Leben auf der Flucht

Fotoausstellung im Foyer des Auditoriums / Initiatoren Mirco Keilberth und Oliver Rolofs kamen zur Vernissage

Tutzing / Kultur / Online seit: 21.10.2016

Von: Sebastian Haas

Foto: Ausstellung 'Leben auf der Flucht' (Mirco Keilberth)

# EU-Außenpolitik / Arabische-Welt / Kultur / Migration

Jeden Oktober wieder: Die Akademie beteiligt sich auch dieses Jahr an der Tutzinger Kulturnacht, der 13. in der Gemeinde am Starnberger See. Passend zum Veranstaltungsthema "Kultur aus aller Welt" haben wir uns dafür entschieden, die Schicksale von Menschen aus aller Welt zu thematisieren: die Fotoausstellung "Leben auf der Flucht" wird bis zum 23. Dezember bei uns im Haus zu sehen sein.


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Flickr-Galerie © Akademie für Politische Bildung Tutzing

Erläuterungen zur Ausstellung kamen bei der Vernissage von Mirco Keilberth, der als Nordafrika-Korrespondent für verschiedene deutsche Medien arbeitet, und Oliver Rolofs, dem Pressesprecher der Münchner Sicherheitskonferenz. Sie beide haben das Projekt „Leben auf der Flucht“ initiiert und kuratiert. Eigentlich ist es ein Multimedia-Projekt - aber auch die in der Akademie ausgestellten Fotos erzählen eindrücklich Geschichten von Menschen im Strudel weltweiter Migrationsbewegungen: engagierte Bürger, Grenzpolizisten, Schleuser und Flüchtlinge auf dem Weg in ein vermeintlich besseres Leben. Sie alle sehen Nordafrika als Teil der mediterranen Welt und orientieren sich daher nach Europa.

Staatszerfall, Menschenhandel, Prostitution

Mirco Keilberth beschrieb ausführlich die Situation in Libyen, wo nach dem Arabischen Frühling von 2011, dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi und einer kurzen Periode des vermeintlichen Parlamentarismus der Staat inzwischen vollständig zerfallen ist. Dieses Machtvakuum nutzen Milizen und Kriminelle, um mit Menschenschmuggel und Menschenhandel sehr viel Geld zu verdienen. "Die Fluchtrouten reichen inzwischen von Mali, Nigeria und der Elfenbeinküste über Libyen und Sizilien bis in kleine Gemeinden in Deutschland", erläuterte Keilberth. Im Schlepptau derer, die von den NATO-Patrouillen auf dem Mittelmeer aufgegriffen werden, kommen vermehrt minderjährige afrikanische Frauen nach Europa und werden als Prostituierte verkauft.

Und auch Oliver Rolofs forderte praktisch alle Europäer - und vor allem die europäischen Staatsregierungen - auf, ihren Umgang mit den Krisenregionen im Nahen Osten und Nordafrika zu überdenken:

Unsere Ausstellung bilanziert schonungslos das Scheitern Europas. Nichthandeln ist keine Option mehr. Oliver Rolofs, Sprecher der Münchner Sicherheitskonferenz.

Mehr zu den Initiatoren der Ausstellung

Mirco Keilberth ist Nordafrika-Korrespondent für verschiedene deutsche Medien. Seit 2011 liegt sein Fokus auf Libyen und Tunesien – Staaten in unmittelbarer Nachbarschaft Europas, die von Migration und Extremismus besonders betroffen sind. Mirco Keilberth bereiste mehrmals die Schmugglerrouten in der Sahara und traf Waffen- und Menschenhändler am Salavador-Pass im Dreiländereck Algerien, Libyen und dem Niger. Keilberth ist der Überzeugung, dass sich Europa mit den neu entstandenen lokalen Strukturen in den „entstaatlichten“ Staaten wie Libyen und dem Niger auseinandersetzen muss. Für den Arte-Film „Flucht nach Europa“ war er für den Grimme Preis nominiert.

Oliver Joachim Rolofs ist Pressesprecher und Leiter Kommunikation der Münchner Sicherheitskonferenz sowie freiberuflicher Kommunikationsberater. Als außen- und sicherheitspolitischer Experte bereist er Krisenregionen, um mögliche Lösungswege zur Krisen- und Konfliktprävention zu ermitteln. Er bereiste ebenfalls mehrmals die Balkan- und Mittelmeerfluchtroute. Wenn Europa künftig nicht zum Spielball von Instabilitätsfaktoren, Schleppern und Terroristen werden will, muss es nach Rolofs Überzeugung viel stärker als bislang mit einer vorausschauenden Fluchtursachenbekämpfung weit vor den EU-Außengrenzen beschäftigen.


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