So werden Konflikte geschürt

100 Jahre Sykes-Picot-Abkommen / Podiumsdiskussion in der BR-Mediathek

Tutzing / Akademie-Gespräch Tagungsbericht / Online seit: 07.07.2016

Von: Sebastian Haas

# Arabische-Welt / Terrorismus / Geschichte-Internationaler-Politik / Konfliktforschung / Israel / Sicherheitspolitik / Außen-und-Sicherheitspolitik

Am 16. Mai 2016 jährte sich die Unterzeichnung des Sykes-Picot-Abkommens zum 100. Mal. Dieses Abkommen gilt als Symbol für eine Aufteilung des Osmanischen Reichs ohne Rücksicht auf die Siedlungsgrenzen der Völker. Seine aktuelle Bedeutung zeigt sich darin, dass der sogenannte Islamische Staat in seiner Propaganda auf das Sykes-Picot-Abkommen Bezug nimmt.


Sykes Picot Wikimedia Commons Tutzing Akademiegespräch

Diese beiden haben das nach ihnen benannte, bis heute konfliktträchtige Abkommen ausgehandelt: die Diplomaten Sir Mark Sykes (links) und François Georges-Picot (Fotos/Grafik: Wikimedia Commons/Ian Pitchford/derivative work via Wikimedia Commons von Sykes-Picot-1916.gif:Ian Pitchford at en.wikipediaderivative work: de:User:Mullerkingdom (Sykes-Picot-1916.gif) [Attribution], vom Wikimedia Commons

Prof. Dr. Michael Wolffsohn (Universität der Bundeswehr München), Prof. Dr. Gudrun Krämer und PD Dr. habil. Gülistan Gürbey (beide Freie Universität Berlin) analysierten beim Akademiegespräch am See – moderiert von unserer Tagungsleiterin für Internationale Politik Dr. Anja Opitz – die Inhalte des Abkommens und seine Auswirkungen auf die heutige Lage im Nahen Osten. So ist die von den Diplomaten Mark Sykes und François Georges-Picot ausgehandelte Geheimvereinbarung Teil einer ganzen Reihe, mithilfe derer die europäischen Staaten während des Ersten Weltkriegs mit dem zerfallenden Osmanischen Reich abrechneten. Denn nicht nur Großbritannien und Frankreich, sondern auch Russland und selbst Italien erwarteten sich im Nahen und Mittleren Osten territoriale Gewinne und mehr wirtschaftlichen Einfluss.

Zwar relativierte Gudrun Krämer die landläufige Meinung, dass im Zuge des Sykes-Picot-Abkommens Grenzen gänzlich ohne Rücksicht auf sprachliche, ethnische und religiöse Vielfalt gezogen wurden – ausgehandelt wurden sie zwischen verschiedensten Verhandlungspartnern in den folgenden zwei Jahrzehnten. Aus eigenem Antrieb gewachsene Staaten sind die des Nahen und Mittleren Ostens aber kaum. Besonders zu spüren bekamen dies die Kurden, deren Siedlungsgebiete in Folge von Sykes-Picot durch neue Grenzziehungen mehrmals durchtrennt wurden. Im Zuge dieser „historischen Ungerechtigkeit“  – so formulierte es Gülistan Gürbey – mussten sie in den entstehenden Nationalstaaten eine regelrechte Zwangsassimilierung durchleben.

Die Diskussion über

  • Konsequenzen für das politische Handeln von heute
  • eine mögliche Umordnung im Nahen Osten (vielleicht sogar nach dem Vorbild des europäischen Föderalismus)
  • die Rolle der Kurden in der Türkei, Syrien und dem Irak sowie
  • das fast unmögliche Umsetzen von Minderheitenschutz, Partizipation und Rechtstaatlichkeit.

können Sie in der Denkzeit auf ARD-alpha verfolgen (Mediathek).

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Die Denkzeit auf ARD-alpha: zur Homepage der Sendung


Bildergalerie

Flickr-Galerie © Akademie für Politische Bildung Tutzing

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu Gülistan Gürbey (Homepage der FU Berlin)

Weitere Informationen zu Gudrun Krämer (Homepage der FU Berlin)

Die Homepage von Michael Wolffsohn

Zum Weltfrieden: Ein politischer Entwurf - Das aktuelle Buch von Michael Wolffsohn


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