TechCamp Tutzing: Werkzeuge gegen Fake News

Nachrichten verifizieren und widerlegen im digitalen Zeitalter

Welchen Einfluss hat Sprache auf die Wirkung einer Botschaft? Woran erkenne ich, ob ein Foto echt ist? Welche Informationen lassen sich aus dem Datendschungel von Facebook, Twitter und Co. ziehen? Beim TechCamp Tutzing "Countering Misinformation and Building Trust in the Digital Age" sind 60 Teilnehmer drei Tage lang den wichtigsten Fragen zum Thema Fake News nachgegangen. In Workshops lernten sie von internationalen Experten Werkzeuge und Strategien zur Enttarnung von Falschmeldungen und entwickelten eigene Projekte.


Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 15.03.2019

Von: Beate Winterer / Foto: Beate Winterer

# Demokratie, Medien, Digitalisierung, Populismus und Extremismus

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Flickr APB Tutzing

Flickr-Galerie © Akademie für Politische Bildung Tutzing

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Quelle: US-Generalkonsulat München

"Wer von euch hat schon mal die Google-Suche genutzt?", fragt Sam Stewart. Irritierte Blicke, langsam heben sich zehn Hände. Was der Journalist und Suchmaschinenexperte den TechCamp-Teilnehmerinnen und Teilnehmern dann zeigt, ist für viele dennoch neu: Rückwärtssuche, Ausschlussprinzip und Metadaten. Mit wenigen Klicks findet er beispielsweise heraus, wo und mit welcher Kamera ein Foto aus der Bildersuche von Google aufgenommen wurde. Er und seine sechs Trainerkolleginnen und -kollegen haben ihr Handwerk bei internationalen Investigativplattformen wie Bellingcat, dem Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) oder direkt im Google News Lab gelernt. Die meisten ihrer Werkzeuge stehen jedem Internetnutzer zur Verfügung, um Informationen zu prüfen, werden jedoch kaum genutzt - manchmal aus Bequemlichkeit, viel öfter aus Unkenntnis.

Mit "fact checking" gegen Falschinformationen

Dabei entwickelt sich "fact checking", die Prüfung von Fakten, vor allem für die Nutzer sozialer Medien zu einer Kernkompetenz. Denn autoritäre Staaten, extremistische Parteien und anti-demokratische Gruppierungen nehmen durch gezielte Falschinformationen (Fake News) zunehmend Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs, die öffentliche Meinung, Wahlen und politische Entscheidungen.

Das TechCamp Tutzing hat Fake News den Kampf angesagt und 60 Teilnehmer, darunter Journalisten, Wissenschaftler, Diplomaten, Lehrer und Parteimitarbeiter, im Umgang mit Nachrichten geschult. Auf dem Stundenplan standen Trainingseinheiten zur Nutzung von Google Trends zur Vorhersage kontroverser Themen, zur erweiteten Suche nach Informationen auf den Plattformen Twitter und Facebook und zur Analyse sprachlicher Merkmale von Falschmeldungen.

Teilnehmer entwickeln Projektideen

Innerhalb von zwei Tagen stellten sich die Teilnehmer so einen Werkzeugkasten zusammen, den sie am dritten Tag einsetzten, um in Gruppen eigene Ideen zu entwickeln, wie Fake News aufgedeckt und bekämpft werden können. Innerhalb kurzer Zeit entstand der Plan für eine Software, die erkennt, wo ein Zitat zum ersten Mal auftaucht und ob es fortan korrekt weiter zitiert wird. Ein anderes Team denkt an ein Label, mit dem Online-Medien belegen können, dass sie journalistische Standards wie die Suche nach einer zweiten Quelle für eine Nachricht oder die Überprüfung verwendeter Bilder einhalten. Wieder andere Gruppen bastelten an Online- und Brettspielen, um Internetnutzer im Erkennen von Falschmeldungen zu schulen. Und eine weitere Gruppe plant eine Datenbank um Fake News zu sammeln und so vor allem Journalisten den Arbeitsalltag zu erleichtern. Mit dem TechCamp ist die Gruppenarbeit für viele nicht beendet. Das US-Außenministerium stellt ein Budget für die Umsetzung von TechCamp-Ideen zur Verfügung. "Wir sind schon sehr gespannt, welche sich realisieren lassen", sagen Anja Opitz und Michael Mayer.

Die beiden sind Tagungsleiter an der Akademie für Politische Bildung und haben das TechCamp zusammen mit dem US-Generalkonsulat München organisiert - als erste Veranstaltung dieser Art in Deutschland. Bereits 2010 startete das Format mit dem Ziel, die großen Herausforderungen unserer Zeit durch Technik zu lösen. Seit 2015 ist das Bureau of International Information Programs des US-Außenministeriums dafür verantwortlich und tourt mit dem TechCamp um die Welt. Mehr als 2000 Teilnehmer kamen bereits zu über 100 Veranstaltungen in rund 60 Ländern. Und Tutzing steht als Veranstaltungsort nun in einer Reihe mit Rio de Janeiro, Neu-Delhi und Istanbul.

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