Vorbilder für die Demokratie

26. Lernstatt Demokratie / Hamm-Brücher-Preis für Kölner OB Reker und zwei Schulen

Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 10.06.2016

Von: Christine Petrus

# Bildung / Partizipation / Politische-Bildung

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Die Oberbürgermeisterin der Stadt Köln, Henriette Reker, hat den „Hildegard Hamm-Brücher-Förderpreis für Demokratie Lernen und Erfahren“ des Fördervereins Demokratisch Handeln erhalten. Bei der Festveranstaltung in der Akademie für Politische Bildung betonte die Preisträgerin im Beisein der Stifterin: „Wir müssen noch viel mehr unternehmen, um die freiheitlich-demokratische Grundordnung in den Köpfen aller zu verankern.“

Herzliche Begrüßung der Gäste

Zusammen mit dem Geschäftsführer des Förderprogramms Demokratisch handeln, Wolfgang Beutel, hieß Akademiedirektorin Ursula Münch die Gäste herzlich willkommen – besonders die Stifterin Hildegard Hamm-Brücher, die eine besondere Beziehung zur Akademie pflegt: Hamm-Brücher, stets von der Sorge um die Politik bewegt, habe sich in den 1950er-Jahren maßgeblich für die Gründung der Akademie als „geistig-pädagogisches Kraftzentrum“ stark gemacht. Ziel sei es schon damals gewesen, Bürger jeden Alters zu motivieren, zu mobilisieren und zu befähigen an der Politik aktiv teilzuhaben. Speziell verwies Münch auf das heutige Akademie-Angebot für junge Menschen, um vorhandene politische Bildung auszubauen und zu fördern – wie zum Beispiel die Lernstatt Demokratie, die nun bereits zum dritten Mal in Tutzing gastiert. Bei diesem Projekt präsentieren 200 Schülerinnen und Schüler aus der gesamten Bundesrepublik selbst entwickelte Vorhaben zur Demokratieförderung.

Laudatio und Preisbegründung

Die Laudatio für die diesjährige Hauptpreisträgerin hielt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, ehemalige Bundesministerin der Justiz und aktuelles Vorstandsmitglied der Theodor-Heuss-Stiftung. Sie hob hervor, wie wichtig es ist Persönlichkeiten zu ehren, die sich für die Demokratie einsetzen und sich darum bemühen, Fakten wahrzunehmen, sowie Ursachenanalyse und Lösungskonzepte anzubieten. Henriette Reker habe sich bereits in den vergangenen Jahren um die Integration von Migranten bemüht, dabei keinen Halt vor Verwaltungsreformen gemacht, Mut bewiesen und sich durch ihr vorbildliches demokratisches Handeln ausgezeichnet. „Vorurteile und pauschale Betrachtungen bringen niemanden voran, ebenso wenig das Instrumentalisieren der sozialen Ungleichheit“, meinte Leutheusser- Schnarrenberger. Die Laudatorin bezeichnete das Integrationskonzept der Stadt Köln als vorbildlich auch für andere Kommunen, weil es konkrete Konzepte verfolge, um die Integration als dauerhafte politische Maßnahme umzusetzen.

Dank der Preisträgerin

Die Kölner Oberbürgermeisterin nahm den Hamm-Brücher-Preis mit großer Freude und Dankbarkeit entgegen. Sie bedankte sich herzlich bei den Menschen, die sie stets in ihren Aufgaben unterstützen.  – und erklärte, das Preisgeld an einen gemeinnützigen Verein in Köln zu spenden. Reker bezeichnete die Integration der Migranten als Prüfstein für die heutige Gesellschaft: „Eine große und schwierige Aufgabe – aber wir müssen Verantwortung übernehmen. Integration ist wie ein Teppich, auch dieser lässt sich nicht im Schnellverfahren weben.“ Sie betonte: Die Grundlagen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung seien nur durch Aufklärung und Bildung vermittelbar. Man solle sich nicht vor der Fremdartigkeit der Flüchtlinge fürchten, sondern sich um deren (zeitintensive) Integration bemühen. In Ihrer Rede ging die Preisträgerin auch auf Schwierigkeiten ein; sie bedauerte die Ereignisse der Kölner Silvesternacht 2015, fordert präventive Strategien, um deren Wiederholung zu verhindern und hofft auf eine gründliche juristische Aufklärung.

Auszeichnung der Schulprojekte

Ebenfalls mit dem Hamm-Brücher-Förderpreis ausgezeichnet wurden zwei Schulen, die in der Akademie an der 26. Lernstatt Demokratie des Fördervereins Demokratisch Handeln e.V. teilnahmen: Das „Karlinchen-Projekt“ des Luise-Henriette-Gymnasiums Oranienburg (Brandenburg), ein Partnerschaftsprogramm zu Flüchtlingskindern, sowie das Projekt „Weltoffen und bunt – Wir zeigen Flagge gegen demokratiefeindliche Strömungen“ der Städtischen Realschule Waltrop (Nordrhein-Westfalen). Im abschließenden Podiumsgespräch – moderiert von der Journalistin Blanka Weber – sprachen Schülerinnen und Schüler mit Henriette Reker und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger über den Zustand der Demokratie, Migration, aktuelle Politik und das Schulsystem.

Lernstatt Demokratie 2016

Bei der Lernstatt Demokratie präsentierten 200 Schülerinnen und Schüler Projekte zur Demokratieförderung, die sich durch besonderes Engagement und Lernqualität auszeichnen. Sie haben die Möglichkeit, ihre Erfahrungen auszutauschen und neue Ideen für gelebtes bürgerschaftliches Engagement zu diskutieren und zu entwickeln. Trotz des durchwachsenen Wetters hatten die Schülerinnen und Schüler, die an der 26. Lernstatt Demokratie teilnahmen, viel Freude an den vier Tagen in der Akademie. Neben dem Comedy-Programm mit Öczan Cosar, Stadtspaziergängen und den Gesprächen mit Politikern wurden auch jede Menge Workshops angeboten – unter anderem zu den Themen „Demokratie in sozialen Netzwerken“, „Filme und Ihre Wirkung“ sowie „Schule im Spannungsfeld gesellschaftlicher Gegensätze“. Eine Präsentation der Ergebnisse aus den Workshops mit samt Urkundenvergabe an die Teilnehmer rundete eine rundum gelungene Veranstaltung ab.

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Bildergalerie

Flickr-Galerie © Akademie für Politische Bildung Tutzing


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