Laura Martena, M.A.

Ethische und Theoretische Grundlagen der Politik


Laura Martena, M.A.

© Akademie für Politische Bildung Tutzing

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Zur Person +

Um herauszufinden, ob man philosophieren muss oder nicht, muss man philosophieren. Mit diesem Argument versucht Aristoteles die Leserinnen und Leser seines Protreptikos für die Philosophie zu gewinnen und in sie zu verwickeln.

Wenn auch mir das mit Teilnehmenden meiner Veranstaltungen an der Akademie für Politische Bildung gelänge, hätte ich eines meiner Anliegen erreicht. Dabei verstehe ich Philosophie nicht primär als Summe von Lehrmeinungen, die man sich ins Schulheft schreiben kann. Seit ihren Anfängen war und ist sie immer auch eine Praxis der Bildung und Selbstbildung und eine Schule des vernünftigen Denkens. Sie deckt unsere Vorurteile auf und stellt sie in Frage, indem sie Voraussetzungen problematisiert, von denen wir ausgehen, auf die wir aber nicht aufmerksam sind. Sie durchdenkt diese Voraussetzungen auf ihre Begründung und Begründbarkeit. Und sie ermöglicht uns so ein Verständnis dessen, was bis dahin selbstverständlich schien, aber gerade deshalb unverstanden blieb.

Weil mir das für jeden Einzelnen von uns wie auch für die Gesellschaft im Ganzen von Belang zu sein scheint, gehört sie aus meiner Sicht nicht nur in den Elfenbeinturm, sondern in eine breitere Öffentlichkeit - nicht als Verkündung ewiger Weisheiten oder als Philotainment, sondern als ein gemeinsames, sachorientiertes und kritisches Durchdenken dieser Voraussetzungen.

Aristoteles begann seine Studien als Schüler Platons. In dessen Schule in Athen, am Hain des Akademos, praktizierte der eine so verstandene Philosophie im Medium des Dialogs. Heute scheint es nicht allzu viele Orte dafür zu geben. Die Akademie für Politische Bildung ist einer davon. Auch deshalb habe ich die Gelegenheit so gern ergriffen, von der Universität Göttingen an den Starnberger See zu kommen.

Zugleich sind damit einige der Fragen aufgeworfen, die mich in den vergangenen Jahren in Forschung und Lehre begleitet haben: Was ist das genauer, eine Philosophin, und wie wird man dazu? Worin unterscheidet sich Bildung von Ausbildung, Einbildung, Scheinbildung? Warum sollten wir überhaupt vernünftig sein (wollen), und was sind Ursachen dafür, dass uns das im öffentlichen Diskurs derzeit so wenig zu gelingen scheint? Und wie könnten wir uns diesem Ideal auch unter gegenwärtigen Bedingungen nähern?

An der Akademie möchte ich diesen und damit verbundenen Fragen weiter nachgehen - auch und vor allem im Dialog.

Vita +

Mein Studium der Philosophie und Erziehungswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum habe ich 2016 abgeschlossen.

Nach meinem Abschluss war ich zunächst in einem DFG-Projekt an der FernUniversität in Hagen und an der Ruhr-Universität Bochum tätig. Ab 2017 war ich Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Philosophischen Seminar der Universität zu Köln. Dort war ich auch Mitglied der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne.

Daneben war ich Lehrbeauftragte am Institut für Erziehungswissenschaft und am Institut für Philosophie I der Universität Bochum sowie am Zentrum für Wissenschaftstheorie der Universität Münster.

2019 wechselte ich als Wissenschaftliche Mitarbeiterin ans Philosophische Seminar der Georg-August-Universität Göttingen. Dort habe ich vor allem im Bereich der Bildungsphilosophie und der Philosophie- und Ethikdidaktik geforscht und Lehrveranstaltungen in der praktischen Philosophie, der theoretischen Philosophie und der Philosophiegeschichte angeboten.

Seit 2022 bin ich Wissenschaftliche Assistentin für theoretische und ethische Grundlagen der Politik an der Akademie für Politische Bildung.

Ich bin Mitglied des Bayerischen Promotionskollegs Politische Theorie und des DFG-geförderten wissenschaftlichen Netzwerks "Argumentieren in der Schule" sowie Co-Leiterin der AG Hochschuldidaktik in der Gesellschaft für Didaktik der Philosophie und Ethik e. V. (GPED). Dort war ich bis 2022 auch Mitglied des erweiterten Vorstandes.

In Kooperation mit dem Alfred-Krupp Schülerlabor habe ich wissenschaftspropädeutische Schülerprojekte konzipiert und geleitet. Für philovernetzt.de habe ich Bausteine für den Philosophie- und Ethikunterricht mitentwickelt.

