Festlich war es bei uns schon immer

Zu den Reden und Rednern der vergangenen Akademiejubiläen

Mai 2007




Die Akademie für Politische Bildung existiert schon seit 60 Jahren. Ob im Bayerischen Landtag, in der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München oder im Garten der Akademie, ob mit deutschen oder ausländischen Politikern und Wissenschaftlern als Rednern: die Akademie wusste schon immer, wie man ein gutes Fest feiert. Anders als bei manch anderer Festivität steht aber bei Jubiläumsfeiern das Politische stets im Vordergrund und es wurden einige bewegende, auch umstrittene Reden gehalten.

Nur wenige Jahre nachdem die Idee der Akademie für Politische Bildung geboren ist, findet am 21. Februar 1959 der Festakt zur Eröffnung der Akademie in der Großen Aula der LMU statt. Der damalige Bayerische Ministerpräsident sowie Gründungskurator der Akademie Dr. Hanns Seidel spricht in seiner Eröffnungsrede über zentrale Aufgaben der politischen Bildung und der Akademie. Gleich zu Beginn wird sein Hauptanliegen deutlich: „Die politische Bildung des Staatsbürgers muss so sein, dass er verführerischen Schlagworten und demagogischen (...) Parolen nicht kritiklos verfallen kann". Es sei daher grundlegend, Kenntnisse der staatlichen Grundlagen zu vermitteln. Dadurch kann die Fähigkeit erlangt werden, Angriffe auf die demokratische Grundordnung zu erkennen. An zweiter zentraler Stelle steht für Seidel die aktive Teilnahme der Staatsbürger am politischen Geschehen. Erst dann wird Demokratie lebensfähig: „Der Erfolg der Arbeit der Akademie wird allerdings in einem sehr weiten Umfang davon abhängen, ob es ihr gelingt, den Staatsbürger über die Vermittlung des grundlegenden Wissens hinaus zur Mitgestaltung und Mittragung der Verantwortung aufzurufen." Die Akademie soll den Mittelpunkt aller politischen Bildungsorganisationen darstellen und damit die überparteiliche politische Bildung vertiefen. Nur so kann es zur Festigung des Gedankenguts der freiheitlich demokratischen Staatsordnung kommen.

1959: Seidel, 1982: Sternberger, 2007: Gauck

25 Jahre später widmet sich Prof. Dr. Dr. Dolf Sternberger (siehe Foto), damals Ordinarius für Politikwissenschaft an der Uni Heidelberg, in seiner Festrede im Plenarsaal des Bayerischen Landtags am 29. Juni 1982 dem Begriff des „Verfassungspatriotismus" – ausgehend von einem Zitat von Ralf Dahrendorf: „Patriotismus ist Voraussetzung des Weltbürgertums." Um sich für andere Horizonte öffnen zu können, muss man sich zuerst zu etwas verbunden fühlen: seinem Herkunftsland. Doch so einfach ist das mit dem Patriotismus nicht. Auf Grund der geschichtlichen Vergangenheit haben viele Deutsche Schwierigkeiten, ihr Vaterland als ein solches anzusehen. Ohne Verfassung oder ohne Staat kann es laut Sternberger keine patriotischen Einstellungen geben; man muss sich dem Land inklusive aller freiheitsbietenden Gesetze verbunden fühen. Auch wenn der Begriff „Vaterland" an Bedeutung verloren hat, ist sich Sternberger sicher: Der Ausdruck passt auch heute, sofern er für Freiheit durch die Verfassung steht. Doch kann ein Verfassungsstaat, so komplex wie er ist, Loyalität und Zuneigung erwecken? Die USA oder die Schweiz beweisen dies: Dort hält die Verfassung das Volk zusammen und schafft Patriotismus trotz verschiedener Ethnien bzw. Sprachen. Voraussetzung für einen patriotischen Zusammenhalt ist also eine gemeinsame Verfassung. Man müsse daher um jeden Preis an Verfassung und Freiheit festhalten.

1959: Politische Bildung, 1982: Verfassungspatriotismus, 2007: Freiheit

Zum 50-jährigen Bestehen der Akademie spricht Dr. h.c. mult. Joachim Gauck am 20. Juni 2007 im Plenarsaal des Bayerischen Landtags zum Thema „Freiheit" mit einem besonderen Hintergrund: Gauck – inzwischen ehemaliger Bundespräsident – lebte in den Jahren des geteilten Deutschlands in der DDR und musste somit jeden Tag aufs Neue um seine Freiheitsrechte fürchten. Für viele mag Freiheit etwas Selbstverständliches sein. Man schätzt sie kaum, weil man es nicht anders kennt. Das gilt aber nicht für Gauck: Freiheit ist für ihn die Hauptsache in seinem Leben. Nach langer Zeit fühle er sich endlich frei für etwas, anstatt frei von etwas. Nichts habe sein Leben so sehr bereichert, wie das Gefühl, nicht mehr in Ketten gehen zu müssen, Mitgestaltungsmöglichkeiten zu haben. Er beschreibt seine Erinnerungen an das Leben in der DDR: „Das Reich der Freiheit zog sich zurück in die Innenräume der Individuen, manchmal auch in Gebäude – vielleicht in Kirchen oder Gemeinschaftshäuser, in familiäre Zirkel, in Freundeskreise. Da gab es sie. Sie wurde heiß geliebt. Sie wurde auch verehrt. Sie wurde bewundert. Sie wurde so sehr geliebt, weil sie so sehr fehlte." Freiheit muss daher immer neu gewagt und immer neu errungen werden. Gauck sieht darin einen wichtigen Bildungsauftrag der Akademie: Deutschen, die eine Beziehung der Angst mit der „Freiheit" haben muss Mut gemacht werden, Freiheit zu schätzen und zu wagen.

Auch dieses Jahr feiern wir das 60-jährige Beststehen der Akademie mit einem gebührenden Festakt im Bayerischen Landtag, Festredner wird der britische Historiker Timothy Garton Ash sein.

Eine weitere Rede beim Festakt zur Eröffnung der Akademie hielt Eric Voegelin, Ordinarius für Politikwissenschaft an der LMU München und Gründungskurator der Akademie ("Demokratie im Neuen Europa"); zum 10-jährigen Bestehen der Akademie sprach am 26. November 1968 der spätere Bayerische Kultusminister Hans Maier ("Reform in der Demokratie"); beim Festakt zum 40. Akademie-Jahrestag am 6. Juni 1997 hieß das Thema des ehemaligen polnischen Außenministers Władysław Bartoszewski "Bürgertugenden und politische Kultur".

Franziska Vogel


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