Anspruch und Wirklichkeit der politischen Bildung in Bayern

Gründung des Landesverbands Bayern der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung e.V. in der Akademie

Januar 1966


Im Mai 1966 veranstaltete die Akademie in Zusammenarbeit mit der erst ein Jahr alten Deutschen Vereinigung für Politische Bildung e.V. (DVPB) eine Tagung für bayerische Sozialkundelehrer aller Schularten. Dabei wurde nicht nur über fachspezifische Themen, Didaktik und die Ausrichtung des Unterrichts gesprochen, sondern auch die Landesgruppe Bayern der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung (DVPB LV Bayern) aus der Taufe gehoben.

Im Zentrum der Tagung standen in erster Linie wissenschaftliche und methodische Fragen des Unterrichts. Breiten Raum beanspruchte die Aussprache über Ziele, Methoden und Erfolge der Sozialkunde in Bayern. Neben der beachtlichen Zahl von rund 110 Lehrern nahmen auch Vertreter bayerischer Erwachsenenbildungseinrichtungen an der Veranstaltung teil.
Bereits in der Ankündigung fand sich der Hinweis, dass "bei dieser Gelegenheit eine Landesgruppe Bayern der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung gegründet werden" solle.

Neben dem quasi ministeriellen Plazet für den Gründungsakt hatte das Kultusministerium die Genehmigung erteilt, Veranstaltungsteilnehmer aus staatlichen Schulen vom Dienst zu befreien. Die besondere Aufmerksamkeit und das Interesse des Kultusministeriums erfuhr in den Grußworten zweier hochrangiger Vertreter weitere Bestätigung.

Den Eröffnungsvortrag zum Thema „Wissen, Einsicht und Aktivität in der politischen Bildung“ bestritt Akademiedirektor Felix Messerschmid. Am Abend sprach der Münchner Soziologe Karl Martin Bolte „Zum Problem der Freiheit in der Gesellschaft“. Am zweiten Tag stellte Manfred Teschner vom Institut für Sozialforschung in Frankfurt/Main seine Untersuchungsergebnisse zur – unzulänglichen – Wirksamkeit der politischen Bildung an höheren Schulen vor. Daran anknüpfend formulierte der Bundesvorsitzende Adalbert Brunner im abschließenden Referat über „Anspruch und Wirklichkeit des Sozialkundeunterrichts“ zentrale Aufgaben und Forderungen der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung.

Vorsichtige Taktik von Erfolg gekrönt

Mit aller Behutsamkeit waren die Tagungsteilnehmer in einem Rundbrief auf die beabsichtigte Landesgruppengründung vorbereitet worden: "Selbstverständlich sind Sie vor allem zum Zweck der Aussprache nach Tutzing eingeladen. Auf keinen Fall sollen Sie sich genötigt fühlen, der Vereinigung beizutreten. Der Unterzeichnete [Adalbert Brunner] hofft aber, dass unsere Aussprachen selbst zu dem Ergebnis führen werden, die Praktiker der politischen Bildung müssten aus ihrer Kenntnis der Situation auf die weitere Entwicklung der Sozialkunde und der gesamten politischen Erziehung stärker Einfluss nehmen. Sie selbst [...] wissen, dass dies heute nicht anders als über einen kräftigen Verband möglich ist. Sie werden deshalb sicher nicht überrascht sein, wenn die Deutsche Vereinigung [für Politische Bildung] Sie bittet, ihr Mitglied zu werden."

Brunners Werben blieb der Erfolg nicht versagt: Im Anschluss an seine Ausführungen wurde die Gründung der Landesgruppe Bayern der DVPB beschlossen und Akademiedozent Hans Friedrich zu ihrem ersten Vorsitzenden gewählt. Friedrich schien für dieses Amt geradezu prädestiniert: 1956 Staatsexamen in Deutsch, Geschichte, Erdkunde; 1956-1965 Gymnasiallehrer in München; 1965 Ergänzungsprüfung für Sozialkunde; ab 1. Januar 1966 vom Schuldienst beurlaubt und als hauptamtlicher Dozent an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing tätig.
Um für ihr Anliegen zu werben sowie ihre Mitgliederbasis zu verbreitern, knüpfte die neue Landesgruppe in der Folgezeit vielfältige Kontakte zu unterschiedlichen, mit politischer Bildung im weitesten Sinne befassten Persönlichkeiten, Gruppierungen und Einrichtungen.

Auftakt mit Hindernissen

Nach der ursprünglichen Planung sollte bereits im Herbst 1966 eine öffentliche Tagung und Mitgliederversammlung in Nordbayern stattfinden, die jedoch auf Grund der „überraschenden Rücknahme von Finanzierungszusagen" entfallen musste. Stattdessen luden Akademie und DVPB-Landesverband Vertreter bayerischer Lehrerverbände für den Mai 1967 erneut nach Tutzing ein. Zentrales Thema dieser Konferenz bildete wiederum die Lage der politischen Bildung im bayerischen Schulwesen.

Auch im darauffolgenden Jahr 1968 veranstaltete die Akademie eine Tagung zusammen mit der Landesgruppe Bayern der DVPB, die ganz unter dem Zeichen der „politischen Unruhe der Jugend" stand. Weitere Tutzinger Konferenzen schlossen sich an.
An den grundlegenden Zielen und Aufgabenstellungen der Vereinigung hat sich seit 1966 bis heute nichts geändert. Über 50 Jahre steht sie mittlerweile im Dienste der politischen Bildungsarbeit und setzt sich auf allen Ebenen für deren Ausbau und Förderung ein.

Steffen H. Elsner


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