Geschichte des Anwesens "Haus Buchensee"

Von der Klenzevilla zur Bildungsstätte

Als die Akademie für Politische Bildung am 1. Oktober 1958 offiziell ihre Arbeit in dem seit 1938 im Eigentum der Landesversicherungsanstalt (LVA) Oberbayern stehenden Anwesen "Haus Buchensee" in Tutzing aufnahm, war dieses bereits mehreren Eigentümerwechseln und Nutzungsänderungen unterworfen gewesen. Ursprünglich hatte im Jahre 1861 vermutlich Hippolyt von Klenze (1814-1888), Sohn des königlich-bayerischen Baumeisters Leo von Klenze (1784-1864), das Parkgrundstück am See erworben, um sich darauf im klassizistischen Stil ein Haus zu errichten. Andere Quellen führen Leo von Klenze als ursprünglichen Grundstückseigentümer an. Anzunehmen ist, dass das Hauptgebäude der in den Jahren 1864/65 neu erbauten "Villa Buchensee" auf einen Entwurf Leo von Klenzes zurückgeht und der Park eine Schöpfung des Gartenarchitekten Carl von Effner (1831-1884) ist.

Die LVA Oberbayern als neue Eigentümerin beabsichtigte zunächst, das großzügige Anwesen zu einer Erholungsstätte für köperbehinderte und entwicklungsgehemmte Jugendliche auszubauen, wie es sie bereits vereinzelt bei anderen deutschen Landesversicherungsanstalten gab. Die notwendigen Umbauarbeiten der für 70 Pfleglinge projektierten Einrichtung verzögerten sich kriegsbedingt bis weit ins Jahr 1942 hinein. Nach der Beschlagnahmung durch die deutsche Wehrmacht im September 1942 wurde in den vorhandenen Räumlichkeiten ein Reservelazarett eingerichtet. Die Gemeinde Tutzing belegte das Haus nach der Auflösung des Lazaretts und anschließender Plünderung im Juni 1945 mit Evakuierten. Im November 1945 musste das Anwesen kurzfristig der amerikanischen Armee überlassen werden, von der es im Juli 1946 als Notunterkunft zur Unterbringung von Ausquartierten und Flüchtlingen freigegeben wurde. Im Anschluss nutzte es der Kreisfürsorgeverband Starnberg bis zur Fertigstellung eigener neuer Räumlichkeiten im nahe gelegenen Schloss Thurn und Taxis in Garatshausen als Altersheim.

Sozialpolitische Schule der LVA

Erst ab September 1952 konnte die LVA Oberbayern wieder frei über ihren Tutzinger Besitz verfügen. Deren damaliger Direktor Max Peschel betrieb mit aller Vehemenz die Planungen für den zügigen Ausbau des Anwesens "Haus Buchensee" zu einer zeitgemäßen Schule mit angeschlossenem Internat für die Ausbildung von Bediensteten der unterschiedlichen Sozialversicherungsträger. 1952/53 hatte die LVA binnen kürzester Zeit für ihren Schulbetrieb einen zweigeschossigen Neubau realisiert, der sich in Flachbauweise dem ehedem klassizistischen Klenze-Hauptbau, der sogenannten "Klenzevilla", anschließt und mit dieser durch geschlossene Arkaden verbunden ist. Das Obergeschoss des Neubaus umfasste einen Kongresssaal mit rund 100 Plätzen, die Bibliothek und ein Lesezimmer. Im Untergeschoss waren ein Gymnastiksaal und Bäder untergebracht. Weitere vier Lehrsäle für je etwa 25 bis 40 Schüler folgen in wie an einer Perlenkette aufgereihte Pavillons nach Süden hin. Das Bauvorhaben war nur unter der Auflage genehmigt worden, dass "der auf dem Ostrand des Grundstücks befindliche, als Seeuferweg benutzte Weg [...] zur Erhaltung der öffentlichen Zugänglichkeit der Seeufer in einer Breite von 2,70 m an die Gemeinde Tutzing abzutreten" sei.

