Richard Rorty und die politische Philosophie

Tagung zum 30. Geburtstag des Werks "Kontingenz, Ironie und Solidarität"

Vor 30 Jahren erschien Richard Rortys zweites Hauptwerk "Kontingenz, Ironie und Solidarität". Darin skizziert Rorty die Utopie einer post-metaphysischen liberalen Gesellschaft, in der Freiheit als Bewusstsein der Kontingenz universell geworden ist. Drei Tage haben Philosophen, Politik- und Sprachwissenschaftler Rortys Thesen und ihre Herausforderungen für die politische Philosophie diskutiert.


Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 25.05.2019

Von: Roberta Astolfi / Foto: Beate Winterer

# Demokratie, Politische Philosophie

Programm: Richard Rorty als Herausforderung für die politische Philosophie - 30 Jahre Kontingenz, Ironie und Solidarität

Richard Rorty als Herausforderung für die politische Philosophie

Flickr-Galerie © Akademie für Politische Bildung Tutzing (bitte klicken Sie, falls Ihr Browser die Galerie nicht lädt)

"Richard Rorty als Herausforderung für die politische Philosophie" hieß die dem Werk des US-amerikanischen Autors gewidmete Tagung, die Ende Mai an der Akademie für Politische Bildung veranstaltet wurde. Und keine Beschreibung hätte das Konzept der dreitägigen Veranstaltung besser treffen können.

Vor dem Hintergrund des 30-jährigen Jubiläums der Veröffentlichung von Rortys Werk "Kontingenz, Ironie und Solidarität" (Contingency, Irony, and Solidarity) zeigte die breite Debatte, dass Rortys philosophische Überlegungen nicht nur theoretisch, sondern auch und sogar vielmehr praktisch-politisch noch "herausfordernd" und prägnant sind.

Wer an eine unverbrüchliche Spaltung zwischen den "im Elfenbeinturm" eingeschlossenen Theoretikern und der "normalen" (politischen) Welt glaubt, fand im Rahmen dieser vielfältigen und lebendigen Diskussion Grund genug, seine Überzeugung in Frage zu stellen.

Politische und kulturelle Brennpunkte...

Es ging nicht nur um die im Titel bereits erwähnte Solidarität - ein Begriff der in unserer heutigen Gesellschafft immer wieder neu zu begreifen ist - sondern auch um menschliche Unsicherheitsgefühle, um soziale Gerechtigkeit, um den gefährdeten Liberalismus, um Empathie, um Kunst und um Sprache, um nur einige Hauptthemen hervorzuheben. Und allein diese Aspekte würden schon genügen, um die philosophische Analyse an unser "normales" Leben sowie an die Politik zu koppeln (oder umgekehrt!).

...und ihre philosophischen Grundlagen

Aber auch diejenigen, die bevorzugen, sich auf die Grundlagen der Philosophie zu konzentrieren, fanden in dieser anspruchsvollen Tagung ihren Platz. Vom klassischen deutschen Idealismus bis zum angelsächsischen Pragmatismus, zum Existentialismus und zur kritischen Theorie - ganz zu schweigen von den Verweisen auf die Pop-Kultur und auf die Literatur - blieb kaum ein Bereich des philosophischen Denkens von der Auseinandersetzung unberührt.

Die von den aus zwei Kontinenten und aus unterschiedlichen Institutionen und Einrichtungen angereisten Referenten sowie von den engagierten Besuchern ins Leben gerufene Reflexion über unsere politische Welt lässt keinen Zweifel: Wenn überhaupt irgendein Elfenbeinturm existiert, ist er so fest mit dem politischen Boden verbunden, dass die zwei sich nur dann verstehen lassen, wenn sie zusammen betrachtet werden.

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