob sich das Grundgesetz bewährt hat, im Mittelpunkt.


Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 02.10.2019

Von: Natalie Weise / Foto: Natalie Weise

# Demokratie, Zeitgeschichte

Programm: 1949 - 1989 - 2019

Akademiegespräch am See mit Joachim Gauck, Bundespräsident a.D., im Rahmen der Tagung "1949 - 1989 - 2019"

1949 - 1989 - 2019

Flickr-Galerie © Akademie für Politische Bildung Tutzing (bitte klicken Sie, falls Ihr Browser die Galerie nicht lädt)

"Es ist schon bemerkenswert, dass wir seit 70 Jahren unter dem gleichen Grundgesetz leben", sagt Hans-Jürgen Papier auf der Tagung "1949 - 1989 - 2019", die den Zustand des vereinten Deutschlands hinterfragt. Zwar habe sich das Grundgesetz als stabil bewährt, jedoch stehe es vor einigen Herausforderungen. Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts sieht beispielsweise Defizite in der Ausarbeitung des Wahlrechts, da im Grundgesetz kein Wahlsystem festgeschrieben wurde. Außerdem fordert Papier mehr Bemühungen um eine intergenerationelle und visionäre Politik auf Grundlage der Verfassung. Denn Demokratie sei Herrschaft auf Zeit und verlange eine "dauerhafte und nachhaltige Befriedigung des Gemeinwohls", findet Papier.

Wiedervereingungserfahrungen mit Markus Meckel und Horst Teltschik

"Kirche in der DDR hatte einen eigenen geistigen und kulturellen Raum, sagt Markus Meckel. Der ehemalige Außenminister der DDR erzählt, dass noch nach dem Mauerbau fast jede ostdeutsche Kirchengemeinde eine Partnergemeinde in Westdeutschland hatte, was teilweise illegal war. Meckel hat eine bewegte Geschichte in der DDR erlebt. Er arbeitete als Pastor und gründete im Oktober 1989 die Ost-SPD. "Zwischen dem 9. Oktober und dem 9. November, dachte ich, dass wird das mit der Demokratie in der DDR schaffen", berichtet er über die Zeit kurz vor der Wende.

Horst Teltschik, stellvertretender Chef des Bundeskanzleramtes unter Helmut Kohl, berichtete wie diese Zeit von westdeutscher Seite wahrgenommen wurde. Gab es einen Plan der Bundesregierung zur Wiedervereinigung? "Gott sei Dank nicht. Man kann im Vorhinein keinen Plan haben, wenn man von vier Siegermächten abhängig ist", betont er.

Freude über die Wiedervereinigung in Frankreich

"Als die Mauer fiel, haben sich die Franzosen wirklich gefreut", erinnert sich Cécile Calla. Zwar hatten besonders konservative Medien Bedenken vor einem starken Deutschland und somit einem "neuen Problem in Europa", aber diese Einwände hatten sich gelegt. Die Wiedervereinigung hat der deutsch-französischen Freundschaft nicht geschadet. Während die Franzosen die Beziehung gerne als Paar darstellen, verwenden die Deutschen lieber den Begriff "Tandem",stellt Calla scherzhaft fest. 

Verlorene Mitte? Rechtspopulismus in Deutschland

Beate Küpper vom Institut SO.CON an der Hochschule Niederrhein stellte die Ergebnisse der Studie "Verlorene Mitte - Feindselige Zustände" vor. Die Studie untersucht antidemokratische Einstellungen in der deutschen Bevölkerung. Betrachtet man fremdenfeindliche Tendenzen ist das Schaubild des Eisbergs hilfreich, erklärt Küpper. "Die Spitze ist nur das, wo wir hinschauen", erläutert sie. Beispiele sind der NSU oder Wahlergebnisse rechtsextremer Parteien. Unter Wasser, im Bauch des Eisberges, befinden sich dann Wahrnehmungen und Vorurteile gegenüber vermeintlich Fremden. "Rechtspopulismus ist kein rein ostdeutsches Problem", meint die Sozialpsychologin. So zeigen 30 Prozent der Befragten in Ostdeutschland rechtspopulistische Ansichten und 20 Prozent in Westdeutschland. Dennoch vertritt die Mehrheit von 70 Prozent der Befragten in Ostdeutschland demokratische Werte - ganz im Sinne des Grundgesetzes.


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