In der "Klenzevilla" waren zur Unterbringung der Teilnehmer hauptsächlich Mehrbettzimmer eingerichtet worden. Zur Seeseite hin hatte man den ursprünglichen Baukörper um einen großen Speisesaal erweitert. Am 11. April 1953 fand der offizielle Besichtigungstermin in der neuen Sozialpolitischen Schule der Landesversicherungsanstalt in Tutzing statt. Sie stieß von Beginn an auf hohen Zuspruch. So waren 1954 insgesamt 2199 Personen mit 16.116 Verpflegungstagen Gäste der Sozialpolitischen Schule in Tutzing. Bis zu ihrer Schließung im Herbst 1957 erfuhren die Zahlen weitere Steigerungen.

Akademie nimmt Arbeit auf

Mit gewisser Verzögerung konnte Anfang Oktober 1958 die frisch gegründete Akademie für Politische Bildung ihre Arbeit in dem seit September 1957 vom Bayerischen Finanzministerium angemieteten Anwesen aufnehmen. Mit der Fuge a-Moll aus dem "Wohltemperierten Klavier" von Johann Sebastian Bach begann am 6. November 1958 die erste reguläre Tagung der Akademie. Unter dem Titel "Die Akademie für Politische Bildung - Ziele, Aufgaben, Methoden" führte sie mögliche zukünftige Akademiemitarbeiter zu einer dreitägigen Konferenz in Tutzing zusammen.

Bereits nach verhältnismäßig kurzer Zeit wurde der Akademieleitung offenbar, dass die übernommenen Räumlichkeiten mancherlei Renovierungsbedarf aufwiesen. So führte beispielsweise an einer umfassenden Sanierung des Dachstuhls im Klenzebau kein Weg vorbei. Die entsprechenden Arbeiten wurden im August 1963 in Angriff genommen, brachten jedoch viele unangenehme Überraschungen mit sich. Der Bericht von Gründungsdirektor Felix Messerschmid an die Mitglieder des Akademiekuratoriums vom 23. September 1963 offenbart das wahre Ausmaß des im Verlauf der Bauarbeiten eingetretenen Schreckens:

"Die ersten vier Wochen waren dazu angetan, uns trübsinnig zu machen. Es regnete unaufhörlich, das Wasser lief bis ins Parterre hinunter; die wenigen Dachplanen, die wir auftrieben, reichten nicht; die Terminzusagen, auf denen unsere Planung beruhte, werden nicht eingehalten; die Zusammenarbeit mit den beteiligten Firmen läßt zu wünschen übrig; der Architekt der LVA sitzt in München und ist nur durch die dringendsten telefonischen Hilferufe dazu zu bewegen, kurz herauszukommen und nach dem Rechten zu sehen [...]. Zu alledem zeigte es sich, daß ein Teil der Zimmerzwischenwände im 2. Stock bei früheren Umbauten so miserabel ausgeführt worden waren, daß sie eingerissen und neu ausgeführt werden müssen; daß der Bodenbelag durch die Nässe trotz aller Vorkehrungen so gelitten hat, daß er erneuert werden muß."

Aufgrund der geschilderten Umbauprobleme mussten die Herbstseminare gezwungenermaßen im inzwischen längst abgerissenen Tutzinger Hotel Seehof stattfinden. Die Verzögerung hatte zudem zur Konsequenz, dass noch bis Ende 1963 die Gäste in Hotels und Pensionen in Tutzing und Bernried untergebracht werden mussten. Positiver Nebeneffekt: der damit verbundene Schub für die heimische Tourismusbranche. Das nach außen hin sichtbarste Zeichen der Baumaßnahmen war das neue Walmdach, das das bisherige stark untergliederte Dachgebilde ersetzte und auch dafür sorgte, dass viele Schrägen in den oberen Zimmern verschwanden.

Neubau eines Gästehauses

Einen weiteren Meilenstein in der Baugeschichte der Akademie bildete die Inbetriebnahme des neuen Gästehauses am 29. März 1974, die mit einem Empfang gefeiert wurde, zu dem der damalige Akademiedirektor Manfred Hättich rund 110 Ehrengäste begrüßen konnte. Beim Amtsantritt Hättichs im Herbst 1970 war das Bauvorhaben allerdings bereits weitgehend geplant und vorbereitet gewesen. Bis zur Einweihung des Neubaus musste dann aber noch gut drei Jahre unter den alten, völlig unzulänglichen Raumbedingungen gearbeitet und getagt werden: Für die Unterbringung der Tagungsgäste standen ausschließlich das erste und zweite Obergeschoss des Klenzebaus mit überwiegend Zwei-, Drei- oder gar Vierbettzimmern zur Verfügung - Bedingungen, auf eher rustikalem Jugendherbergsniveau. Das Sekretariat der Akademie musste sich mit einem einzigen Raum bescheiden. Auch verfügten die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kaum über Einzelbüros. Die Möglichkeit, ein Seminar in kleinere Gruppen aufzuteilen, war außerordentlich eingeschränkt. Und auch die Unterkünfte für das in der Akademie wohnende Personal waren mehr als dürftig bemessen.

