500 Jahre Utopia - Was war, was bleibt?
Akademie-Kurzanalyse 1/2016
Tutzing / Publikation / Online seit: 30.11.2016
Von: Thomas Schölderle
Morus, der später noch englischer Lordkanzler werden sollte, prägte mit seinem Werk nicht nur einen neuen Schlüsselbegriff politischen Denkens, sondern schuf auch das Musterbild einer ganzen Literaturgattung, die den Buchtitel sinnigerweise sogleich als Name für sich nutzte. Irgendwann machte sich das Wort dann selbstständig. Im 19. Jahrhundert diente es als Kampfbegriff, als böser Vorwurf an die Adresse des ideologischen Feindes – und zwar in allen politischen Lagern. Später beherbergte die Bezeichnung so unterschiedliche Phänomene wie totalitäre Gewaltdiktaturen und Orwells 1984, religiöse Heilserwartungen und Science Fiction, Raum-und Zeitprojektionen, Idealstaaten, elysische Felder und neurowissenschaftliche Visionen. Der Traum von einer besseren Welt ist so alt wie Menschheit. Auch Utopien sind Teil dieser Sehnsucht. Wie die besseren Welten aussehen, darüber wird der Streit nach 500 Jahren kaum enden. Aber seit 500 Jahren besitzt das Nirgendwo zumindest einen Platz auf der Landkarte.
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Dr. Thomas Schölderle
Tel: 08158 / 256-61
t.schoelderle@apb-tutzing.de
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