Der Islam auf dem Balkan

55. Internationale Hochschulwoche in Zusammenarbeit mit der Südosteuropa-Gesellschaft

Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 05.10.2016

Von: Dominik Kühl

Foto: Foto: Djumaya-Moschee Bulgarien, CharlesFred via VisualHunt.com / CC BY-NC-SA

# Religion, Sicherheitspolitik und Terrorismus

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In Südosteuropa prägt der Islam seit Jahrhunderten die Geschichte. Auf dem Balkan leben heute etwa 8,5 Millionen Muslime mit unterschiedlicher Sprache und Herkunft. Auch sozial, wirtschaftlich und politisch unterscheiden sie sich stark voneinander, nicht zuletzt nach dem Zerfall der kommunistischen Systeme. Religiöse Freiheiten, Nachwachsen neuer Generationen sowie der Anschluss an die internationale islamische Szene haben zu einer weitgehenden Pluralisierung geführt.


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Flickr-Galerie © Akademie für Politische Bildung Tutzing

Wie setzen sich jüngere Muslime mit religiösem Wissen, religiöser Autorität und der Politik auseinander? Welche Rolle spielt der Islam im gesellschaftlichen und politischen Leben in den südosteuropäischen Staaten? Welche Akteure und Gruppen sind beteiligt an der Neuausrichtung der islamischen Traditionen? Wo liegen die Unterschiede zu muslimischen Gemeinschaften in Westeuropa, wo die Gemeinsamkeiten? Die 55. Internationale Hochschulwoche an der Akademie trug dazu bei, derartige Prozesse darzustellen und zu analysieren.

Unsere Direktorin Ursula Münch eröffnete die Hochschulwoche zusammen mit dem Präsident der Südosteuropa-Gesellschaft, dem Bundestagsabgeordneten Gernot Erler, zugleich Russland-Beauftragter der Bundesregierung. Mit Blick auf den islamisch geprägten Terrorismus erinnerte Jordanka Telbizova-Sack an Anschläge, die radikale Islamisten vom Balkan ausgeführt hatten, und betonte: Radikalisierung und das Rezipieren von islamistischer Propaganda hängt besonders vom sozialen Umfeld ab. Die mittlerweile in westlichen Gesellschaften vorhandene „Anti-Islamstimmung“ sei jedoch ein Produkt von Unwissenheit. Armina Omerika schloss sich dem an: „Der Islam“ sei inzwischen ein Begriff – und eine Wertung. Dabei gebe es nicht „diesen einen Islam“, der sei vielfältig, heterogen, bunt.

Xhabir Hamiti referierte über die Islamische Gemeinschaft im Kosovo. Nach seiner Ansicht dürfe der Islam auf keinen Fall die Freiheiten anderer berühren, seiner gewaltbereiten Ausübung müsse Einhalt geboten werden. „Ich glaube, dass unsere Gesellschaften dem Radikalismus und Extremismus nicht erlauben wird, ein Teil der Religion und der Zukunft unserer Kinder zu werden“, betonte er. Jordanka Telbizova-Sack blickte auf Bulgarien und fragte, wie dort mit radikalem Islam umzugehen sei.

Kerem Öktem schätzte die aktuelle Lage in der Türkei denkbar kritisch ein: keine realistische Hoffnung, noch der Europäischen Union beizutreten, am Beginn einer enormen wirtschaftliche Krise, ein nicht mehr bestehender Rechtsstaat, facto eine abgeschaffte Demokratie. Raoul Motika erläuterte die türkische Religionspolitik: Der Islam sei eine mächtige Ressource in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Die regierende AKP habe einen fundamentalen Wandel hin zu einem Staat durchgeführt, in dem der Islam eine zentrale öffentliche Rolle spiele – und das in einem einstmals säkularisierten Staat.

Das komplette Programm der Internationalen Hochschulwoche finden Sie hier.


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