Dies alles änderte sich mit der Inbetriebnahme des Gästehauses. Von da an konnten die Gäste in hellen Zimmern mit jeweils eigener Nasszelle untergebracht werden. Die Bettenkapazität beläuft sich seither auf maximal 72 Übernachtungsgäste, die es auf 48 Einzel- und 12 Doppelzimmer zu verteilen gilt. Im Zuge des Erweiterungsbaus entstand auch der nördlich an das Bettenhaus angrenzende Mitarbeiterparkplatz. Die Kapazitätserweiterung führte zu einer annähernden Verdoppelung der jährlichen Tagungsanzahl. Oft finden seither parallel zwei Veranstaltungen statt, wobei diese nun auch in Kleingruppen aufgeteilt werden können. Eine deutliche Verbesserung ergab sich nicht zuletzt dadurch, dass die großen Funktionsbereiche einigermaßen separiert werden konnten: Tagungsbetrieb im Hörsaal- und Pavillonbau, in dem sich ein weiterer, mittelgroßer Hörsaal und zwei Gruppenräume befinden; Büro- und Verwaltungsbereich im Altbau; Schlaftrakt im neuen Gästehaus.

Aber auch Kritisches gibt es anzumerken: Ausgeführt im typischen Baustil der 1970er-Jahre passt sich das neue Bettenhaus weder von seiner Architektur noch von seiner Dimensionierung her dem Altbau der "Klenzevilla" an. Und auch unter Energieeffizienzgesichtspunkten war und ist das Gebäude nicht gerade als richtungsweisend anzusehen. Mitte der 1990er-Jahre erfolgte eine erste grundlegende Renovierung und Neueinrichtung der Gästezimmer. Im Zuge dessen wurden die bisher im Bettenhaus benutzten Möbel einer privaten Hilfsinitiative für Nordost-Ungarn überlassen.

Im Jahr 2000 wurde zwischen dem Freistaat Bayern und der LVA Oberbayern (inzwischen: Deutsche Rentenversicherung Oberbayern) ein Erbpachtvertrag über das Anwesen "Haus Buchensee"" unterzeichnet. Damit ging das Akademiegelände mit seiner Grundfläche von 3,187 Hektar für weitere 99 Jahre rückwirkend zum 1. Juli an die Akademie über.

Brandschutzmaßnahmen

Für erhebliche Beeinträchtigungen des Akademiebetriebs über mehrere Monate hinweg sorgten die im Jahre 2001 ausgesprochenen Brandschutzauflagen des zuständigen Landratsamtes. Hierdurch wurden umfangreiche und kostspielige Baumaßnahmen, unter anderem der Einbau einer Brandmeldeanlage, von Brandschutztüren sowie einer Rauchabzugsanlage, erforderlich, die schwerpunktmäßig das Gästehaus der Akademie betrafen. Infolgedessen musste der gesamte Tagungsbetrieb erheblich reduziert werden. Ein halbes Jahr blieb das Bettenhaus geschlossen und die Teilnehmer mussten Absagen, Verlegungen und auswärtige Unterbringung in Kauf nehmen. Zugleich wurde der gesamte Baukörper durch eine LAN-Infrastruktur erschlossen. Seit März 2014 steht den Gästen aber auch ein drahtloser Internetzugang über WLAN auf den Zimmern zur Verfügung.

