News in der Virtual, Augmented und Mixed Reality

Medieninnovationen verändern den Journalismus

Die Dynamik der Digitalisierung bringt unzählige Ideen hervor - gerade wenn es darum geht, journalistische Inhalte zu produzieren, verbreiten und vermarkten. Welche Innovation wird tatsächlich zum Erfolg? Was verändert die Medienwelt nachhaltig, was bleibt ein kurzfristiger Hype? Welche Potenziale besitzen Virtual, Augmented und Mixed Reality? Sind etablierte Medienunternehmen dynamisch genug, um im Wettbewerb mit kreativen Start-ups zu bestehen? Und wie könnte die Digitalisierung der Werbung in Zukunft Qualitätsjournalismus finanzieren? Die Tutzinger Journalistenakademie "Digital, virtuell, immersiv - Medieninnovationen verändern den Journalismus" hat diese Fragen diskutiert.


Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 22.02.2019

Von: Beate Winterer / Foto: Beate Winterer

# Medien, Digitalisierung

Programm: Tutzinger Journalistenakademie: Digital, virtuell, immersiv

Flickr-Galerie © Akademie für Politische Bildung Tutzing

"Wenn wir so weitermachen wie bisher, ist der Journalismus auf jeden Fall tot", sagt Susanne Dickel, Journalistin und Co-Founderin von IntoVR. In diesem Punkt ist sie sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen auf und vor dem Podium weitgehend einig. Darüber, wie der Journalismus der Zukunft stattdessen aussehen soll, gehen die Meinungen jedoch auseinander. Der Journalist und Verlagsmanager Romanus Otto warnt davor, ständig zwischen verschiedenen Medien zu wechseln: "Das verwirrt den Rezipienten nur." Neugier und Offenheit seien in der Medienwelt wichtig, müssten jedoch "im Rahmen bleiben."

Community statt Reichweite

Anders sehen das erwartungsgemäß die Vertreter der Medien-Start-Ups. Tom Orzikowski vom Eyecandylab ist überzeugt, dass Datenbrillen das Smartphone ersetzen. "Dann wird es für den Journalismus relevant, diese Augmented Reality zu füllen", erklärt er. Wolfgang Kerler, ehemaliger Chefredakteur von WIRED Germany, will weg vom "Einbahnstraßenjournalismus" und die User über das Angebot entscheiden lassen. In einer geschlossenen Community sollen Rezipienten und Journalisten konstruktiv über Themen diskutieren - was auf Facebook nicht möglich sei. "Aus der Kritik entstehen dann wieder neue Geschichten", erklärt er. Auch Roman Heflik von XING News plädiert dafür, Online-Journalismus anhand von Verweildauer und Kommentaren zu bewerten. "Die Reichweiten-Chose ist die Pest." Der Großteil werde trotzdem nur konsumieren und nicht bestimmen, glaubt Isabel Pakowski von GoPro. "Aber spätestens, wenn es ihm nicht gefällt, meldet sich der User."

Überblick im Nachrichtendschungel

Egal, ob Nachrichten vom User gewählt oder von der Redaktion vorgegeben werden, ihre Anzahl steigt kontinuierlich. Dario Nassal hat mit The Buzzard nach eigener Aussage ein "Navigationssystem für News" geschaffen, um Konsumenten die Orientierung im Nachrichtendschungel zu erleichtern. "Framing ist eins der größten Probleme unserer Zeit, noch wichtiger als Fake News", sagt der Gründer. The Buzzard zeigt zu jedem Thema verschiedene Frames in Form von Beiträgen auf Nachrichtenportalen, Blogs und in Fachmagazinen. Die Redaktion erklärt dem User die politische Richtung der jeweiligen Medien. Das Start-Up Newsadoo, für das Johannes Knierzinger in Tutzing war, analysiert das Nutzerverhalten. Scrollt der Leser bis zum Ende, bekommt er mehr Nachrichten aus diesem Themengebiet. Wenn es nach Sönke Schierer geht, muss der Leser oder Zuschauer nicht mehr selbst aktiv werden, um zu erfahren, ob es für ihn relevante Nachrichten gibt. Bei Ambient News übernimmt diese Aufgabe eine WLAN-fähige Glühbirne, die ihre Farbe ändert, sobald Nachrichten aus den persönlichen Interessensgebieten vorliegen.

Klassiker erfinden sich neu

Während die Digitalisierung die meisten Start-Ups erst ermöglicht, verändern sich klassische Medien, um ihr standzuhalten. Beim Bayerischen Rundfunk heißt das "BR hoch drei". Aus Radio, Fernsehen und Internet wird eine crossmediale Einheit mit sieben Ressorts statt 140 Redaktionen an einem gemeinsamen Standort in München-Freimann. "Wir denken inzwischen vom Web her und dann ans Fernsehen", erklärt Roland Scheble, Leiter der Hauptabteilung Strategie und Innovationsmanagement. So entstanden Ideen wie die News-WG auf Instagram und das Messenger-Projekt "Ich, Eisner! 100 Jahre Revolution in Bayern". Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat eine eigene Verifikationsabteilung eröffnet und kommuniziert mit ihren Kunden über einen Infokanal über noch nicht bestätigte Meldungen. "Nur weil's bei Twitter steht, schicken wir noch keine Eilmeldung", sagt die Stellvertretende Chefredakteurin Antja Homburger. Und die Südwestdeutsche Medienholding Stuttgart, die Tobias Köhler auf der Tagung vertrat, stattet Mitarbeiter mit bis zu 5.000 Euro aus, um ihre Ideen selbst umzusetzen.

Und wer soll das alles bezahlen?

Bleibt die Frage: Wer soll diese Innovationen finanzieren? Der Konsument, sagt Thomas Nötting vom Verlag Werben & Verkaufen. Medien müssten auch in Zukunft guten Journalismus anbieten und sich auf ihren Markenkern konzieren. Häufig sei das die regionale Berichterstattung. "Die New York Times zeigt, dass man sich von Rückschlägen bei der Einführung eines Bezahlmodells nicht entmutigen lassen darf. Sie hat heute so viele Abonnenten wie nie zuvor", erklärt er.

Wer macht das Rennen? Ausstellung "Media Innovation Forecast"

Begleitet wurde die Tagung von einer Poster-Präsentation des Master-Studiengangs Technik- und Innovationskommunikation der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Andreas Schümchen, Tagungsleiter und Professor für Journalistik, hatte mit Studierenden in einem Semesterprojekt fünf zukunftsträchtige Innovationen untersucht, darunter der 360-Grad-Journalismus von Susanne Dickels Unternehmen IntoVR.

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