Gesundheit benötigt Sicherheit

...und Sicherheit benötigt Gesundheit / Expertenrunde zur Münchner Sicherheitskonferenz

München / Tagungsbericht / Online seit: 05.03.2018

Von: Sebastian Haas und Anja Opitz

# Sicherheitspolitik und Terrorismus / Entwicklungspolitik / Globalisierung / Migration

Als offizielles Side Event der Münchner Sicherheitskonferenz organisierte das Junge Forum der Gesellschaft für Außenpolitik zum 9. Mal ein Expertengespräch – in diesem Jahr in Kooperation der Akademie für Politische Bildung und der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Unsere Dozentin für Internationale Politik, Anja Opitz, moderierte eine spannende Diskussion über ein drängendes, doch vor allem in der deutschen Debatte noch junges Thema.


YouTube-Video

Global Health Security. Ein hochkomplexes Zusammenspiel von Gesundheit, Sicherheit und Entwicklung, das man am besten anhand eines Beispiels erklärt, so wie es Margaret Bourdeaux von der Harvard Medical School (Boston) tat. Als junge Studentin reise sie in das Krisengebiet Kosovo und fand sich eines Tages mitten in einem Minenfeld wieder. Sie rettete sich zum Auto, beobachtete von dort aus, wie eine Kollegin dasselbe tat, und dachte nach: Falls etwas schiefgeht – Komme ich schnell ins nächste Krankenhaus? Ist dort alles vorhanden, was für Erste Hilfe nötig ist? Gibt es dort fähige – und nicht korrumpierbare – Ärzte? Impfstoffe? Ein Gesundheitssystem, das mich irgendwie bis nach Hause bringen kann?

Ebola und Polio: vermeidbare Epidemien

Schon befindet man sich mitten in der Diskussion um den Zusammenhang zwischen Gesundheit, Gesundheitsinfrastruktur, stabiler Staatlichkeit und Sicherheit, die noch immer mehr Fragen aufwirft, als Antworten liefert. Was genau ist Global Health Security? Wann wird eine Gefahr für die Gesundheit zu einer Sicherheitsgefahr für den Staat? Warum ist der Schutz von Gesundheitsinfrastruktur zentral für die Stabilität eines Staates? Und wann werden Gesundheitsgefahren global zu einem Sicherheitsrisiko? Statistisch gesehen sterben in Ländern, die militärische Konflikte gerade hinter sich haben, doppelt so viele Personen an vermeidbaren Krankheiten als zuvor – weil das Gesundheitswesen vollständig zerstört oder zu großen Teilen nicht mehr funktionsfähig ist. Die Ebola-Epidemie in Westafrika 2014/15 (hier Informationen vom Robert-Koch-Institut) wäre in einem funktionierenden Staats- und Gesundheitswesen niemals mit dem globalen Ausmaß verlaufen, wie sie es tat – darauf wies Caroline Schmutte hin, sie ist Head of Germany Relations bei der Bill & Melinda Gates Stiftung. Auch dass die Kinderlähmung Polio nur noch in Afghanistan, Pakistan und Nigeria epidemisch aufritt, ist kein Zufall, sondern dem fehlenden Ineinandergreifen von Stabilität und Sicherheit in diesen Ländern und einem funktionierenden Gesundheitssektor geschuldet.

Gezielte Angriffe auf das Gesundheitssystem

Ebenso werden wir derzeit Zeuge, wie etwa im Rahmen von internationalen Friedenseinsätzen der UN oder in Kriegsgebieten gezielt Angriffe auf Gesundheitspersonal oder auf den Gesundheitssektor durchgeführt werden, mit dem Ziel, nachhaltigen Schaden zu verrichten. Syrien etwa ist hier ein Beispiel für das schlimme Ausmaß dieser Tendenz in all seinen Konsequenzen und unter bewusster Missachtung jedweder humanitärer Praktiken in einem bewaffneten Konflikt. Die Dokumentation The New Bararianism, die durch Stephen Morrison vom Center for Strategic and International Affairs CSIS vorgestellt wurde, verdeutlicht dieses, in seiner Intensität neue, Phänomen. Und genau diese Entwicklungen werfen auch die Frage nach der Rolle und Funktion des Sicherheitssektors, vor allem militärischer Akteure, wie der Bundeswehr, auf.

Auch den weltweiten Migrationsströmen liegt mitunter ein Problem aus dem Themenfeld Global Health Security zugrunde, erläuterte Jillann Farmer, Direktorin der Medical Service Devision im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York: „Die Menschen kehren nur in ihre Heimat zurück, wenn sie dort sicher sind, und wenn Bildungs- und Gesundheitssysteme funktionieren." Versuche, einen globalen Schutz für die Funktionsfähigkeit von Gesundheitssystemen aufzubauen, gibt es genug, wie etwa die Global Health Security Initiative. Keiner der zentralen Akteure lässt es nach Angaben Farmers an Engagement missen – es fehlt, wie so oft, an einem gemeinsamen Verständnis über entsprechende Zusammenhänge und einer daraus abgeleiteten gemeinsamen Koordinierung internationaler Aktivitäten.

Podiumsgäste:

  • Colonel Thorsten Schütz, Medical Corps, Head of Medical Support and Health Science, Bundeswehr Command and Staff College, Hamburg
  • Dr. Jillann Farmer, Director Medical Service Devision, United Nations Headquarter, New York
  • Dr. Margaret Bourdeaux, Harvard Medical School, Boston
  • Caroline Schmutte, Head of Germany Relations, Bill & Melinda Gates Foundation, Berlin
  • Dr. J. Stephen Morrison, Vice President & Director, Center for Strategic & International Studies (CSIS) and Global Health Policy Center, Washington DC

Tweet


Mehr Fotos auf der Facebook-Seite des Jungen Forums der Gesellschaft für Außenpolitik


Weitere Informationen

The New Barbarianism – Ein Film über Krieg, kollabierende Staaten und zerstörte Gesundheitssysteme

Global Health Security Alliance

Sanitätsdienst der Bundeswehr

Harvard Medical School

Center for Strategic and International Affairs

Bill & Melinda Gates Foundation

Junges Forum der Gesellschaft für Außenpolitik

Global Health Security Initiative

Zur Mitarbeiterseite
Dr. Anja Opitz
Tel: 08158 / 256-54
E-Mail

PDF-Programm

The Interplay between Global Health & Security


News zum Thema


q