Neben dem Gästehaus hat auch der Innenhof der Akademie 2003 eine gründliche Veränderung erfahren. Die eigentliche Absicht, die Feuerwehrzufahrt zu verbreitern, wurde elegant für eine ansprechende Neugestaltung des bislang eher unattraktiven Hofareals genutzt: Zwischen Blumen und Ziersträuchern laden seither Sitzbänke und ein Schachspiel mit Großfiguren zum Verweilen ein. Den botanischen Glanzpunkt dieser neuen Bepflanzung bildete die sogenannte "Heinrichs-Eiche", eine stattliche Säuleneiche, die der seinerzeitige Akademiedirektor Heinrich Oberreuter von den Beschäftigten zum 60. Geburtstag geschenkt bekam.

Eingangshalle mit Durchblick

In der Hausschließungszeit des Sommers 2004 wurde mit den Abrissarbeiten für den Neubau der Eingangshalle der Akademie begonnen. In ihrer bisherigen Form war den Gästen und Mitarbeitern der Blick auf den See vollständig verwehrt gewesen. Die Fertigstellung des neuen Foyers erfolgte im Juni 2005. Die neue, komplett verglaste Eingangshalle bietet seither nicht nur mehr Platz und Durchblick zu Park und See, sondern auch einen Balkon zum Innenhof, der attraktive Perspektiven für die Pausen in der wärmeren Jahreszeit eröffnet. Ihre erste große Bewährungsprobe hatte die neue Eingangshalle am 18. November 2005 im Rahmen der zweiten Tutzinger Kulturnacht zu bestehen. "Jazz meets Brahms", so lautete der Titel des Kulturnachtkonzerts im neuen Akademie-Foyer. Zuhörer und Musiker waren sich gleichermaßen einig, dass die gewonnene Leichtigkeit aus Stahl und Glas auch durch eine hervorragende Akustik überzeugt.

Neuer Hörsaalkomplex garantiert Zukunftsfähigkeit

Bereits lange vor 2005 hatte es immer wieder Überlegungen der Akademie zur Verbesserung der Tagungssituation durch einen neuen, zeit- und funktionsgerechten Hörsaal gegeben. Ein Neubau war dringend nötig, zumal sich der alte Saal aus den frühen 1950er-Jahren für renommierte Veranstaltungen häufig als zu klein erwies. Zudem war er technisch veraltet und nicht klimatisiert. Anfang 2005 stellte der in München ansässige Architekt Friedrich Hingerl seine in Eigeninitiative erstellte Planung eines neuen Hörsaals vor: Dieser sollte platz- und umweltschonend in den Untergrund des bestehenden Rosengartens der Akademie zwischen Klenzebau und nördlichstem Pavillon eingepasst werden. Nach einhellig positivem Echo mussten aber zunächst die notwendigen Finanzquellen erschlossen werden, sodass erst im März 2008 die Beauftragung zur detaillierten Entwurfsplanung erfolgen konnte. Ende Oktober 2009 wurde die Baugenehmigung durch das Landratsamt Starnberg erteilt und im März 2010 konnten die ersten Bauarbeiten aufgenommen werden. Im früheren Rosengarten wurde zwischen den alten Gebäuden eine gewaltige Baugrube ausgehoben und der Neubau schließlich optisch gefällig mit einer großen Fensterfront zur Seeseite rund sechs Meter tief in den Hang versenkt. Er umfasst ein 220 Quadratmeter großes, mit modernster Medien- und Übertragungstechnik ausgestattetes Auditorium (Heinrich-Oberreuter-Saal), das Platz für bis zu 200 Tagungsteilnehmer bietet. Der Saal kann geteilt werden, sodass zeitgleich zwei Tagungen parallel stattfinden können. Seine gelungene Feuertaufe erlebte der neue Hörsaalkomplex Ende Juni 2011 bei der ersten Großveranstaltung "Lernstatt Demokratie" mit rund 180 Schülern, Lehrern, Politikern und Wissenschaftlern.

Neben Stau- und Technikräumen beheimatet der neue Hörsaalkomplex auch einen Archivraum mit Rollregalanlage sowie das Seestüberl, ein elegant eingerichteter Clubraum für anregende Gespräche in angenehmem Ambiente. Dessen Gestaltung und Ausbau wurde durch die seit November 2011 amtierende Akademiedirektorin Ursula Münch forciert. Im April 2016 konnte sie die offizielle Eröffnung des fertiggestellten Seestüberls vornehmen.

