"Mehr Pippi Langstrumpf!"

Vom Rand der Gesellschaft in deren Mitte / Filmgespräch mit Eva Mattes und Kai Wessel

Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 31.07.2017

Von: Sebastian Haas

# Gesellschaftlicher Wandel, Integration, Zeitgeschichte

Download: Filmgespräch am See

Zum vierten Mal haben das Fünf-Seen-Filmfestival und die Akademie für Politische Bildung nach Tutzing zum Filmgespräch am See eingeladen. „Am Rande der Gesellschaft" lautete das Thema der Schauspielerin Eva Mattes, bekannt durch ihre Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder und ihre Rolle als Tatort-Kommissarin Klara Blum, des Regisseurs Kai Wessel (Nebel im August) und Sylvia Griss, Chefredakteurin der BR-Kultursendung Capriccio. Als Ehrengast ebenfalls dabei: Regisseur und Oscar-Preisträger István Szabó.

Das Filmgespräch am See können Sie in der Denkzeit auf ARD-alpha ansehen (BR-Mediathek).


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Stefanie Westermann spricht zum Umgang mit behinderten Menschen im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik. Dieses Gespräch fand im Rahmen der Tagung „Gesellschaftsgeschichte(n) am Rande" statt, zu der auch unser Filmgespräch gehörte.

Beide Podiumsgäste setzen sich in ihrem ganzen Schaffen mit denen auseinander, die am Rande stehen, ausgestoßen werden aus der Gesellschaft, in ihren Familien nicht zurecht kommen, gar als nicht erhaltenswertes Leben gelten. So hat Kai Wessel mit Nebel im August einen berührenden Film geschaffen über einen Jungen in der Nervenheilanstalt Kaufbeuren-Irsee, der während des NS-Regimes andere Insassen zu retten versuchte. Eva Mattes spielte in ihrer ersten Kinorolle „o.k." das Mädchen Phan Ti Mao, das im Vietnamkrieg von US-Soldaten missbraucht wurde. Der Streit um den Film sorgte 1970 für den Abbruch der Berlinale. Und die damals 15-jährige Mattes war auf einen Schlag in der Filmbranche bekannt.

Zwischen der Schauspielerin, dem Regisseur und der Kulturjournalistin entwickelte sich ein intensives Gespräch über die Gleichberechtigung von Frauen im Film, den kurzen Weg aus der Mitte der Gesellschaft an deren Rand und die unbequemen Fragen, die die Filmkunst stellen darf, stellen kann, womöglich stellen muss: Wie gehen wir mit gesellschaftlichen Randgruppen um, wie mit Menschen mit Behinderung, mit Flüchtlingen, mit ungeborenem Leben? Vielleicht hilft bei der Beantwortung der Grundtenor, der sich durch die Autobiographie von Eva Mattes zieht: Es muss nicht immer alles perfekt sein. Oder wie sie selbst sagte: „Mehr Pippi Langstrumpf!" Der lieh sie nämlich Ende der 1960er-Jahre ihre (Synchron)Stimme.

Eingebettet war das Filmgespräch „Am Rande der Gesellschaft" in die gleichnamige Tutzinger Sommerakademie zur Zeitgeschichte. 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben dort über vermeintliche Randgruppen diskutiert – Frauenbilder im Wandel, Jugend und Staat in der Bundesrepublik sowie den Umgang mit behinderten Menschen, religiösen und kulturellen Minderheiten.

Das Filmgespräch am See findet seit 2014 als Teil des Fünf-Seen-Filmfestivals in den Räumen der Akademie für Politische Bildung statt. Wir danken Festival-Intendant Matthias Helwig, seinem Team und den Kolleginnen und Kollegen von ARD-alpha für die gute Zusammenarbeit. Die Akademie für Politische Bildung freut sich schon auf die Neuauflage.


Das Filmgespräch am See können Sie in der Denkzeit auf ARD-alpha anschauen (BR-Mediathek)


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