Sprache und Politik im öffentlichen Diskurs

Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP)

Wie verändert die Digitalisierung unsere Kommunikation im öffentlichen Raum? Welche Auswirkungen hat der Rechtspopulismus auf unsere Sprache? Wie Sprache und Politik verknüpft sind und vor welchen Herausforderungen die Politik in Bezug auf Sprache steht, haben wir mit der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaften und dem ehemaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert diskutiert.


Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 15.07.2019

Von: Pia Schäfer / Foto: Pia Schäfer

# Bildung und Wissenschaft, Populismus und Extremismus

Programm: Sprache und Politik

Sprache und Politik

Flickr-Galerie © Akademie für Politische Bildung Tutzing (bitte klicken Sie, falls Ihr Browser die Galerie nicht lädt)

"Sprache ist eine der wenigen Möglichkeiten, Missverständnisse in einer Gesellschaft auszuräumen", sagt Norbert Lammert, ehemaliger Präsident des Deutschen Bundestags. Sprache ist das wichtigste Werkzeug der Politik. Nur durch Sprache können Meinungen, Interessen, Werte und Ideen übermittelt werden. Bei der 37. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) stand die Verbindung von Sprache und Politik deshalb im Fokus.

Digitalisierung - eine Revolution der Kommunikation

Seit der Erfindung des Buchdrucks verändert sich unsere Kommunikation stetig. "Die Digitalisierung ist eine revolutionäre Neuordnung für Kommunikationsweisen im Privaten und im Öffentlichen", sagt Norbert Lammert. Jeden Tag werden 500 Millionen Tweets versendet. Davon sind zwar nicht alle politischer Natur, trotzdem wird eine enorme Menge an politischen Nachrichten und Kommentaren produziert. Dies hat enorme Auswirkungen auf die öffentliche Meinungsbildung. Deshalb fordert Lammert einen demokratischen Mindestkonsens für politische Nachrichten.

Durch Twitter und andere soziale Medien entsteht neben den Medien als vierte Gewalt noch eine fünfte Gewalt: die vernetzte Öffentlichkeit. An die Oberfläche gerät dies nicht nur durch einen twitternden amerikanischen Präsidenten, sondern auch durch das Rezo-Video, das vor der Europawahl hohe Wellen schlug.

Populismus in der öffentlichen Wahrnehmung

"Der Populismus ist eine Brücke von Rechtsextremen und der breiten Öffentlichkeit", sagt Paula Diehl von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Durch den Populismus wird rechtsextremistisches Gedankengut populärer und anschlussfähiger in der Gesellschaft. Dabei ist der Populismus weniger eine Ideologie als vielmehr eine Strategie, um Wähler zu mobilisieren. Diehl warnt vor der Scharnierfunktion des Rechtspopulismus zum Rechtsextremismus.

Besonders Begriffe wie Heimat und Volk sind von Populisten geframed. In der öffentlichen Diskussion wird immer wieder die Frage laut: Sollte man solche Begriffe den Populisten überlassen? Das Problem ist, dass sich durch den Populismus die öffentliche Wahrnehmung verändert. Medien, Politiker und andere öffentliche Stimmen nehmen das Niveau populistischer Parolen an. "Der Populismus mobilisiert zum Anti-Populismus, der wiederum populistische Formen annimmt", sagt Astrid Séville von Ludwig-Maximilians-Universität München. Wenn Medien, Politiker und die Werbung die rechtspopulistische Semantik übernehmen und es keine gesellschaftliche Gegenreaktion gibt, kann der Populismus zu einer Gefahr für die liberale Demokratie werden.

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