Der weitläufige Akademiepark

Auch der Park und die Außenanlagen haben gewisse Veränderungen erfahren. Nach Jahrzehnten des ungezügelten Wachstums drohten einige der Bäume zum Verkehrsrisiko zu werden. So sah man sich beispielsweise 1976 nach Konsultationen von Baumexperten des Landratsamtes zu einer aufwendigen Fällaktion von insgesamt 16 kranken Bäumen gezwungen. Im Folgejahr wurde eine Ersatzbepflanzung vorgenommen und seither sind die Baumpflegearbeiten verstetigt worden. Als Grundlage hierfür dient die 2001 abgeschlossene Diplomarbeit zweier Studentinnen an der Fachhochschule Weihenstephan, Sabine Buxbaum und Martina Müller, die eine Pflegekonzeption des Akademieparks vorlegten - im Sinne seiner Wiederherstellung im englischen Stil mit markanten Sichtachsen zum See.

Zu den im Park der Akademie noch aus der Vorzeit ihrer Errichtung vorhandenen steinernen Bildnissen von Sokrates, Platon, Aristoteles und Sophokles hat sich im Mai 1985 eine Dame hinzugesellt: "Die Sitzende" wurde vom Freistaat Bayern erworben und vom damaligen Bayerischen Kultusminister Hans Maier der Akademie als Dauerleihgabe übergeben. Ihren neuen Platz fand sie im Rosengarten der Akademie. Geschaffen wurde die Skulptur von der Münchner Bildhauerin Marlene Neubauer-Woerner. Nur einmal hat die Dame seither ihr Domizil mit Seeblick verlassen, nämlich für die Ausstellung zu Ehren des 70. Geburtstages der Künstlerin im Sommer 1988 in der Münchner Residenz.

Mit der Erstellung des neuen Hörsaalkomplexes war zugleich auch eine vollständige Neuanlage des Rosengartens der Akademie verbunden. Diese wurden derart zügig zum Abschluss gebracht, dass das alljährliche Gartenfest der Akademie im Juli 2011 bereits wieder an vertrautem Ort stattfinden konnte.

Auch der akademieeigene Badesteg stand von Beginn an im Fokus baulicher Maßnahmen. Davon zeugt nicht zuletzt die reichhaltige Korrespondenz mit der zuständigen Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung. Die mit Entschließung vom 8. Juli 1938 bewilligte Schiffshütte mit Badestiege und Badehütte mit Terrasse wurde auf Anweisung der Seenverwaltung im Mai/Juni 1942 wieder abgebrochen und durch einen kleineren "Bootssteg mit Sonnenliegeplatz" ersetzt. Dieser musste bereits 1956 an gleicher Stelle und in gleicher Größe entsprechend den Plänen des Tutzinger Zimmerermeisters Martin Müller vollständig erneuert werden.

Der von der Sozialpolitischen Schule gestellte Antrag auf Erstellung von Badekabinen wurde hingegen von der Schlösser- und Seenverwaltung negativ beschieden. Im Ablehnungsbescheid vom 2. Mai 1955 heißt es wörtlich: "Ich bitte Sie zur Kenntnis nehmen zu wollen, dass Badehäuser am Ufer des Starnbergersees unter keinen Umständen zugelassen werden - dies in erster Linie mit Rücksicht auf die Notwendigkeit, es im Interesse des Landschaftsschutzes möglichst von weiteren Hüttenneubauten freizuhalten."

Ausblick auf anstehende Bauprojekte

Nicht zuletzt um die Attraktivität der Akademie für Tagungsgäste aufrechtzuerhalten beziehungsweise noch weiter auszubauen, stehen mittelfristig einige größere Bauprojekte an. Dazu gehören der Umbau des großen Speisesaals sowie verschiedene behindertengerechte Um- und Ausbauten. Da diese baulichen Maßnahmen kaum aus dem laufenden Haushalt bestritten werden können, müssen hierfür zunächst die nötigen Finanzmittel eingeworben werden.

Kurzchronik des Anwesens "Haus Buchensee"

1861 erwirbt vermutlich Hippolyt von Klenze (1814-1888), Sohn des königlich-bayerischen Baumeisters Leo von Klenze (1784-1864), das Parkgrundstück am See, um sich darauf im klassizistischen Stil ein Haus zu errichten. Andere Quellen führen Leo von Klenze als ursprünglichen Grundstückseigentümer an.

1864 verstirbt Leo von Klenze.

