Inklusion - mehr als Integration

Abschluss des 4. Tutzinger Diskurses / Positionspapier und Begleit-Broschüre zum Download

München / Pressemitteilung Tagungsbericht / Online seit: 15.12.2018

Von: Valentine Auer und Juliane Schwab / Fotos: Benjamin Storck

Foto: Pixabay CCO/geralt

# Kommunalpolitik, Gesellschaftlicher Wandel, Parlamente Parteien Partizipation, Integration, Politische Bildung, Sozialstaat

Download: Wege der Integration

„Wege der Integration" – für das Diskurs-Projekt an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing haben 15 Expertinnen und Experten (im Foto unten) aus Wissenschaft und Praxis Ideen zur Integration ausgearbeitet. Auf einer öffentlichen Abschlussveranstaltung mit 120 Gästen und großer Resonanz darüber hinaus stellte der Tutzinger Diskurs Thesen für ein gelingendes Zusammenleben vor.


Wege der Integration APB Tutzing

Die Ermöglichung umfassender Teilhabe und die Entwicklung eines inklusiven Gesellschaftsbegriffs standen dabei im Zentrum. Zentrale Botschaft des Diskurses war, dass jeder Mensch – unabhängig von Geschlecht, Herkunft et cetera, ob migriert oder nicht migriert – in seinem Bedürfnis nach Teilhabe zu unterstützen sei. Die Frage der Inklusion betrifft also nicht bloß bestimmte Teilgruppen von Menschen, wie zum Beispiel die Gruppe der Migrantinnen und Migranten, sondern die gesamte Gesellschaft. Wenn alle hier lebenden Menschen frühzeitig und bedürfnisorientiert unterstützt werden, dient dies zugleich dem Wohl aller.

Zentrale Orte der Begegnung schaffen

„Wir gehen davon aus, dass das Thema Migration mit den zurückgehenden Zahlen der Geflüchteten nicht erledigt ist, sondern, dass Migration dauerhaft ein Thema sein wird. Daher bedauern wir, dass es derzeit so einseitig diskutiert wird", bestätigt Diskurs-Teilnehmer Uwe Kraus. Eine Diskussion, die im Moment eher darauf ausgerichtet ist, wie man Menschen losbekommt, und nicht darauf, wie wir Integration in Zukunft gestalten wollen. Eine Forderung ist daher, kommunale Zentren aus- und aufzubauen, um Inklusion vor Ort zu gestalten – sowohl als Ort der Verwaltung als auch als Begegnungsraum. „Alle Wertebildung, alles Zusammenleben ist am Ende nicht abstrakt zu vermitteln, sondern in der Begegnung von Menschen und daran hapert's", so Kraus weiter. Dementsprechend benötige es unbürokratische Fördersysteme, damit auch kleine Begegnungsräume auf niederschwelligem Weg entstehen können.

Der Diskurs muss weitergehen

Einen solchen Begegnungsraum zu schaffen, war auch Teil der Abschlussveranstaltung selbst. Was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Diskurses ein Jahr lang beschäftigt hatte, wurde nun mit der interessierten Öffentlichkeit besprochen. Die Gäste starteten an Thementischen intensive Diskussionen und setzten damit den Diskurs fort. „Wir haben ganz schön viel gestritten und über Prämissen diskutiert", blickt Erdogan Karakaya auf die letzten Monate zurück. Damit erfüllen die Diskurs-Teilnehmer*innen eine der eigenen Forderungen, denn auch das Streiten findet sich in der Ideensammlung: Konkret benötige es eine „konstruktive Gesprächs- und Streitkultur, in der alle ihre jeweiligen Perspektiven einbringen können und gemeinsam die Formen des Zusammenlebens aushandeln". Die Herausforderungen sind bekannt und benannt. Gelöst sind sie damit noch lange nicht. Und dennoch: „Es ist ein bemerkenswerter Weg, der hier gegangen wurde", schlussfolgert Akademie-Direktorin Ursula Münch.


Die Ideensammlung des Tutzinger Diskurses "Wege der Integration"


Bildergalerie

Flickr APB Tutzing

Flickr-Galerie © Akademie für Politische Bildung Tutzing

Weitere Informationen

Katholische Nachrichten-Agentur / Domradio: Fachleute geben Tipps zur besseren Integration von Zuwanderern

DAS BÜNDNIS für Menschenrechte & Zivilcourage - gegen Diskriminierung & Extremismus: „Wir lehnen den Begriff Integration ab“


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