Zwischen Bescheidenheit und Risiko

Konzeptionen zum ehrbaren Kaufmann aus verschiedenen kulturellen Perspektiven

Tutzing / Tagungsbericht / Online seit: 01.10.2014

Von: Barbara Freymüller

# Ethik, Wirtschaft

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Die Teilnehmer der Tagung "Der ehrbare Kaufmann zwischen Bescheidenheit und Risiko".

Wie sieht heutzutage das Ideal des ehrbaren Kaufmanns aus? Inwiefern hat sich das traditionelle Leitbild durch Wirtschafts- und Finanzkrise geändert? Zum Thema "Der ehrbare Kaufmann zwischen Bescheidenheit und Risiko" fand eine Tagung an der Akademie für Politische Bildung Tutzing in Kooperation mit dem Peter-Löscher-Stiftungslehrstuhl für Wirtschaftsethik an der TU München und dem Romanischen Seminar der Westfälischen-Universität Münster statt.

Da die Referenten und Teilnehmer aus verschiedenen Kulturkreisen stammen, bildete ein Vergleich der unterschiedlichen Konzeptionen des ehrbaren Kaufmanns den Schwerpunkt der Tagung. Das Ideal des ehrbaren Kaufmanns hat eine lange Tradition: Ehrlichkeit und Verlässlichkeit wurden den Kaufleuten seit dem Mittelalter gelehrt. Das Leitbild rückte das Vertrauen in die Integrität des Handelspartner in das Zentrum. Im 15. Jahrhundert gelangten die Kaufleute zu mehr Einfluss und übernahmen auch Verantwortung für ihre Heimat. Durch die Industrialisierung wurden die Tugenden des ehrbaren Kaufmanns relativiert. Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise setzte nun erneut eine intensive Diskussion ein.

Viele Tagungsbeiträge befassten sich mit Ehrbarkeit und ökonomischem Handeln in Literatur und Theater. Christian von Tschilschke (Siegen) porträtierte den Kaufmann in Nikolaj V. Gogols Roman "Die toten Seelen" (1842) als dubiosen Geschäftsmann mit ausgrepägtem Geschäftssinn und amoralischen, unheimlichen Eigenschaften. Dabei zog er eine Parallele zwischen dem Roman des 19. Jahrhunderts und der Finanzkrise der Gegenwart, da sich beide durch die Klage über unersättliche Gier als auch zu kontrollierende Mechanismen auszeichneten.

Außerdem erfolgte ein Streifzug über das Bild des Kaufmanns in der spanischen Geschichte, in oberdeutschen Familiengesellschaften des 15. und 16. Jahrhunderts sowie in hanseatischer Tradition und globaler Perspektive (Detlef Aufderheide). Mechthild Isenmann griff dazu die oberdeutschen Städte Nürnberg und Augsburg heraus. In der Frühen Neuzeit versuchten gerade dort die Kaufleute, das Streben nach ökonomischem Erfolg und Idealvorstellungen wie Ehre, Freundschaft, Frieden mit der Realität in Einklang zu bringen.

Einen Kontrast bildete der Referent Shan Chun aus Peking mit seinem Thema "Business Ethics in Honesty as Social Assets in Confucianism". Die westliche Sicht beschrieb Jacob Dahl Rendtorff aus Kopenhagen, der skandinavische Pespektiven des ehrbaren Kaufmanns vorstellte; der "business man" steht demzufolge eng mit dem Konzept der Integrität in Verbindung. In Skandinavien spielen dabei Transparenz, soziale Solidarität, Nachhaltigkeit sowie die protestantische Ethik eine wichtige Rolle. Verhandlungen, Selbstregulierung und Zurückhaltung bei der Verkündung von Erfolgen seien wichtige Schlagworte dieser Auffassung. Rendthoff betonte, dass sich ein ehrbarer business man heutzutage durch eine "corporate social responsibility" definiere, also durch eine unternehmerische Gesellschaftsverantwortung.


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