Zurück in die Wüste

Volker Benkert kehrt nach Arizona zurück / Michael Mayer kommt wieder

Tutzing / Aus der Akademie / Online seit: 07.07.2015

Von: Liza Soutschek

Nach einem halben Jahr am See geht es für Volker Benkert jetzt zurück in die Wüste.

„Ein halbes Jahr ist eine kurze Zeit. Vor allem, wenn man sie an einem so schönen Ort wie dem Starnberger See verbringt“, stellte Volker Benkert bei seiner Verabschiedung von der Akademie fest. Für sechs Monate verstärkte der in den USA lebende Geschichtswissenschaftler das Kollegium in Tutzing. Zu Beginn des Jahres hatten er und der APB-Historiker Michael Mayer kurzerhand ihre Arbeitsstellen getauscht: Mayer ging vom See in die Wüste, nach Phoenix an die Arizona State University. Benkert kam aus der Wüste an den See, an die Akademie für Politische Bildung in Tutzing. Nun hieß es allerdings wieder Abschied nehmen. Im Gespräch zog Volker Benkert eine Bilanz seines Aufenthalts in Deutschland.

Ein halbes Jahr voller spannender Projekte

Für ihn sei der Austausch eine intensive und prägende Erfahrung gewesen, meinte Benkert. Die Zeit sei auch deswegen so schnell vergangen, weil ihn in Tutzing viele interessante Aufgaben erwartet hätten. Während des halben Jahres seines Besuches verfolgte der Zeithistoriker mehrere Projekte an der Akademie. Zwei davon lagen ihm besonders am Herzen: Zum einen die Tagung „Unsere Väter, unsere Mütter“, die sich deutschen Generationen im 20. Jahrhundert widmete. „Das ist einfach mein Steckenpferd“, gab Benkert zu, der sich auch in seiner Promotion mit dem Thema beschäftigt. Positiv in Erinnerung bleibe ihm aber auch die Tagung „Feinde, Freunde, Fremde?“, bei der es um deutsche Perspektiven auf die USA ging. Hier konnte Benkert seine Erfahrungen als ein in den Vereinigten Staaten lebender Deutscher, der sich beiden Seiten verbunden fühlt, in besonderer Weise einbringen.

See und Wüste – beides schön

Besonders beeindruckt hat Benkert an der Akademie die Möglichkeit zur interdisziplinären Zusammenarbeit. Tür an Tür mit Politikwissenschaftlern, Juristen, Ökonomen und Experten auf anderen Gebieten zu arbeiten, sei ungemein bereichernd gewesen, erklärte Benkert. Die Akademie versammle ein beachtliches Fachwissen unter einem Dach, die zu Veranstaltungen eingeladenen Vortragenden – meist Koryphäen auf ihrem Gebiet – noch gar nicht mitgezählt. Außerdem betonte der Geschichtswissenschaftler wie gut es gelinge, diese Expertise an verschiedenste Zielgruppen zu vermitteln – eine der Besonderheiten der Akademie für Politische Bildung.

Dennoch freut sich Benkert auch schon wieder darauf, nach Phoenix und an die Arizona State University zurückzukehren. Der 43jährige lehrt und forscht dort am Fachbereich Geschichte. Zwar wartet in den USA bereits viel Arbeit auf ihn, da er vor kurzem zum Director of Undergraduate Studies befördert wurde. Der Kontakt zu den Studierenden mache dies jedoch mehr als wett, betont Benkert. „Außerdem ist es natürlich schön, wenn man nach einem halben Jahr im Ausland auch einmal wieder die eigenen vier Wände um sich hat und im eigenen Bett schlafen kann“.

Fazit: Vorteile für alle Seiten

Alles in allem sei der Austausch für ihn sehr bereichernd gewesen, fasste Benkert zum Abschluss zusammen: Er habe dadurch nicht nur die Möglichkeit erhalten, den Anschluss zur deutschen Forschungswelt zu behalten und neue Kontakte zu knüpfen, sondern auch viele Erfahrungen dazugewinnen können. Dankbar sei er insbesondere für die enge Zusammenarbeit mit den Kollegen an der Akademie und die herzliche Aufnahme: Sowohl er als auch seine Familie, die ihn nach Deutschland begleitete, hätten den halbjährigen Gastaufenthalt sehr genossen.

Auch für die Akademie könnte der Wechsel auf Zeit positive Effekte gebracht haben, hofft der Zeithistoriker: „Der Blick von außen ermöglicht oft andere Sichtweisen auf vertraute Aspekte.“ Dadurch sei es möglich, sowohl die Vorzüge von Bewährtem neu schätzen zu lernen als auch gemeinsam innovative Ideen zu entwickeln. Eine Bewertung, die die Direktorin der Akademie, Professorin Ursula Münch, in ihrer Abschiedsrede explizit bestätigte.

Welche Erfahrungen Michael Mayer in Arizona gemacht hat, wird sich zeigen, wenn er ab Ende Juli wieder in Tutzing ist. Viel Zeit zum Eingewöhnen bleibt ihm allerdings nicht: Nach seiner Rückkehr wird er sich sofort um die Leitung der Tagung „Realität und Fiktion: Verfilmte Zeitgeschichte(n)“ kümmern.


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