Meine Schwerpunkte sind die Praktische Philosophie, insbesondere die Bildungs- und Sozialphilosophie, die Politische Theorie und die Didaktik der Philosophie und Ethik. Ich interessiere mich für die Philosophie- und Ideengeschichte in ihrer ganzen Breite mit einem Schwerpunkt auf der griechischen Antike, einschließlich ihrer Rezeption, und philosophischen Strömungen des 20. Jahrhunderts.

In der Arbeit an meiner Dissertation zu philosophischer Bildung im platonischen Dialog verbinden sich einige dieser Interessen.

Publikationen +

Herausgeberschaften

Denken ohne fachliches Geländer? Ethik-Unterricht zwischen den Disziplinen (in Vorbereitung) (mit Anne Burkard).

Philosophie als transformative Praxis. Historische und systematische Perspektiven (in Vorbereitung) (mit Anne Clausen und Jörg Volbers).

Anspruch und Methode der Philosophie. Stimmen aus der Gegenwart (= Studien zur Anthropologie und Phänomenologie Bd. 2, hrssg. von Thiemo Breyer). Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2022 (mit Niklas Grouls).

Was Liebe vermag. Philosophische Liebesdiskurse in der Antike. Stuttgart: Metzler 2022 (mit Sarah Al-Taher und Vanessa Jansche).

Aufsätze und kleine Beiträge (Auswahl)

Der Weg in die Philosophie. Sokratische Dialektik als Bildungspraxis am Beispiel des Menon, in: Bettina Fröhlich/ Hendrik Hansen/ Raul Heimann (Hrsg.): Platonisches Denken heute. Festschrift für Barbara Zehnpfennig. Baden-Baden: Nomos 2021, S. 123-146.

Teachable Moments? Über das Lehren der Philosophie an der Hochschule, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 68 (2020), H. 5, S. 793-801 (mit Falk Bormüller).

Thinking Inside the Box. Concerns about Trolley Problems in the Ethics Classroom, in: Teaching Philosophy 41 (2018), H. 4, S. 381-407.

Zur Bedeutung von Präkonzepten im Philosophieunterricht: Theoretische Perspektiven und Möglichkeiten empirischer Forschung, in: Markus Tiedemann (Hrsg.): Werte und Wertevermittlung (= Jahrbuch für Didaktik der Philosophie und Ethik Bd. 18). Dresden: Thelem 2018, S. 9-28 (mit Anne Burkard).

Die Erforschung von Schülervorstellungen im Philosophieunterricht: Eine programmatische Skizze, in: Zeitschrift für Didaktik der Philosophie und Ethik 3/2018, S. 23-28 (mit Anne Burkard).

Vorträge (Auswahl)

Was weiß Sokrates? Eine sokratisch-platonische Perspektive auf das Wesen, den Erwerb und die Weitergabe philosophischen Wissens, 1. Jahrestagung der GPED zum Thema "Wissen und Können im Philosophieunterricht", TU Dortmund, 03/2023 (in Vorbereitung).

Ein Mittel gegen Lebensferne und Beliebigkeit? Zur Problematik ethischer Fallanalysen, Tagung "Philosophisch-didaktische Grenzgänge 4: Fallanalysen - zwischen moralphilosophischer Theoriebildung und Kasuistik", PH Heidelberg, 05/2022.

Philosophische Bildung 'to go'? Über die Vermittlung der Philosophie in populären Medien, Philosophisches Kolloquium/ Kolloquium für Didaktik der Philosophie und Praktische Philosophie, Universität Göttingen, 07/2021.

Anders oder besser werden? Zur Aktualität der sokratisch-platonischen Konzeption ethischer Bildung, Tagung "Philosophie – Bildung – Didaktik", PH Heidelberg, 06/2021.

Stranger than Fiction? Gedankenexperimente, literarische Fiktionen und moralisches Urteilen, Tagung für Praktische Philosophie, Panel "Gedankenexperimente in der Ethik", Universität Salzburg, 10/2020 (mit Falk Bornmüller).

Trolleys, Transplantate und tickende Bomben: Zur Kritik imaginärer Szenarien in der Moralphilosophie und im Ethikunterricht, Workshop für Philosophie-und Ethikdidaktik, Universität Wuppertal, 07/2019.

Worüber sich (nicht) streiten lässt. Fundamentale Überzeugungen und philosophische Bildung, Workshop für Didaktik der Philosophie, Universität zu Köln, 04/2019 (mit Carsten Roeger).

'Umwendung der ganzen Seele'. Der Vollzug philosophischer Bildung in Platons Politeia, 2. Workshop des AK für Nachwuchswissenschaftlerinnen der GANPH, HU Berlin, 07/2017.

Der platonische Dialog als Paideia. Zum anamnetischen Aspekt philosophischer Bildung in Platons Menon, 3. Workshop des AK Philosophische Anthropologie in der Antike zum Thema "Paideia - Formung des Menschen?", FU Berlin, 05/2017.


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