Asien-Akademie

Kunstraub und Kulturzerstörung entlang der Seidenstraße

Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 29.11.2016

Von: Julia Haas

Foto: von Abraham Cresques [Public domain], via Wikimedia Commons

# Asien / China

Karawanen, kostbare Stoffe und orientalische Gewürze – die Seidenstraße als älteste Handelsroute der Welt fasziniert viele Menschen. Doch prägten und prägen auch Kunstraub und Kulturzerstörung das Bild des Wegnetzes, das ursprünglich Asien mit Europa verbinden sollte.


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Flickr-Galerie © Akademie für Politische Bildung Tutzing

Wir haben renommierte Expertinnen und Experten an der Akademie für Politische Bildung zusammengebracht, um einen Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der arabischen und persischen Welt, als Schlüsselregionen der Seidenstraße, zu werfen.

„Kunstraub verhindert die Aufarbeitung der Geschichte“

Der Niedergang des mittelalterlichen Zentralasiens wird nicht selten in einem Atemzug mit der Invasion der Europäer genannt: Sind die in den Fernen Osten vordringenden europäischen Werte, Gesellschaftsformen und Kulturen also der Zerstörer asiatischer Traditionen? Völlig abweisen könne man dieser Argumentation nicht, zweifellos zustimmen jedoch auch nicht, so Professorin Claudia Derichs von der Philipps-Universität Marburg. Neben dem europäischen Einfluss dürften die internen Kräfte und Konflikte nicht außer Acht gelassen werden. Um die Vergangenheit erklären zu können, müsse jedoch zuerst die gegenwärtige Problematik des Kunstraubes aufgearbeitet werden: Aufschluss über die Geschichte Asiens könnten die auf dem Weltmarkt illegal gehandelte Kunstschätze geben.

Wie Käufer von geraubten Kunstgütern den Terrorismus unterstützen

„Schön wird der Vortrag nicht.“, so Dr. Michael Müller-Karpes einleitenden Worte. Bilder der Zerstörung und Verwüstung führten das Ausmaß perfider und bestialischer Plünderer in Syrien und im  Irak vor Augen. Krieg und Chaos seien die idealen Nährböden für diese Raubzüge und füllten gleichzeitig die Kriegskasse. Denn es gebe sie, die Käufer, die bereit sind, nicht nach der Herkunft eines Kunstgutes zu fragen und horrende Summen dafür zu zahlen. Dieses Netzwerk von Plünderern und Schmugglern könne man nur durch einen Stopp des Geldflusses auflösen, so Müller-Karpe vom Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz. Er ist sich sicher:

„Ohne einen Markt für Plünderung gibt es auch keine Plünderungen.“ Dr. Michael Müller-Karpe, Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz

„One Belt, One Road“ – Chinas neues Seidenstraßenkonzept

Neben Kunstraub und Kulturzerstörung stand Chinas Wirtschaftsstrategie, mit der das Land auf Altbewährtes und neuste Erfindungen setzen will, im Fokus; eine Strategie, die vor allem in den USA und Europa Ängste schürt. Nicht selten malt sich der Westen das Bedrohungsszenario eines nach der Weltherrschaft greifenden Chinas aus, welches sich zum Ziel setzt, die westliche freie Marktwirtschaft zu zerstören. „Ganz so schwarz, möchte ich das Bild von der chinesischen Wirtschaft nicht zeichnen.“, erklärte Professorin Nele Noesselt von der Universität Duisburg-Essen. Sie betonte Chinas Bemühungen, dieses Szenario zu entkräften, und zeigte, dass die dortigen Standards immer mehr den internationalen angeglichen werden. Die negativen ökologischen und sozialen Begleiterscheinungen des Turbowachstums, auf das China noch vor kurzem setzte, bewirkten ein Umdenken zum nachhaltigen Wirtschaften, so Noesselt. 


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