1865 wird die "Villa Buchensee" fertig gestellt. Es wird angenommen, dass das Hauptgebäude auf einen Entwurf Leo von Klenzes zurückgeht und der Park eine Schöpfung des Gartenarchitekten Carl von Effner (1831-1884) ist.

1938 nach mehrfachem Eigentümerwechsel (zuletzt: Architekt Ludwig Behr) erwirbt die Landesversicherungsanstalt (LVA) Oberbayern das Anwesen, um darauf ein Jugendertüchtigungs-lager zu errichten. Der dazu notwendige Umbau des Hauses verzögert sich kriegsbedingt bis ins Jahr 1942 hinein.

1942/43 nach Abschluss der Umbauarbeiten wird das Haus von der Wehrmacht beschlagnahmt und als Reservelazarett genutzt. Nach Kriegsende war es für kurze Zeit durch die amerikanische Armee besetzt.

1945/46 dient es als Notunterkunft für Ausquartierte und Flüchtlinge.

1947/48 Nutzung als (Kreis-)Altenheim. Als 1952 das Altenheim im ehemaligen Schloss Garatshausen bezogen werden kann, geht das Anwesen wieder in die Verfügungsmacht der LVA über.

1952/53 Anbau eines zweigeschossigen Saalgebäudes und von vier Einzelpavillons: Eröffnung der Sozialpolitischen Schule der LVA zur Ausbildung des eigenen Nachwuchses.

1957 Abschluss des Mietvertrages zwischen dem Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und der Landesversicherungsanstalt Oberbayern über die Anmietung des Anwesens "Haus Buchensee" mit einer Grundstücksfläche von 3,187 ha ab dem 1. September 1957 auf unbestimmte Zeit zur Unterbringung der Akademie für Politische Bildung.

1958 Arbeitsbeginn der Akademie: In der Bundesrepublik und darüber hinaus gibt es keine vergleichbare Einrichtung.

1962 Anmietung des Fünf-Familienwohnhauses "Buchensee 3" durch die Akademie als Generalmieter für deren Mitarbeiter: Das Haus ist von der Wohnungsfürsorge Oberbayern und Schwaben, gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH München, in den Jahren 1960/61 mit Zuwendungen des Freistaates Bayern erbaut worden.

1973/74 Neubau des Gästehauses: Seither verfügt die Akademie über 72 Gästebetten (48 Einzelzimmer und 12 Doppelzimmer mit je eigener Nasszelle).

2000 Der Erbpachtvertrag über das Anwesen "Haus Buchensee" wird vom Freistaat Bayern und der LVA Oberbayern (jetzt: Deutsche Rentenversicherung Oberbayern) unterzeichnet. Damit geht das Akademiegrundstück für weitere 99 Jahre rückwirkend zum 1. Juli an die Akademie über.

2003 Die Brandschutzauflagen des zuständigen Landratsamtes machen umfangreiche und kostspielige Baumaßnahmen erforderlich, die insbesondere das Gästehaus der Akademie betreffen. Der Tagungsbetrieb muss erheblich reduziert werden. Zwischen April und September bleibt das Bettenhaus geschlossen, und Interessierte wie Gäste müssen Absagen, Verlegungen und auswärtige Unterbringung in Kauf nehmen.

2005 Neue Eingangshalle vollendet: Hell, freundlich, transparent und modern präsentiert sich nach über einem halben Jahr Bauzeit das neue Foyer der Akademie.

2010 Baubeginn für den neuen Hörsaalkomplex: Im März wird mit den Erdarbeiten im früheren Rosengarten begonnen und zwischen den alten Gebäuden eine gewaltige Baugrube ausgehoben. Die Stabilisierung an der Hanglage erfordert umfangreiche Ankermaßnahmen. Der 220 Quadratmeter große Saal bietet Platz für bis zu 200 Tagungsteilnehmer und ist damit der größte Raum des Hauses.

2011 Feuertaufe des neuen Auditoriums ("Heinrich-Oberreuter-Saal") im Juni durch die erste Großveranstaltung "Lernstatt Demokratie 2011" mit rund 180 Schülern, Lehrern, Politikern und Wissenschaftlern.

2020-2022 Energetische Sanierung des Gästehauses

Kurzchronik der Akademie für Politische Bildung